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Die WM der Stars: Mohamed Salah - ein König ohne Königreich?

Die WM der Stars: Salah - ein König ohne Königreich?

15/06/2018 um 10:12Aktualisiert 15/06/2018 um 15:20

Mohamed Salah ist der "König von Ägypten", wie Emre Can sagt. Es gibt bei dieser WM in Russland wohl keine Nation, die derart auf einen Einzelnen fixiert ist, nicht einmal Argentinien auf Lionel Messi und Portugal auf Cristiano Ronaldo. No Salah, no Party. Das wird insofern zum Problem, als dass der Stürmer nach Form und Fitness sucht. Vielleicht aber kann Ägypten allein seine Präsenz helfen.

Damals, vor zwölf Jahren, ächzte Deutschland unter Michael Ballacks "Wade der Nation". In etwa so, nur in vielfach potenzierter Schlagkraft, bangt und betet Ägypten wegen Mohmaed Salahs linker Schulter, die seit 26. Mai lädiert ist, was bei den Nordafrikanern eine fußballerische Staatskrise bedeutet.

Bei einer WM war Ägypten letztmals 1990 vertreten, es ist überhaupt erst die dritte Teilnahme; und soll es etwas werden in Russland, braucht der Anker Salah wenigstens ein Mindestmaß an Form, Fitness und Fortune.

Status:

Salah ist Afrikas Fußballer des Jahres, Spieler der Saison in England und Torschützenkönig der Premier League. Der ab Freitag 26-Jährige war für Chelsea, Florenz und der Roma am Ball, explodierte unter Jürgen Klopp beim FC Liverpool und gleicht heute dem "König von Ägypten", wie Liverpools Emre Can sagt.

In der Heimat grenzt Salahs Verehrung an Heiligsprechung und fußt nicht allein auf Toren; es ist auch sein unprätentiöser Auftritt, der begeistert und animiert. Klopp sagt:

"Mo ist von oben bis unten voll mit Spaß, Freude und Liebe."

Schon klar: Würde der Lockenkopf nicht so schnell rennen, so trickreich dribbeln und so häufig treffen, wäre Salah halt ein sympathischer Typ, nicht jedoch ein König. So aber war‘s stilecht, dass er im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel einen Elfmeter zum 2:1 verwandelte - in der fünften Minute der Nachspielzeit. Anleitung zur Heldensaga.

Mohamed Salah

Mohamed Salah Getty Images

Als Salah in Ägyptens Trainingslager einen Özil-Gündogan-Moment riskierte, indem sich der autoritäre tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow in seinem Sportlerlicht sonnte, reagierte die Öffentlichkeit mehr irritiert denn vernichtend kritisch. Neulich bei der Präsidentschaftswahl votierten fünf Prozent für den Fußballer, obwohl dieser, völlig überraschend, gar nicht zur Wahl stand...

Wirkung:

No Salah, no Party. Das ist zwar ehrenwert, aber insofern gefährlich, als dass der Stürmer kaum jene Verfassung erreichen wird, die ihn bei Liverpool weltberühmt machte. "Das Gefälle innerhalb der Mannschaft ist einfach zu groß. Das ist keine homogene Truppe auf einem Niveau wie beispielsweise Dänemark", sagt Afrika-Experte Lutz Pfannenstiel im "ntv"-Interview.

"Logisch spielt Ägypten mit Salah einen offensiven, attraktiven Fußball. Klar ist aber auch, dass Ägyptens Spielweise wegen Salah leicht auszurechnen ist."

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Zuletzt lief in Abwesenheit des Superstars wenig zusammen. Zwei WM-Tests gegen Kolumbien und Belgien, 0:0 und 0:3. "Ohne Salah hatten wir Probleme", gesteht Nationaltrainer Héctor Cúper.

"Er ist nicht einfach zu ersetzen, denn er ist eine Waffe für uns, wenn wir kontern wollen. Dann können wir seine Geschwindigkeit und Qualität nutzen. "

Am Rande erwähnt: Der inzwischen 62-jährige Cúper erreichte mit Valencia 2000 und 2001 zwei Champions-League-Finals, beide gingen verloren, Zweiteres gegen den FC Bayern.

Prognose:

Für Ägypten ist die WM-Teilnahme bereits ein Riesenerfolg. Dabei wäre der erste Achtelfinaleinzug seit 1934 (!) in einer Gruppe mit Russland, Uruguay und Saudi-Arabien gar nicht mal so realitätsfern. Kommt der Salah-Faktor doch irgendwie zur Geltung, und sei es nur durch bloße Präsenz, ist der zweite Platz hinter Uruguay drin. Außer ihrem Heimvorteil haben die Russen nämlich nicht viel zu bieten - das ist Ägyptens Chance.

Video - WM-Orakel Newton tippt Überraschung im Eröffnungsspiel

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