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Belgien B schlägt England B - aber der eigentliche Gewinner zeigt sich erst noch

Belgien B schlägt England B - aber der echte Gewinner zeigt sich erst noch

28/06/2018 um 21:50Aktualisiert 29/06/2018 um 09:04

Belgien hat 1:0 gegen England und damit die Gruppe G gewonnen. Adnan Januzaj (51.) entschied das Duell zweier B-Mannschaften. Belgien trifft damit im Achtelfinale auf Japan, könnte es aber im Viertelfinale mit Brasilien zu tun bekommen. England hat nun Kolumbien als Achtelfinal-Gegner, würde in der folgenden Runde aber auf den vermeintlich leichteren Gegner (Schweden oder Schweiz) treffen.

So lief das Spiel:

Tunesien und Panama bereits vor der Partie hinter sich gelassen, ging es für England und Belgien im direkten Duell um den Platz an der Sonne in der Gruppe G. Trotz dieser Aussicht auf den ersten Platz, lief auf beiden Seiten die Rotationsmaschine - unter anderem saßen Harry Kane und Romelu Lukaku von Beginn an nur auf der Bank.

Die personellen Änderungen waren merklich, in der Partie fehlte es an spielerischem Selbstverständnis, auch Tempo und Siegeswille waren nur bedingt gegeben. So entwickelte sich eine träge erste Halbzeit ohne große Highlights und Spiel in den Gefahrenzonen. Die beste belgische Chance hatte Youri Tielemans in der sechsten Minute - seinen Schuss aus der Distanz parierte Jordan Pickford per Faustabwehr.

Auf der Gegenseite verzeichnete Ruben Loftus-Cheek in der 34. Minute die größte englische Möglichkeit. Nach einer Ecke von der linken Seite kam der Offensivmann im Zentrum frei zum Kopfball, setzte die Kugel allerdings knapp links am Tor vorbei.

Relevant für eine mögliche weitere Wertung in dieser Gruppe waren allerdings Aktionen in der 19. und 33. Minute. Belgiens Tielemans und Leander Dendoncker sahen jeweils die Gelbe Karte, brachten ihre Nation damit in der Fairplay-Wertung gegen England deutlicher ins Hintertreffen.

In der 51. Minute antwortete Ex-Dortmunder Adnan Januzaj allerdings mit der belgischen Führung, machte die Fairplay-Wertung damit irrelevant. Nach einem starken Dribbling in der rechten Strafraumhälfte zirkelte der Offensivmann den Ball stark ins linke Toreck - Pickford war machtlos.

In der Folge entwickelte sich endlich eine rasante Partie, England suchte nach einer Antwort auf den Rückstand, Belgien lauerte auf Konterchancen. In der 66. Minute folgte auf die englischen Angriffsbemühungen beinahe der Ausgleich. Nach einem feinen Zuspiel von Jamie Vardy war Marcus Rashford blank vor Thibaut Courtois, schoss den Ball aber knapp rechts am Tor vorbei.

Letztlich rettete Belgien die knappe Führung über die Zeit, lässt England hinter sich und zieht damit als Tabellenführer mit einer makellosen Bilanz in die nächste Runde ein. Dort treffen die "Roten Teufel" auf Japan (Mo., 20:00 Uhr im Liveticker), England muss gegen Kolumbien ran (Di., 20:00 Uhr im Liveticker) - beide mit guten Chancen aufs Viertelfinale, in dem sich dann zeigen könnte, wem dieses Ergebnis mehr gebracht hat ...

Die Stimmen:

Gareth Southgate (Teammanager England): "Natürlich wollen wir Matches gewinnen, deshalb sind wir nicht zufrieden. Aber das Achtelfinale ist das wichtigste Spiel seit Jahrzehnten. Die Zuschauer verstehen, was das wirklich Wichtige ist. Ich denke, das Spiel war ein sehr guter Test für uns. Wir wussten, dass das Qualitätslevel dieses Spiels höher sein würde als zuvor, obwohl beide Mannschaften viel rotiert haben. Wir werden eine Menge aus diesem Spiel lernen, gerade aus taktischer Sicht werden wir diese Partie analysieren."

Roberto Martínez (Trainer Belgien): "Ehrlich gesagt freue ich mich sehr über den Auftritt der Mannschaft. Wir hatten insgesamt neun Wechsel. Ich glaube bei einer Weltmeisterschaft kann man nicht erfolgreich sein, indem man hofft, leichte Gegner zu bekommen. Der Sieg ist nicht so wichtig, wir wollten ein gutes Spiel machen. Man kann keine Szenarien planen - jetzt zählt nur Japan."

Thibaut Courtois (Belgien): "Wir sind zufrieden, denn wir haben das Spiel gewonnen. Der eine oder andere hat gesagt, es wäre besser gewesen Zweiter zu werden, aber wir hatten diesen Siegeswillen im Kopf, haben gekämpft, gut gespielt und es ist auch schön zu sehen, dass wir 23 gute Spieler haben. Wir hoffen, dass wir weit kommen werden. Das nächste Spiel ist gegen Japan, das ist immer ein schwieriger Gegner. Vor ein paar Monaten sind wir ihnen in einem Testspiel begegnet (1:0 im November 2017, Anm. d. Red.), da waren sie richtig gut, haben gekämpft und sind viel gelaufen. Es wird ein hartes Spiel."

Der Tweet zum Spiel:

Michy Batshuayi sorgte für den Lacher des Spiels.

Das fiel auf: Kein Kane, kaum Chancen

Mit Harry Kane saß der bis dato torgefährlichste Spieler der Weltmeisterschaft nur auf der Bank. Fünf Treffer konnte der Tottenham-Akteur in seinen zwei Einsätzen erzielen - eine sehr starke Ausbeute. Ohne den wirbelnden Angreifer herrschte in der englischen Offensive schier Flaute - Ersatzmann Jamie Vardy konnte die Sturmlücke nicht stopfen und machte dadurch klar, England kann auf Kane nicht verzichten. Trost für Kane: Weil auch Romelu Lukaku (vier Turniertore) bei Belgien nur auf der Bank saß, wurde Kane immerhin nicht seine Führung in der Wertung um den Goldenen Schuh los.

Die Statistik: 4

Trent Alexander-Arnold (19 Jahre und 264 Tage alt) durfte im Spiel gegen Belgien von Beginn an ran und ist damit der vierte Teenager, der für England bei einer Weltmeisterschaft in der Startelf stand. Vor ihm standen nur Luke Shaw, Raheem Sterling und Michael Owen (als jüngster) als Teenager in der ersten englischen Elf.

Die Match-Highlights bei YouTube:

Video - WM-Zeugnisse: Viermal Note 6 - aber auch drei Lichtblicke

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