FC Bayern München: Die Baustellen des Rekordmeisters nach der Klub-WM - fehlender Reife und viele offene Kader-Fragen
Update 07/07/2025 um 12:27 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München reist mit Bauchschmerzen von der Klub-WM in den USA ab. Neben den ohnehin schon schwelenden Transfer-Fragen haben sich mit den Erkenntnissen aus der Viertelfinal-Niederlage gegen PSG und der schweren Verletzung von Jamal Musiala weitere Baustellen aufgetan. Doch Max Eberl rückte auch das Positive in den Vordergrund. Das Bayern-Fazit zur Klub-WM.
Müller nach Musiala-Aus: "Keine geschmacklosen Diskussionen führen"
Quelle: Perform
Die eine, die letzte Nacht im Team-Basecamp von Orlando war bitter für den Bayern-Tross. Man musste das Aus im Viertelfinale der Klub-WM gegen Paris St.Germain (0:2) verarbeiten, aus den Gliedern schütteln.
In den Köpfen steckte zudem die schwere Verletzung von Jamal Musiala, die Gedanken waren bei dem 22-Jährigen, der schon am Sonntagvormittag zurück nach München geflogen war und zeitnah operiert wird.
Der Rückflug der restlichen Mannschaft und des kompletten Stabes erfolgte in der Nacht zu Montag, die Maschine setzte am Montagvormittag auf dem Münchner Flughafen auf. Ab sofort haben die Profis drei Wochen Urlaub.
"Die Jungs wollen erstmal abschalten, die Köpfe freibekommen", meinte Sportvorstand Max Eberl, "wir haben noch bis jetzt die alte Saison gespielt, andere Vereine fangen gerade mit den Leistungstests und dem Training für die neue an. Sich mal drei Wochen nicht zu sehen, hilft allen Beteiligten, um dann wieder mit neuem Mut in die neue Saison zu gehen." Trainer Vincent Kompany betonte, es sei wichtig, "dass wir dann Kraft ziehen aus dem, was wir erlebt haben".
FC Bayern nimmt 49 Millionen Euro ein
Ja, was denn eigentlich? Welche sind die sportlichen Lehren, Bayerns Bilanz dieser erstmalig in diesem Format mit 32 Mannschaften ausgetragenen Klub-WM in den USA?
Durch das Erreichen des Viertelfinals haben die Münchner rund 49 Millionen Euro eingenommen. Ein schönes Plus, das man nach dem monatelangen Ausfall von Musiala auf dem Transfermarkt einsetzen könnte.
Das Aus gegen Paris hat den Bayern rein sportlich noch einmal dokumentiert, wo sie international stehen und was ihnen noch fehlt. Trainer Kompany blieb nach außen – die ausführliche interne Analyse erfolgt noch – vage, in dem er betonte, man müsse in der kommenden Spielzeit den "nächsten Schritt" machen.
Eberl hatte "ein Spiel auf Augenhöhe gegen die vermeintlich aktuell beste Mannschaft der Welt" gesehen und die Seinen im Nachhinein starkgeredet: "Wir haben es sehr, sehr gut gemacht gegen den aktuellen Champions-League-Sieger und gezeigt, was dieser Verein kann, was er erreichen möchte." Rosarote Brille?
Was den Bayern gegen PSG fehlte
Nein, Sportvorstand Eberl wusste auch um die Fehler, die gemacht wurden. "Ein Moment hat uns in Rückstand gebracht. Und dann ist das passiert, woraus wir lernen müssen. Wir haben sie trotzdem weiter bespielt, sie kriegen eine Rote Karte, dann die nächste." Erst Willian Pacho, dann Ex-Bayer Lucas Hernández.
Eberl erklärte weiter, ohne Punkt und Komma: "Dann müssen bei Neun gegen Elf, bis zum letzten Moment, das ist nur ein Tor - das sind genau diese Momente. Das müssen wir lernen, das war schmerzhaft, dass wir das nicht gut gemacht haben. Sondern wir kriegen das zweite Tor, das darf uns gar nicht passieren."
Cleverness, Abgezocktheit, Reife – das fehlt dieser Mannschaft noch. Die Parallele zum unglücklichen, aber eben verdienten Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen das cleverere, abgezocktere, reifere Inter Mailand (1:2 und 2:2) ist frappierend. "Als wir gegen Inter zu Hause das 1:1 gemacht haben, dann dürfen wir das 1:2 nicht mehr kriegen. Dann sieht es ganz anders aus", erinnerte Eberl an das späte Kontergegentor nach der Euphorie des 1:1 durch Thomas Müller.
Eberl weiter: "Das sind Momente, das sind Fehler, aus denen wir lernen müssen. Wir müssen alles dafür tun, dieses Momentum, dieses Quäntchen, was du brauchst, auf deine Seite zu ziehen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir das schaffen werden. Wir sind auf dem richtigen Weg."
