Getty Images

Wolfsburgs Popp im Interview: "Aufpassen, dass wir Anschluss nicht verlieren"

Wolfsburgs Popp im Interview: "Aufpassen, dass wir Anschluss nicht verlieren"

29/11/2019 um 09:34Aktualisiert 29/11/2019 um 16:43

Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg spricht vor dem Duell mit Bayer 04 Leverkusen in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga über ihre Zukunft, die Titelchancen der "Wölfinnen" in dieser Saison, die Entwicklung im Frauenfußball und den Kampf um Anerkennung in der Fußball-Branche. Außerdem spricht die Nationalspielerin über ihre Social-Media-Aktivitäten und ihren größten sportlichen Antrieb.

Das Interview führte Marian Kern

    Frau Popp, hat sich der Verein bereits von Ihrem Wunsch erholt, dass Sie Ihre Karriere in Dortmund ausklingen lassen wollen?

    Alexandra Popp: (lacht) Für mich steht außer Frage, dass ich nicht sofort den Verein wechseln werde, sobald der BVB hier anklopft. Ich fühle mich in Wolfsburg sehr wohl, mein Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2022 und so lange werde ich auch definitiv bleiben.

    Zur Einordnung, Sie hatten vergangenen Freitag via Social Media auf ein Plakat des Dortmunder Anhangs reagiert, der sich eine Frauenabteilung bei Borussia Dortmund wünscht. Warum gehen noch nicht alle Männervereine in Deutschland diesen Weg?

    Popp: Was den Frauenfußball angeht, haben wir in den letzten Jahren einen richtig guten Weg eingeschlagen. Wir müssen bloß aufpassen, dass wir international den Anschluss nicht verlieren. Weitere Investitionen seitens der Männerfußballvereine, würden der Förderung des deutschen Frauenfußballs sicherlich weiter gut tun. Dennoch sind wir froh darüber, dass diese Diskussion auch von den Fans weiter angeschoben wird.

    Bleiben wir noch kurz beim Thema Social Media. Sie sind auf den gängigen Plattformen aktiv. Wie gehen Sie mit unqualifizierten Kommentaren gegenüber dem Frauenfußball um?

    Popp: Man liest es hin und wieder, aber ich mache mir keine großen Gedanken. Es ist völlig legitim, dass es Menschen gibt, die den Frauenfußball nicht mögen. Dennoch finde ich eine respektvolle Auseinandersetzung mit dem Thema und uns gegenüber wichtig. Aber wir können es manchmal auch nicht wirklich beeinflussen. Gerade über Social Media werden Themen extrem hochgespielt, die gar nicht so groß sind. Genau wie im Falle meines Posts zu Borussia Dortmund.

    Kapitänin des VfL Wolfsburg: Alexandra Popp

    Kapitänin des VfL Wolfsburg: Alexandra PoppGetty Images

    Blicken wir mal auf das letzte Wochenende. Gegen den FC Bayern München hat Ihre Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison Punkte liegen lassen. Wie enttäuscht sind Sie mit dem Unentschieden?

    Popp: Es ist definitiv mehr drin gewesen. Wir hatten wesentlich bessere Chancen, die wir gerade gegen Top-Gegner effektiver nutzen müssen. Dass die Bayern trotz unserer Spielkontrolle am Ende den Ausgleich erzielt haben, macht das Ganze umso ärgerlicher. Dennoch ist uns bewusst, dass sich in der Tabellenkonstellation nichts verändert hat und wir immer noch oben stehen. Wir haben eine super Hinrunde gespielt und sind auch weiterhin voll im Soll.

    Im Vergleich zum Londoner Derby zwischen Arsenal und Tottenham, das am Wochenende zuvor über 38.000 Zuschauer ins Stadion lockte, sahen in Wolfsburg lediglich knapp über 3.000 Menschen zu. Macht Sie das mangelnde Interesse in Deutschland auch ein Stück weit wütend?

    Popp: Es ist eher enttäuschend. Dennoch liegt es auch an uns, dass wir das Ganze vernünftig vermarkten. Da gibt es sicherlich noch Nachholbedarf. Allerdings sollte man bei der Umsetzung die internationale Konkurrenz nicht außer Acht lassen, um eventuell auch von deren Vorgehen zu profitieren. Im deutschen Vergleich haben wir in Wolfsburg eigentlich immer einen recht ordentlichen Zuschauerschnitt, was auch für die Region spricht.

    Der DFB hat sich dem Gegenstand ebenfalls bereits angenommen. Wie haben Sie den Austausch zwischen der deutschen und der englischen Delegation in Wembley wahrgenommen?

    Popp: Wir wussten, dass sich der DFB mit der FA austauscht. Daher sind wir auch guter Dinge, dass es in die richtige Richtung geht. Der Austausch ist essenziell, um den internationalen Frauenfußball in seiner Weiterentwicklung zu stärken.

    Am kommenden Freitag spielt der VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen. Chancenlos scheint die Werkself, auch durch den überraschenden Sieg in München nicht. Wie erwarten Sie das Team?

    Popp: Gerade wenn man Leverkusen die Räume zugesteht, spielt die Mannschaft mutig nach vorne und lässt den Ball gut durch die eigenen Reihen zirkulieren. Ihrer Spielanlage müssen wir sicherlich etwas entgegensetzen, um sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Im Gegenzug möchten wir unser Spiel auf den Platz bringen, um die drei Punkte am Ende mit nach Wolfsburg zu nehmen.

    In der Liga sowie im Pokal sind Sie auf dem besten Wege das Double zu verteidigen. Im Interview mit dem "Tagesspiegel" träumen Sie darüber hinaus vom Triumph in der Champions League. Teilen die Verantwortlichen im Verein Ihre Sehnsucht?

    Popp: Tatsächlich ist der Erfolg in der Champions League ein sehr wichtiges Ziel in dieser Saison. Gerade in den letzten Jahren standen wir immer kurz davor, den Titel zu gewinnen. Dennoch sind die anderen Wettbewerbe ebenfalls wichtig, im besten Fall wollen wir natürlich das Triple feiern.

    Ist ein weiterer Triumph in der Königsklasse momentan ihr größter Antrieb?

    Popp: Grundsätzlich ist die Champions League etwas Spezielles. Man misst sich mit den Besten in Europa und kann unheimlich viel an Erfahrung gewinnen. Daher setzen wir in dieser Saison alles daran den Pokal nach Wolfsburg zu holen.

    Video - Schult über die Lage der Liga: "Müssen aufpassen, dass uns andere Länder nicht überholen"

    02:58