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WM 2018: Zittersieg für Japan gegen dezimierte Kolumbianer

Japan gewinnt gegen zehn Kolumbianer: "Rote Karte war fatal"

19/06/2018 um 16:58Aktualisiert 19/06/2018 um 17:57

Nach dem zweitschnellsten Platzverweis der WM-Geschichte müht sich Japan zu einem 2:1 (1:1)-Sieg gegen aufopferungsvoll kämpfende Kolumbianer. Shinji Kagawa brachte Japan per Elfmeter in Führung (6.), Juan Quintero glich mit einem schlitzohrigen Freistoß aus (39.). Doch der Neu-Bremer Yuya Osako brachte die Kolumbianer durch seinen Kopfballtreffer in der 73. Minute um ihren verdienten Lohn.

So lief das Spiel:

Die Partie begann sofort mit einem Paukenschlag: Bei einem Torschuss von Shinji Kagawa nach einem Abwehrfehler der Südamerikaner war Carlos Sánchez mit der Hand am Ball und sah Rot, der Dortmunder Japaner verwandelte den anschließenden Elfer souverän (0:1, 6.). Kolumbien zu zehnt, Japan in Führung nach nur sechs Minuten. Allerdings war Sánchez' Arm angelegt, der Ball ging an die Schulter – kein eindeutiger Elfmeter.

In der Folge suchten die dezimierten Kolumbianer verzweifelt ihre Ordnung, Japan nutzte die Verwirrung und kam zu Konterchancen. Takashi Inui verzog von links nur haarscharf (16.) und hätte früh auf 0:2 erhöhen können. Kolumbien hielt dagegen und versuchte, trotz Unterzahl das Spiel zu machen – allerdings wirkten die Gelbhemden dabei oft überhastet. Die Fans in der Mordovia Arena sahen ein schnelles und aufregendes Spiel.

Nach rund einer halben Stunde stellte Trainerfuchs José Pekerman taktisch um und brachte Wílmar Barrios für den bis dahin gefährlichsten Kolumbianer Juan Cuadrado.

Wenn es nicht läuft, muss der Schiedsrichter helfen: Nach 38 Minuten pfiff Referee Damir Skomina einen Freistoß gegen Makoto Hasebe, bei dem man auch andersrum hätte entscheiden können. Fernando Quintero zirkelte den Ball aufs kurze Eck und glich glücklich für Kolumbien aus (39.).

Eine turbulente erste Halbzeit ging mit 1:1 in die Pause.

In Hälfte zwei war ein bisschen mehr Ruhe im Spiel. Japan zog sich etwas weiter zurück und auch die Kolumbianer schienen ihre Kräfte zu schonen. Kolumbien-Coach Pékerman setzte offensichtlich auf eine Konter-Taktik. Nach einer knappen Stunde war es dann doch endlich soweit: Unter dem Jubel der vielen mitgereisten kolumbianischen Fans betrat Bayern-Star James Rodríguez den Platz, der aufgrund einer Wadenblessur zunächst auf der Bank geblieben war.

Doch wer einen Sturmlauf der Unterzähligen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Südamerikaner verwalteten das Ergebnis, der Asien-Rekordmeister gab sich bemüht, konnte aber mit der Rolle des Spielgestalters nicht viel anfangen. Die Teams schienen sich mit der Punkteteilung abgefunden zu haben, da passierte plötzlich doch noch was. Nach einer Honda-Ecke sprang Yuya Osako höher als die gesamte Abwehr und köpfte ein wenig überraschend zur erneuten Führung für Japan ein (1:2, 73.).

In der 78. Minute hatte James die Chance zum Ausgleich, setzte den Ball aber mit einem mutigen Schuss aus der Drehung über das Tor. Japan hielt die Kolumbianer am Laufen, bei denen sich spätestens jetzt der fehlende Mann bemerkbar machte. Trotz aller Bemühungen und fünfminütiger Nachspielzeit blieb es in der Gruppe H bei einem etwas überraschenden 2:1 von Japan über Kolumbien.

Die Stimmen:

José Pékerman (Trainer Kolumbien): "Das war von Anfang an sehr schwer, die Rote Karte war fatal. Japan hat die Situation gut ausgenutzt und in der zweiten Hälfte das Spiel besser kontrolliert. Wir sind am Ende müde geworden."

Akira Nishino (Trainer Japan): "Wir waren von Beginn an sehr aggressiv und hatten den Vorteil, schnell in Überzahl spielen zu können. Wir haben allerdings unsere Chancen nicht genutzt. In der zweiten Hälfte haben wir unseren zahlenmäßigen Vorteil besser ausgespielt."

Der Tweet zum Spiel:

Mit der zweitschnellsten Roten Karte der WM-Geschichte schwächte Carlos Sánchez sein Team am Dienstag frühzeitig und brachte es so auf die Verliererstraße.

Das fiel auf: Premiere

Nachdem Monaco-Star Radamel Falcao vor vier jahren mit einer Knieverletzung passen musste, spielte der Kolumbianer am Dienstag seine erste WM für sein Heimatland.

Die Statistik zum Spiel: Kaderstärke

Mit insgesamt sieben Bundesligaspielern stellt Japan das drittgrößte Kontingent aus der höchsten deutschen Spielklasse bei diesem Turnier.

Match-Highlights bei YouTube:

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