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WM 2018: Russland nach Sieg im Elfmeterschießen über Spanien im Viertelfinale

Spanien scheitert: "Einer der schwierigsten Augenblicke meines Lebens"

01/07/2018 um 18:40Aktualisiert 01/07/2018 um 23:31

Turniergastgeber Russland hat bei der WM 2018 in Russland durch ein 5:4 nach Elfmeterschießen über Spanien das Viertelfinale erreicht. Reguläre Spielzeit und Verlängerung waren nach Treffern von Sergei Ignashevich (11. Minute/Eigentor) und Artem Dzyuba 41./Handelfmeter) jeweils mit 1:1 (1:1, 1:1) zu Ende gegangen. In der nächsten Runde trifft Russland auf Kroatien.

So lief das Spiel:

Auf der Suche nach dem Spirit von 2010, der Spanien damals zum prestigereichen WM-Titel führte, musste die Mannschaft von Fernando Hierro im ersten Achtelfinale zweier europäischer Nationen den Gastgeber aus dem Weg räumen. Stürmer Artem Dzyuba machte vor der Partie deutlich, dass Spanien klarer Favorit sei, Russland viel Kampf benötige, um die Selección Española zu schlagen.

Die Russen begannen in einer eng gestrickten Defensivordnung, wollten den Spaniern so den Weg zum Tor erschweren und gleichzeitig im Umschaltspiel auf schnelle Konter gehen.

In der 11. Minute erfuhr der russische Plan allerdings einen erheblichen Rückschlag. Nach einer Freistoßhereingabe von der rechten Seite landete der Ball am zweiten Pfosten unglücklich auf dem Bein von Innenverteidiger Sergei Ignashevich und von dort im eigenen Gehäuse - der frühe Rückstand.

Spanien - Russland

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Nach diesem Treffer gönnten sich beide Nationen eine lange Pause, die Partie flachte vollkommen ab, mündete auf Testspiel-Niveau - kein Kampf, keine Leidenschaft, keine Spielkultur. Erst in der 36. Minute wurde es zum ersten Mal wieder etwas aufregender, Aleksandr Golovin kam aus 15 Metern zum Abschluss, setzte den Ball knapp rechts am Kasten vorbei.

Diese Aktion diente als Weckruf, brachte Russland in der Folge besser ins Spiel. Spanien übergab das Zepter, ließ den Gegner kommen und geriet dadurch in der 41. Minute ins Hintertreffen. Nach einem Eckball von der rechten Seite setzte sich Dzyuba im Kopfduell gegen Gerard Piqué durch, köpfte den Ball anschließend an die Hand des Innenverteidigers - Handelfmeter. Dzyuba übernahm die Verantwortung, schickte David de Gea in die falsche Ecke und verwandelte eiskalt zum Ausgleich.

Der zweite Durchgang bot in Summe mehr Geschwindigkeit und Leidenschaft auf beiden Seiten, war jedoch auch von Chancenarmut geprägt. Russland verschob defensiv geschickt, ermöglichte den Spaniern nur selten ein Durchkommen.

Spanien - Russland

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Ein Abschluss von Isco (58.) war lange Zeit die einzige gefährliche Torannäherung. Erst in der 85. Minute wurde es wieder heiß, der eingewechselte Andrés Iniesta scheiterte mit einem Schuss aus 17 Metern an Igor Akinfeev. So ging es nach einem 1:1 (1:1) in der regulären Spielzeit in die Verlängerung.

30 Minuten auf ein Tor mit den allerletzten Kräften, doch auch in der Extrazeit konnte kein Team für erhebliche Gefahr sorgen, sich entscheidend durchsetzen. Die Spanier setzten alles auf eine Entscheidung in der Verlängerung, die Russen hofften und verteidigten für die Entscheidung im Elfmeterschießen - auf die es letztlich hinauslief.

Dort avancierte Akinfeev zum Matchwinner. Der Schlussmann parierte gleich zwei Elfmeter gegen Koke und Iago Aspas und brachte seine Nation damit auf die Siegerstraße. Die Gastgeber stehen im Viertelfinale, Spanien muss die Heimreise antreten.

Die Stimmen:

Sergio Ramos (Spanien): "Es ist einer der schwierigsten Augenblicke in meinem Leben."

Andrés Iniesta (Spanien): "Die Hauptschuldigen im Fußball sind wir Spieler. Es wäre opportunistisch zu sagen, dass der Weggang Lopeteguis (Ex-Trainer Julen Lopetegui, Anm. d. Red.) der entscheidende Faktor für unser Aus war. Alles war wichtig."

Fernando Hierro (Trainer Spanien): "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, sind immer wieder angerannt. In der Elfmeterlotterie fehlte uns das Glück. Wir haben eine Gruppe mit einer tollen Moral. Es war sehr schwierig gegen diese abwehrstarke russische Mannschaft."

Igor Akinfeev (Russland: "Das ist eine fantastische WM. Nicht nur unsere Fans, sondern alle Zuschauer spüren diese Atmosphäre. Die Fans sehen jetzt, dass wir Russen genau wissen, wie man Fußball spielt."

Stanislaw Tschertschessow (Trainer Russland): "Ich muss mich bei meinen Spielern bedanken. Wir haben zwei Jahre hart dafür gearbeitet und einen großartigen Job gemacht."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Ziellose Passmaschine

Die Spanier dominierten die Partie gegen Russland in puncto Ballbesitz eindeutig (75 Prozent) und sorgten im ersten Durchgang sogar für einen neuen WM-Rekord. So viele Pässe wie die Spanier binnen 45 Minuten (438) verbuchte seit 1966 keine andere Nation. Dennoch blieb ihr Spiel ergebnislos. Mit einfachem Verschieben hielten die Russen die Spanier aus der eigenen Gefahrenzone fern.

Die Statistik: 24

In den vergangenen 24 Partien gelang es Spanien wettbewerbsübergreifend immer, mindestens einen Treffer zu erzielen. Insgesamt schossen die Iberer 68 Tore. Diese Serie ist historischer Rekord der spanischen Fußballgeschichte. Auf das nächste Spiel müssen die Spanier nun allerdings eine Weile warten.

Match-Highlights bei YouTube:

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