Wolfsburg von Donezk in den Schlussminuten zerlegt

Der VfL Wolfsburg hat das Finalturnier der Europa League in Deutschland verpasst. Die Wölfe verloren nach der 1:2-Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel auch bei Schachtjor Donezk mit 0:3 (0:0). Júnior Moraes (89./90.+3) und Manor Solomon (90.+1) trafen. Dawit Chotscholawa sah bei Donezk Rot (68./Notbremse), zwei Minuten später flog auch der Wolfsburger John Anthony Brooks mit Gelb-Rot vom Platz.

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So lief das Spiel:

Exakt 146 Tage nach der 1:2-Heimniederlage des VfL Wolfsburg im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League bekamen die Wölfe nun in Kiew die Möglichkeit, die schlechte Ausgangssituation zu ihren Gunsten zu drehen. Gegner Schachtjor Donezk, seinerseits inzwischen erneut Meister in der Ukraine, musste dabei auf Linksverteidiger Ismaily verzichten.
Donezk-Trainer Luis Castro setzte notgedrungen den etatmäßigen Innenverteidiger Mykola Matviienko auf dessen Position ein. Auch VfL-Coach Oliver Glasner musste nach den Ausfällen von Renato Steffen (Sperre) und Kevin Mbabu (Coronavirus) improvisieren. So rückte mit Marcel Tisserand auch auf Seiten des VfL ein Innenverteidiger nach außen.
Die Gäste aus Niedersachsen versuchten vom Anpfiff weg, die feinen Techniker in den Reihen von Donezk früh zu stören. Dies gelang in den ersten Minuten gut. Mit zunehmender Spieldauer merkte man jedoch, dass Donezk` letztes Pflichtspiel nur knappe zweieinhalb Wochen her ist. Der ukrainische Meister übernahm mehr und mehr die Kontrolle, wurde sicherer im Kombinationsspiel und ließ die Wölfe laufen.
Nach ungefährlichen Distanzschüssen von Antonio und Patrick war es schließlich Donezk-Urgestein Marlos, der nach 26 Minuten am Pfosten scheiterte. Nur kurze Zeit später folgte eine Doppelchance durch Matviienko und Júnior Moraes. Den ersten Abschluss parierte Koen Casteels mit einer sehenswerten Fußabwehr, beim Schuss von Torjäger Moraes hatte der belgische Schlussmann dann einfach nur Glück, dass das Leder knapp am linken Pfosten vorbei ging. Angesichts der Vielzahl an guten Torgelegenheiten für die Hausherren, waren die Niedersachsen mit dem 0:0-Pausenstand noch gut bedient.
Glasner nahm in der Halbzeit - trotz der klaren Unterlegenheit seines Teams - keine Wechsel vor. Die Folge: Es bot sich das gleiche Bild, wie im ersten Durchgang. Die Hausherren erspielten sich Chance um Chance, scheiterten in Person von Moraes, Marlos und Taison aber wiederholt an Casteels und der eigenen Ungenauigkeit. Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kamen die Wölfe dann aber noch einmal besser ins Spiel.
Nach einem Foul an Joao Victor sah es kurz so aus, als ob für den VfL tatsächlich noch etwas zu holen wäre. Schiedsrichter Ivan Kruzliak zeigte nach dem Foul erst auf den Punkt, wurde dann aber durch den Video-Assistenten berichtigt und nahm den Elfmeter sowie die Gelbe Karte gegen Übeltäter Davit Khocholava zurück. Stattdessen gab es Freistoß für den VfL und Rot gegen den Schachtjor-Verteidiger.
Nachdem der anschließende Arnold-Freistoß von Pyatov pariert wurde, sah Brooks nach einem ungestümen Zweikampf Gelb-Rot und brachte die Wolfsburger um ihren Vorteil. In den Schlussminuten merkte man den Wölfen die fehlende Spielpraxis an und so kam es, wie es kommen musste. Binnen fünf Minuten zappelte der Ball gleich drei Mal im Netz der Wölfe. Schachtjors Top-Torjäger Moraes erzielte einen Doppelpack (89./90.+3) und holte damit nach, was er zuvor versäumt hatte. Zudem markierte der eingewechselte Manor Solomon (90.+1) das zwischenzeitliche 2:0. Die Niederlage des VfL geht am Ende auch in der Höhe in Ordnung.

Die Stimmen zum Spiel:

Oliver Glasner (Trainer VfL Wolfsburg): "Donezk war über beide Spiele gesehen die etwas bessere und reifere Mannschaft. Wir haben uns viel vorgenommen und die Jungs haben auch einiges probiert. Es gab beim Stand von 0:0 und unserer Überzahl kurzzeitig eine Situation, in der das Spiel hätte kippen können. Wir hätten gegen eine so gute Mannschaft dann unsere Überzahl und die Freistoß-Chancen nutzen müssen. Am Ende haben der Glaube und die Kräfte gefehlt. Schachtjor hat verdient gewonnen und wir ziehen unsere Lehren aus diesen beiden Spielen."
Luís Castro (Trainer Schachtjor Donezk): "Anfangs waren wir etwas nervös und haben zu viele Fehler gemacht. In der Halbzeit haben wir dann unser Spiel analysiert und sind in der zweiten Hälfte durchgehend verbessert aufgetreten. Wir wollten nicht nur verteidigen bis das Spiel vorbei ist, sondern wir wollten die Partie gewinnen. Es war natürlich unser Glück, dass Brooks nach dem Platzverweis gegen uns schnell die zweite Gelbe kassiert hat und das Spiel personell wieder ausgeglichen war. Das hat uns nochmal einen Schub gegeben. Am Ende waren wir dann konsequent und haben das Resultat bekommen, das wir angestrebt haben. Nun ist unser Ziel, ins Finale einzuziehen."

Der Tweet zum Spiel:

Nur wenige Minuten nachdem Schachtjors Khocholava des Feldes verwiesen wurde, musste auch John Anthony Brooks auf Seiten der Niedersachsen vorzeitig in die Kabine. Zum Haare raufen – nicht nur für den Admin des Wolfsburger Twitter-Accounts.

Das fiel auf: Donezk zerspielt VfL-Pressing

Wolfsburgs Pressing funktionierte anfangs sehr gut. Besonders Xaver Schlager zeigte in der Mittelfeldzentrale körperliche Präsenz und eroberte sich wiederholt Bälle. Nach einer knappen Viertelstunde hatten sich die feinen Techniker auf Seiten von Donezk jedoch gut auf das frühe Anlaufen der Gäste eingestellt.
Mit teils sehenswertem und schnellem Kombinationsspiel befreiten sich die Orange-Schwarzen immer wieder gut aus Drucksituationen und suchten anschließend schnell den Weg nach vorne. Die wuselige Offensiv-Abteilung um Taison, Marlos und Moraes bekamen die Niedersachsen zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Besonders Marlos drückte dem Spiel seinen Stempel auf und war der beste Mann auf dem Grün. Die wenigen Angriffe des VfL verpufften dagegen häufig, da es vor allem beim letzten Pass an Genauigkeit fehlte.

Die Statistik: 9

Keines der vergangenen neun Auswärtsspiele in der Europa League hatte der VfL Wolfsburg verloren – diese Serie riss heute. Durch die deutliche Auswärtsniederlage in der Ukraine verabschiedet sich der VfL Wolfsburg mit einem 1:5 in der Addition gegen Schachtjor Donezk aus der Europa League. Somit verpassen die Niedersachsen das Final-Turnier, welches zwischen dem 10. und 21. August in Köln, Düsseldorf, Duisburg und Gelsenkirchen ausgetragen wird.
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