Neuer: "Wir wollen in Europa wieder angreifen"
Eine Kampfansage richtete Kapitän Manuel Neuer an die Konkurrenz, sagte vor seinem Urlaub: "Wir nehmen gerade dieses Spiel zum Vorbild, um zu sagen: Jetzt erst recht! Wir wollen in Europa wieder angreifen, auch in der Bundesliga und im DFB-Pokal wieder da sein. Diese Motivation müssen wir auch aus solchen Spielen schöpfen, um zu sagen: Diesmal sind wir dran." Er schloss mit den Worten: "Mit dem FC Bayern kann man rechnen."
Spätestens ab dem ersten Pflichtspiel am 16. August, wenn im Supercup gegen Pokalsieger VfB Stuttgart das erste Titelchen gewonnen werden kann.
Aber mit welchem Kader? Die Offensivabteilung des Meisters für die Hinrunde der kommenden Saison ist ordentlich dezimiert. Leroy Sané wechselte zu Galatasaray Istanbul, Mathys Tel wurde an Tottenham Hotspur verkauft, Thomas Müller verlässt die Münchner schweren Herzens. Intern rechnet man Tom Bischof (20), Neuzugang aus Hoffenheim, der sich auf der Sechser- und Achterposition einen Namen gemacht hat, als Zugang für die Offensive ein.
In der Abwehr nimmt Jonathan Tah (29), von Bayer Leverkusen geholt, eins zu eins den Kaderplatz von Eric Dier ein, der nach Ablauf seines Vertrages zur AS Monaco gewechselt ist. Weitere Zugänge sind in Arbeit. Mit allen Schwierigkeiten und Nebenwirkungen, siehe den sich anbahnenden Transfer von Angreifer Nick Woltemade vom VfB Stuttgart. Er soll eine zusätzliche Option für die Offensive sein – und wird nun sicher nicht günstiger.
Für Musiala soll kein Ersatz gekauft werden
"Wir haben ein Learning aus der letzten Saison", begann Sportvorstand Eberl in Atlanta seine Erläuterung der neuen Personalstrategie der Führungsriege und erklärte: "Wir haben das Gefühl, dass wir bei der Kaderplanung für die Saison 2025/26 nicht so viel machen müssen. Wir wollen definitiv Dinge anpassen, werden aber nicht auf jede Verletzung reagieren und Spieler holen." Also keinen Ersatz für Musiala. Der 22-jährige Spielmacher ist Bayerns großer Pechvogel dieser Klub-WM.
Zu den Gewinnern des knapp vierwöchigen US-Trips zählt Torhüter Manuel Neuer (39), den Eberl ausufernd lobte: "Udo Jürgens singt griechischer Wein, ich singe. Alter Wein. Er wird immer besser. macht es herausragend. Wie er mit den Spielern umgeht und spricht, wie er die Jungen zur Seite nimmt - ein wahrer Kapitän."
Zahlreiche Pluspunkte hat Tah gesammelt, der sich in nur fünf Partien zum unumstrittenen Abwehrboss aufgeschwungen hat. Konrad Laimer ist aktuell als Rechtsverteidiger gesetzt, macht es – obwohl ursprünglich fachfremd auf dieser Position – sehr gut.
Aufgrund fehlender Alternativen werden die Flügelspieler Serge Gnabry und Kingsley Coman (Eberl: "Wir haben nie gesagt, dass wir ihn verkaufen wollen") eine wichtigere Rolle einnehmen künftig. Ohne Sané, Müller, Tel und bis zur Winterpause ohne Musiala.
Guerreiro, Palhinha, Kim als Verlierer
Und die Verlierer? Raphael Guerreiro konnte sich als Linksverteidiger-Alternative zum verletzten Alphonso Davies nicht etablieren, wurde von Innenverteidiger Josip Stanisic verdrängt. Auch João Palhinha gehört zu den Verlierern. Wie Talent Bischof wurde er nur eine Halbzeit eingesetzt, beim 0:1 gegen Benfica Lissabon, Bayerns schlechteste Halbzeit des Turniers.
Der Portugiese, im Mittelfeld das fünfte Rad am Sechser-Wagen, ist weiterhin Verkaufskandidat. Aber will er überhaupt weg angesichts seines guten Vertrages? Hier könnten die Bayern wieder Gehalt einsparen.
Ebenso bei Min-jae Kim. Der Innenverteidiger kämpft sich nach seiner chronischen Achillessehnenverletzung zurück, trainierte in Orlando wieder mit der Mannschaft. Doch gebraucht wird er wohl nicht mehr.
Die Bayern freuen sich über Angebote für den Südkoreaner. Kim und Palhinha haben jeweils rund 50 Millionen Euro an Ablöse gekostet, die Münchner müssen sich auf einen Verlust einstellen. Ihr Marktwert ist gesunken.
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Gewohntes Bild: Kim und Palhinha auf der Bayern-Bank
Fotocredit: Getty Images
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Müller nach Musiala-Aus: "Keine geschmacklosen Diskussionen führen"
Quelle: Perform
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