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Brasilien - Belgien: Rot sticht Gelb! Rote Teufel werfen die Seleçao raus

Rot sticht Gelb! Brasilien geht gegen Belgien k.o.

06/07/2018 um 23:06

Belgien besiegt Brasilien im Viertelfinale der WM 2018 mit 2:1 (2:0) und steht erstmals seit 32 Jahren wieder in einem WM-Halbfinale. Das Team von Roberto Martínez profitierte zunächst von einem Eigentor Fernandinhos (13.), ehe Kevin De Bruyne zum 2:0 traf (31.). Joker Renato Augusto brachte die Seleçao heran (76.), doch es reichte nicht zum zwölften Einzug der Brasilianer unter die letzten Vier.

So lief das Spiel:

Von Beginn an war zwischen Brasilien und Belgien viel Tempo und Zielstrebigkeit im Offensivspiel. Es sollte sich eine, wenn nicht die bisher beste Halbzeit des Turniers entwickeln. Chancen gab es im Minutentakt. Die erste große Möglichkeit vergab Thiago Silva, als er den Ball aus kurzer Distanz mit dem Oberschenkel an den Pfosten beförderte (8.). Zwei Minuten später säbelte Paulinho nach einer weiteren Ecke am Spielgerät vorbei.

Eine Ecke führte auf der anderen Seite zur belgischen Führung. Mit der Schulter war es allerdings Fernandinho, der den Ball ins eigene Tor beförderte.

Die frühe Führung spielte Belgien in die Karten, liegt den Europäern doch das schnell Umschaltspiel. Das bewiesen sie in den nächsten Minuten mehrmals, aber auch Brasilien bestürmte weiter das belgische Tor. Ohne Erfolg. Stattdessen gab es einen weiteren Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Lukaku lief den Konter und passt rechts steil auf Kevin de Bruyne, der mit einem satten Linksschuss zum 2:0 traf (32.).

Bis zur Pause hatten beide Teams weitere Abschlüsse, brandgefährlich wurde es aber nicht mehr.

Erst nach dem Seitenwechsel wurde es wieder heiß. Brasilien nun mit noch mehr Schwung, Belgien etwas abwartend. Dann fiel Neymar im Strafraum, hoffte auf einen Elfmeter. Die Videoschiedsrichter gaben diesen aber nicht (53.). Drei Minuten später wurde Gabriel Jesus vom Vincent Kompany im Strafraum gelegt, der Schiedsrichter unterbrach die Partie, forderte wieder den Videobeweis an, der aber wieder zu Ungunsten der Brasilianer ausfiel.

Trotzdem waren die Südamerikaner besser im Spiel, Belgien ließ sich etwas in die eigene Hälfte drängen. Vielleicht schwanden auch die Kräfte, denn Coach Roberto Martinez wechselte erst in den letzten zehn Minuten, während Tite schon 20 Minuten vor Schluss sein Pulver verschossen hatte.

Aber Brasiliens Joker stachen. Drei Minuten nach seiner Einwechslung traf Renato Augusto nach sehenswerter Chip-Vorlage per Kopf zum Anschluss (76.).

Daraufhin erhöhte die Seleçao die Schlagzahl erheblich. Roberto Firmino (79.), nochmal Augusto (81.) und Coutinho (84.) hatten Riesenmöglichkeiten zum Ausgleich, konnten diese aber nicht nutzen. Auch fünf Minuten Nachspielzeit retteten Brasilien nicht, die insgesamt 26 Torschüsse abfeuerten - Belgien hatte nur acht.

Damit trifft Belgien im Halbfinale auf Frankreich. Nur 1986 waren die "Roten Teufel" schon einmal so weit bei einer WM gekommen.

Die Stimmen:

Kevin de Bruyne (Belgien): "Viele Menschen haben lange darauf gewartet, dass wir so ein großes Spiel gegen einen großen Gegner gewinnen. Aber wir haben gezeigt, was man Teams wie Brasilien machen muss. Offensiv sind wir super."

Alisson Becker (Brasilien): "Wir müssen aus unseren Fehlern lernen, auch wenn ich glaube, dass wir heute nur sehr wenige gemacht haben. Wir standen einem ebenbürtigen Gegner gegenüber. Wir müssen jetzt den Kopf oben halten, weil wir einen tollen Job bei diesem Turnier gemacht haben."

Miranda (Brasilien): "Leider haben wir nicht das erreicht, was wir wollten. Wir verlassen das Turnier mit Trauer. Wir haben es bis zum Ende versucht, aber gegen ein tolles Team verloren. Was bleibt, ist, dass wir mit unserer jungen Mannschaft die Möglichkeit haben, die nächste WM zu gewinnen."

Roberto Martinez (Trainer Belgien): "Meine Spieler haben unglaublich hart gearbeitet. Eigentlich muss man akzeptieren, dass Brasilien eine richtig gute Qualität hat, aber wir haben das nicht gemacht. Die Mannschaft hat nie aufgehört zu kämpfen. Alle Belgier sollten stolz sein."

Tite (Trainer Brasilien): "Wir müssen beide Seiten der Medaille sehen. Wir hatten ein tolles Match, mit viel Ballbesitz und guten Chancen. Aber Belgien hat es geschafft, Tore zu schießen. Sie waren effektiver. Courtois hat für mich den Unterschied gemacht. Es ist jetzt nicht der Moment, um über die Zukunft nachzudenken."

Das fiel auf: Casemiro fehlt hinten und vorne

Selten war eine Gelbsperre so bitter für die brasilianische Nationalmannschaft. Nach der zweiten Gelben Karte im Spiel gegen Mexiko fehlte Brasiliens Sechser Casemiro gegen Belgien. Das war deutlich zu sehen. Die bisher gekannte defensive Stabilität, die Brasilien bisher im Turnierverlauf an den Tag gelegt hatte, war quasi nicht vorhanden. Fernandinho konnte das kaum bewerkstelligen. Belgien nutzte die Lücke beim schnellen Umschaltspiel gnadenlos aus.

Der Tweet des Spiels:

Das Trauma nimmt seinen Lauf.

Die Statistik: 9

Kevin de Bruyne war bereits der neunte unterschiedliche Torschütze für Belgien bei der WM. Nur für Italien 2006 und Frankreich 1982 (je 10) trafen bei einer Weltmeisterschaft mehr unterschiedliche Spieler.

Die Match-Highlights bei Youtube

Video - Brasiliens WM-Traum geplatzt: Belgien stoppt Seleçao

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