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Saudi-Arabien schlägt Ägypten im letzten Gruppenspiel

Last-Minute-Pleite für Ägypten gegen Saudi-Arabien

25/06/2018 um 18:04Aktualisiert 28/06/2018 um 07:18

Ägypten hat zum Abschluss der Gruppenphase bei der WM-Endrunde in Russland eine späte 1:2 (1:1)-Niederlage gegen Saudi-Arabien kassiert. Mohamed Salah (22.), der Superstar der "Pharaonen" vom FC Liverpool, hatte Ägypten in Führung gebracht. Salman Al-Faraj (45.+5/FE) und Salem Al-Dawsari (90.+4) drehten die Partie. Beide Teams hatten schon vor dem Spiel keine Chance aufs Achtelfinale.

Video - Salah allein reicht nicht: Saudi-Arabien schockt Ägypten

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So lief das Spiel:

Saudi-Arabien diktierte die Anfangsphase mit gepflegtem Ballbesitzfußball, allerdings ohne nennenswerte Durchbrüche in den Sechzehner. Einzig aus der Distanz kamen die Araber zu Abschlüssen, allerdings stellten die Schüsse keinerlei Gefahr für das Tor des 45-Jährigen Essam El Hadary dar. Ägypten kam indes zunächst schwer ins Spiel. Die Nordafrikaner bauten auf ihr Konterspiel, brachten aber kaum Bälle in die Offensive und zu Mohamed Salah.

Umso überraschender die Führung der Ägypter: Shawky El-Said schickte Salah nach Ballgewinn aus der eigenen Hälfte in die Spitze und der Stümer des FC Liverpool lupfte den Ball am Sechzehner über den zu eifrig aus dem Tor stürmenden Schlussmann Yasser Al-Mosailem (22.). Zwei Minuten später hatte Salah sogar den zweiten Treffer auf dem Fuß, lupfte dieses Mal alleine vor Al-Mosailem den Ball jedoch am Tor vorbei.

Saudi-Arabien hielt weiter den Ball, die Chancen ergaben sich nun aber für Ägypten. Trezeguet verpasste zunächst nach Vorarbeit von Salah aus vielversprechender Position im Sechzehner (33.) und kurz darauf per Distanzschuss den Torerfolg (34.). Erst in der Schlussphase kam auch Saudi-Arabien zu seinen Chancen: Ahmed Hegazy blockte in höchster Not einen Abschluss von Salman Al-Faray (37.).

Im Anschluss erhielten die Araber Unterstützung durch Schiedsrichter Wilmar Roldan Perez, der gleich zweimal innerhalb weniger Minuten auf Elfmeter für das Team von Antonio Pizzi entschied. Den ersten Handelfmeter parierte El Hadary sehenswert an die Latte (41.), den zweiten, extrem umstrittenen Strafstoß, verwandelte Al-Faraj zum 1:1-Ausgleich (45.+5).

Der zweite Durchgang entwickelte sich zur zähen Angelegenheit. Ein Abschluss von Salem Al-Dawsari nach Fehler von Hegazy (54.) sowie auf der Gegenseite ein Kopfball von Trezeguet (57.) blieben über weite Strecken die besten Szenen. Ansonsten verlor die Begegnung deutlich an Unterhaltungswert, beiden Teams fiel offensiv zu wenig ein. Viele Ballverluste, unpräzise Aktionen und Nickligkeiten verstärkten den Eindruck. In der 70. Minute rettete El Hadary noch einmal mit einer Parade gegen Al-Mogahwi, der aus zehn Metern den Ball aufs Tor köpfte. Eine Schlussoffensive entzündete sich daran aber nicht.

Ägypten agierte auf mäßigem Niveau in der Endphase zwingender als der Gegner, entscheidende Torchancen erspielte sich das Team von Hector Cuper jedoch nicht mehr. Eine Punkteteilung wäre in einer der schwächeren Partien im bisherigen Turnierverlauf leistungsgerecht gewesen. Doch in der vierten Minute der Nachspielzeit gelang Saudi-Arabien durch Al-Dwasari tatsächlich noch der überraschende Siegtreffer. Ägypten stellte das Verteidigen ein, die Araber kombinierten sich durch den Sechzehner und Al-Dawsari schloss aus spitzem Winkel ab.

Die Stimmen:

Osama Hawsawi (Saudi Arabien): "Wir haben uns drei Punkte für die Geschichte des saudischen Teams gesichert. Wir hatten eine tolle Leistung und konnten gewinnen. Wir haben die ernste Bedrohung durch Mohamed Salah und seine Gefährten gestoppt."

Salem Al-Dawsari (Saudi-Arabien): "Wir haben ein großes Spiel gespielt, wir haben den Sieg errungen, einen ehrenhaften Sieg. Ich konnte meinen Namen in die Liste der Spieler eintragen, die bei der Weltmeisterschaft gepunktet haben, und das ist eine Frage des Stolzes."

Das fiel auf: Geschenktes Tor für Saudi Arabien

Nach Spielschluss stand nach zweifelhaften Entscheidungen unweigerlich Schiedsrichter Wilmar Roldan Perez aus Kolumbien im Mittelpunkt. Neben seiner kleinlichen Spielführung entschied er auf zwei zweifelhafte Elfmeter. Zunächst bekam Fathy den Ball aus kurzer Distanz bei einem Flankenversuch an die Hand. Während diese Entscheidung auf Handelfmeter zwar diskutabel, aber letztendlich nicht als Fehlentscheidung im Sinne des Videoassistenten zu werten war, darf die zweite Elfmeterentscheidung als bemerkenswert betrachtet werden. Fahad Al-Muwallad fiel nach leichtem Trikotzupfen von Ali Gabr und eigentlich hätte dem Schiedsrichter spätestens beim Begutachten der Szene in der Review Area auffallen müssen, dass diese Aktion keinen Elfmeter rechtfertigte.

Der Tweet zum Spiel:

Essam El Hadary bestritt seine Begegnung für die Geschichtsbücher und löste mit 45 Jahren und 161 Tagen den Ex-Kölner Faryd Mondragon (43 Jahren und drei Tage) als ältester jemals eingesetzter WM-Akteur ab – und zeichnete sich sogar noch durch einen gehaltenen Elfmeter aus. Nur das Endresultat trübt den Rekord.

Die Statistik: 1

Für Saudi Arabien bedeutete der 2:1-Erfolg den ersten Sieg bei einer WM-Endrunde seit 1994. Zuvor blieb das Land in 13 Begegnungen in Serie sieglos bei Weltmeisterschaften.

Match-Highlights bei YouTube:

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