Europa League - Bayer 04 Leverkusen steht nach erneutem Last-Minute-Sieg im Finale: Gefühlsexplosionen in Dauerschleife

Beim 2:2 (0:1) im Europa-League-Halbfinale gegen AS Rom lag Leverkusen bis kurz vor Ende überraschend 0:2 zurück und musste die Verlängerung fürchten. Doch dann verhalfen ein Eigentor und ein Last-Minute-Treffer von Bayern-Leihgabe Josip Stanisic der Werkself noch zu einem Remis, zum Finaleinzug – und zur Fortsetzung ihrer Unbesiegbarkeits-Serie von 49 Partien. Unglaublich. Unerklärlich.

Alonso zur Bayer-Serie: "Es ist unglaublich"

Quelle: Perform

Zur Mitteilung über den abgeänderten Tagesablauf schickte Xabi Alonso ein breites Grinsen in die Runde und hob dazu entschuldigend beide Arme.
Den Freitag hatte Leverkusens Trainer seinen Spielern gerade spontan freigegeben – und sich selbst damit die turnusmäßige Pressekonferenz vor dem Ligaspiel am Sonntag in Bochum gespart.
Denn schließlich gab es wieder mal mächtig was zu feiern unterm Bayer-Kreuz: Mit dem 2:2 gegen die AS Rom schaffte die Werkself den Einzug ins Finale der Europa League.
Aber nicht irgendwie, sondern einmal mehr absolut Leverkusen-like.

Leverkusens 14. Treffer in der Nachspielzeit

Den 2:0-Vorsprung der Rheinländer aus dem Hinspiel hatte Rom durch zwei verwandelte Elfmeter zwischenzeitlich wettgemacht, ehe das Alonso-Ensemble seine klare Überlegenheit in Tore ummünzte: Erst durch ein nach einer Ecke erzwungenes Eigentor des römischen Innenverteidigers Gianluca Mancini, sieben Minuten vor Schluss.
Und dann durch einen wuchtig-eleganten Treffer von Josip Stanisic, in der siebten Minute der Nachspielzeit. In dem Moment drohte die BayArena mal wieder zu bersten.
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Nathan Tella (l.) und Josip Stanisic

Fotocredit: Getty Images

Wie ein Schwarm Hornissen schoss das komplette Leverkusener Trainerteam, alle Betreuer, Funktionäre und Ersatzspieler quer über den Platz in die Ecke, wo Bayers Rasenpersonal den Torschützen gerade unter sich begrub.
Es war der 14. Leverkusener Treffer in der Nachspielzeit – und der nächste, der den Fortbestand der niederlagenlosen Serie sicherte. Aktuell steht der Zähler bei 49 Partien.

Alonso: "Keinen Einfluss mehr auf meine Mannschaft"

"Für so etwas gibt es keine Erklärung, das ist unglaublich", strahlte Bank-Chef Alonso angesichts der Gefühlsexplosionen, die es beim Werksklub in diesem Jahr in Dauerschleife gibt.
Das Spezielle am jüngsten Fall gegen Rom: Das 1:2 hätte den Gastgebern schon zum Einzug ins Finale gegen Atalanta Bergamo am 22. Mai in Dublin gereicht.
Doch anstatt Zeit zu schinden, drängten sie auf den Ausgleich. "Es war eine etwas komische Situation. Aber ehrlich gesagt, hatte ich in dem Moment keinen Einfluss mehr auf meine Mannschaft", berichtete Alonso, der zudem betonte: "Schon als es 0:2 stand, hab’ ich in den Augen der Jungs gesehen, dass sie richtig wollen."

Rollentausch zwischen Bayern und Bayer

 Besonders angriffslustig präsentierte sich in dieser Phase der gelernte Außenverteidiger Stanisic. "Der Plan des Trainers war nicht, dass ich so offensiv spiele", schmunzelte der 24-Jährige. "Aber vor dem Tor habe ich die Lücke gesehen und dachte mir, die Chance muss ich einfach nutzen. Und es ist ein geiles Gefühl, nicht zu verlieren."
Am Abend zuvor hatte Stanisic, von den Bayern ausgeliehen, das Münchner Halbfinal-Aus in der Champions League bei Real Madrid im Fernsehen verfolgt. Der stolze FCB bleibt damit erstmals seit 2012 ohne Titel.
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Leverkusen ist im Finale der Europa League

Fotocredit: SID

Die zwei Jahrzehnte lang als "Vizekusen" belächelten Bayer-Kicker dagegen können nach der Meisterschaft noch die Europa League und drei Tage später in Berlin den DFB-Pokal gewinnen.
"Das ist verrückt – auch wenn wir die drei Titel noch nicht alle gewonnen haben", kommentierte der in der 90. Minute eingewechselte Stanisic, schon beim meisterschaftsweisenden 3:0 gegen die Bayern im Februar und beim enthusiastisch gefeierten Treffer zum 1:1 in Dortmund, ebenfalls in der 97. Minute, erfolgreich.
Während zehn Meter von ihm entfernt Simon Rolfes entspannt an einem Geländer lehnte und über die frisch aktualisierten Aussichten seines Klubs sprach.

Riesige Motivation für das Endspiel-Doppel

 "Unsere Motivation für die beiden Endspiele ist riesig. Und wir haben eine Mannschaft, die beide Finals gewinnen kann", erwähnte Bayers Sport-Geschäftsführer, ehe er das Motto für die nächsten knapp zwei Wochen ausgab: "Wir wollen diesen Spirit, diesen Drive, diese Emotionen beibehalten. Bei uns geht jetzt alles Richtung Dublin und Berlin."
Dazwischen aber liegen noch die abschließenden Liga-Partien in Bochum und gegen Augsburg. Nach dem Heimspiel gegen den FCA bekommen die Leverkusener dann die Meisterschale ausgehändigt.
Und in Bochum treffen sie an diesem Wochenende auf das Team, gegen das sie in grauer Vorzeit letztmals verloren haben – beim 0:3 am finalen Spieltag der Vorsaison.

Duell mit Bochum - dem letzten Leverkusen-Bezwinger

 "Es war kein angenehmes Spiel", erinnerte sich Trainer Alonso. "Aber zum Glück haben wir es trotzdem in die Europa League geschafft."
In jenen Wettbewerb, in dem die Werkself nun den Titel anvisiert – mit einem Team, über das Sportchef Rolfes sagt: "Wenn du einen Lauf hast, musst du ihn immer wieder befeuern. Genau wie das Gefühl, immer zuschlagen zu können."
Dass man vor dem Spiel in Bochum dann mal eine Trainingseinheit sausen lässt, ist im Fall von Leverkusen tatsächlich egal.
Stellte doch selbst Roms Cheftrainer Daniele De Rossi am Donnerstagabend mit Blick auf Bayers sagenhafte Erfolgswelle fest: "Manche Saisons sind einfach von Gott gesegnet."
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Achterbahnfahrt ins Finale - Bayer stoppt die Roma

Quelle: SID


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