Expertin Navina Omilade freut sich auf Bundesliga-Start Frankfurt gegen FC Bayern: "Bessere Steilvorlage gibt es nicht"

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Nach der erfolgreichen EM 2022 steht die Frauen-Bundesliga in den Startlöchern. "Eine bessere Steilvorlage kann es nicht geben", findet die Ex-Nationalspielerin Navina Omilade, die zur neuen Saison als Eurosport-Expertin am Start ist. Im Interview mit Eurosport.de blickt die ehemalige Wolfsburgerin auf eine schmerzhafte Niederlage zurück und gibt eine Saisonprognose ab.

Navina Omilade

Fotocredit: Imago

Nach dem großen Erfolg der EM 2022 gilt es laut Navina Omilade nun, die Euphorie in den Fußball-Alltag mitzunehmen und die Massen für die Frauen-Bundesliga zu begeistern.
Die erste Möglichkeit dafür bietet sich am Freitag, wenn Eintracht Frankfurt zum Auftakt im Deutsche Bank Park auf den FC Bayern München trifft (ab 19:15 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und im Livestream bei discovery+).
"Es ist der richtige Schritt, bei Topspielen Akzente zu setzen", erklärt Omilade gegenüber Eurosport.de und begrüßt den Umstand, das Spiel im deutlich größeren Stadion der Männer auszutragen.
Darüber hinaus hält die zweimalige Europameisterin ein Mindestgehalt für Fußballerinnen für den richtigen Ansatz, die Professionalisierung im Frauenfußball voranzutreiben. "Das muss absolut das Ziel sein", unterstreicht Omilade und hofft auf eine kontinuierliche Entwicklung.
Außerdem erinnert sich die Eurosport-Expertin an ihre schmerzhafte Niederlage im Champions-League-Finale 2006 und gibt den im EM-Finale von Wembley unterlegenen deutschen Nationalspielerinnen einen wertvollen Ratschlag.
Das Interview führte Christoph Niederkofler
Frau Omilade, wie fühlt es sich an, ab sofort als Eurosport-Expertin auf der anderen Seite zu stehen und die Geschehnisse auf dem Feld von außen zu kommentieren und zu begleiten?
Navina Omilade: Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf diese Aufgabe. Bereits während der EM hatte ich das Vergnügen, auf verschiedenen Plattformen als Expertin zu fungieren. Es hat mir viel Spaß gemacht und so kann man weiterhin im Geschehen bleiben und nah dran sein. Das ist nach wie vor meine Leidenschaft, weswegen ich mich auch sehr darauf freue.
Wie interpretieren Sie Ihre neue Rolle und wie wollen Sie diese ausfüllen? Haben Sie da einen bestimmten Ansatz?
Omilade: Ich werde versuchen, die Dinge, die auf dem Platz passieren, durch meine Erfahrungen als Spielerin für den Zuschauer einzuordnen. Dafür werde ich mich akribisch auf die Spiele vorbereiten und führe im Vorfeld Gespräche mit Trainern, Spielerinnen und Verantwortlichen.
Blicken wir auf den Bundesliga-Auftakt: Am Freitag empfängt Eintracht Frankfurt den FC Bayern München im Deutsche Bank Park. Wer hat Ihrer Meinung nach die Nase vorn?
Omilade: Da sehe ich Bayern als Favorit, aber es wird trotzdem ein spannendes Spiel. Frankfurt ist auf jeden Fall eine Mannschaft, die in der Lage ist, die beiden großen Titelkandidaten Wolfsburg und Bayern zu ärgern. Deswegen denke ich, dass das Ergebnis keineswegs vorhersehbar ist.
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Navina Omilade im Interview mit Eurosport.de

