Der alte Konflikt zwischen den Volksgruppen ist bei der WM in Russland kein Thema mehr. Vor dem Viertelfinale am Freitag (20:00 Uhr im Liveticker) gegen Rekordweltmeister Brasilien geht es ausschließlich um sportliche Fragen.

Martínez beurteilt nur nach sportlichen Aspekten

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01/07/2019 AM 16:59

Ob Martinez auch gegen Superstar Neymar weiter auf eine Dreier-Abwehr setze oder die Defensive verstärke, wird diskutiert. Ob Kevin De Bruyne nicht eine offensivere Rolle spielen sollte, oder was Kapitän Vincent Kompany von den Schauspieleinlagen Neymars halte. Ob flämisch oder französisch gesprochen wird, ob genug Wallonen mitspielen - das alles interessiert niemanden mehr.

"Ich beurteile die Spieler nur als Fußballer", sagt Martinez, "mich interessiert nicht, woher sie kommen und welche Sprache sie sprechen." Was die Belgier in der Vergangenheit trennte, will der 44-Jährige gar nicht wissen. Die Geschichte des Jahrhunderte alten Konflikts, der 2010 zur Staatskrise führte, ist für seine Arbeit unwichtig.

Vorgänger Wilmots leistete Vorarbeit

Dabei ist er selbst in Katalonien aufgewachsen und kennt separatistische Tendenzen und Auseinandersetzungen Anderssprachiger aus eigener Erfahrung. "Es erlaubt mir, die Fußballsprache zu sprechen", sagt er. Für die Spieler heißt es: nicht flämisch, nicht französisch, sondern englisch.

Marc Wilmots coachte Belgien von 2012 bis 2016

Fotocredit: Getty Images

Martinez hilft, dass sein Vorgänger Marc Wilmots beachtliche Vorarbeit geleistet hat. Auch wenn der Wallone häufig von flämischen Journalisten kritisiert wurde - in der Mannschaft hat er die alten Schranken abgebaut und eine neue, gemeinsame Identität entwickelt. "Wir haben die Fußballtradition wiederbelebt", sagte der frühere Schalker Bundesligaspieler nicht ohne Stolz: "Flamen und Wallonen gehen wieder gemeinsam zum Fußball, alle mit der belgischen Flagge."

Martínez eint die Spieler

Das, was im politischen Leben trennte, verschmolz im Fußball. "Wallonen sind locker, immer auf Spaß aus. Wir orientieren uns an der französischen Lebensart", erklärte Wilmots, der nach der EM 2016 Martinez Platz machen musste: "Flamen schauen in die Niederlande. Das sind eher korrekte, ernstere Typen, die alles etwas genauer nehmen." Doch schon ihm half, dass weitere Gruppen in der Nationalmannschaft hinzukamen:

Da ist alles drin: die Kolonien, die Türken, die Wallonen und Flamen.

Spieler mit Wurzeln in der früheren Kolonie Kongo wie Stürmer Romelu Lukaku, mit Eltern aus Marokko wie Marouane Fellaini oder dem Vater von der Karibikinsel Martinique wie Axel Witsel haben die alten Konfliktlinien aufgeweicht. "Ich fange einen Satz in Französisch an und beendete ihn auf Flämisch", sagt Lukaku, "und ich werfe ein bisschen Spanisch und Portugiesisch oder Lingala (Nationalsprache im Kongo/Anm. d. Red.) ein - je nachdem, mit wem ich spreche. Ich bin Belgier, wir sind alle Belgier." Die ein Spanier eint.

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