Fotocredit: Imago

Wird Frankfurts Rolle über das "Ärgern" hinausgehen? Kann die Eintracht auch in den Titelkampf eingreifen?
Omilade: Ich denke, dass die ersten beiden Plätze an Bayern und Wolfsburg gehen werden und sie den Meisterschaftskampf unter sich ausmachen werden. Frankfurt ist hingegen einer der Favoriten auf den dritten Rang und der damit verbundenen Qualifikation für die Champions League.
Der FC Bayern hat sich im Juni überraschend von Trainer Jens Scheuer getrennt und setzt nun auf die Expertise des Norwegers Alexander Straus. Was erwarten Sie vom "neuen" FCB in dieser Saison?
Omilade: Aufgrund der EM hatten auch die Bayern nur eine kurze Vorbereitung und somit eine sehr knappe Findungsphase. Die vergangenen Wochen liefen aber schon mal sehr gut. Sie haben beispielsweise den AMOS Cup in Frankreich gewonnen, der mit Top-Teams wie Barcelona und Manchester United besetzt war. Das ist schon vielversprechend. Ich denke auch, dass Straus eine spannende Verpflichtung ist. Vor allem, weil mit ihm ein internationaler Trainer mit viel Erfahrung auf der Bayern-Bank sitzt. Somit erwarte ich eine starke Bayern-Mannschaft, die sich unter dem neuen Coach kontinuierlich weiterentwickeln wird.
Beim Bundesliga-Duell am Freitag sind einige Nationalspielerinnen vertreten, deren Traum vom EM-Titel vor wenigen Wochen im Finale von Wembley auf dramatische Art und Weise platzte. Wie haben Sie die Europameisterschaft persönlich erlebt?
Omilade: Das war eine herausragende EM! Die deutsche Mannschaft hat sich wirklich sehr beeindruckend präsentiert - sowohl auf als auch neben dem Platz. Sie hat mit einer tollen Leistung und Moral begeistert. Ich habe alle Spiele verfolgt und war für verschiedene Plattformen als Expertin unterwegs. Es hat sehr viel Spaß gemacht und war eine große Freude. Was da an Euphorie rübergeschwappt ist: die gefüllten Stadien, die begeisterten Zuschauer. Das wäre natürlich ein Traum, wenn sich das jetzt auch auf die Bundesliga auswirkt. Das ist die große Hoffnung. Das haben sich die Mädels absolut erarbeitet und verdient.
Sie haben es bereits angesprochen: Die Europameisterschaft war ein riesiger Erfolg. Wie schätzen Sie die Auswirkungen der EM ein und was muss Ihrer Meinung nach passieren, damit sich dieses Sommerhoch auch im Fußball-Alltag niederschlägt?
Omilade: Das ist tatsächlich jetzt die große Herausforderung, die Verbänden und Vereinen jetzt bevorsteht. Da muss mit DFB und DFL an einem Strang gezogen werden. Gemeinsam mit den Medienanstalten müssen Konzepte aufgestellt werden, wie man die Aufmerksamkeit und Präsenz in der Öffentlichkeit hochhalten kann und den Frauenfußball für Zuschauer und Fans attraktiv gestaltet. Es ist wichtig, dass diese Euphorie mitgenommen wird. Man hat gesehen, was beim letzten öffentlichen Training der Nationalmannschaft und beim Empfang in Frankfurt los war - das muss man jetzt nutzen. Der Bundesliga-Auftakt im Deutsche Bank Park ist einer der Schritte, die jetzt gegangen werden müssen.
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Der deutschen Nationalmannschaft wurde ein großer Empfang bereitet

Fotocredit: Getty Images

In der vergangenen Champions-League-Saison und bei der EM hat es ja bereits funktioniert. Aber für wie realistisch halten Sie es, dass auch der Bundesliga-Alltag in größeren Stadien stattfindet?
Omilade: Man sieht es in Ländern wie Frankreich, Italien und England, dass dieser Schritt immer häufiger gegangen wird. Besonders in der Champions League hatte diese Maßnahme großen Erfolg. Höhepunkt war natürlich das Halbfinale zwischen Barcelona und Wolfsburg vor 90.000 Zuschauern im Camp Nou. Das sind Zeichen, dass so etwas funktioniert. Die Bundesliga kann daran anknüpfen. Es ist der richtige Schritt, bei dem ein oder anderen Topspiel Akzente zu setzen und ein Modell, das auch in Deutschland funktionieren kann.
DFB-Starspielerin Lina Magull forderte unlängst ein Mindestgehalt für Fußballerinnen. Wie stehen Sie zu diesem Vorschlag und würde diese Entwicklung zu den von Ihnen geforderten Schritten zählen?
Omilade: Auf jeden Fall! Natürlich kann das nicht von heute auf morgen passieren. Es muss eine kontinuierliche Entwicklung geben, dass man in ein paar Jahren ein Mindestgehalt einführen kann. Das muss absolut das Ziel sein. Es kann nämlich nicht sein, dass die momentane Situation derartig ungleich ist und so viele Spielerinnen nebenbei noch 40 Stunden arbeiten müssen. So ist natürlich klar, dass die Leistungsunterschiede da sind. Deswegen muss das für die Zukunft ein Ziel sein, dass die Spielerinnen der ersten und zeitnah auch der zweiten Liga davon leben und den Sport professionell ausüben können.
Hoffenheims Melissa Kössler erklärte im Vorfeld der Europameisterschaft bei Eurosport, dass die Entwicklung im Frauenfußball stagniert. Hat die EM nun den erlösenden Stein ins Rollen gebracht?
Omilade: Das bleibt abzuwarten. Aus dieser Chance muss man die richtigen Schlüsse ziehen, den Hype und die Euphorie mitnehmen. Eine bessere Steilvorlage kann es mit dieser überragenden EM nicht geben. Deswegen ist die Hoffnung da, dass es den nötigen Anstoß gibt.
Welche Unterschiede stellen Sie im Vergleich zwischen Ihrer aktiven Laufbahn und dem heutigen Frauenfußball fest?
Omilade: Es ist tatsächlich noch einmal schneller, athletischer und technisch sauberer geworden. Sowohl in der Champions League als auch bei den Europameisterschaften hat man Spiele auf allerhöchstem Niveau gesehen. Da gab es dann schon einige Unterschiede zu meiner aktiven Zeit (lacht). Das setzt sich nun aber kontinuierlich fort und ist ein toller Prozess.
In den letzten Jahren hat der Sport auch im wissenschaftlichen Bereich einen großen Sprung nach vorne gemacht. Inwiefern haben sich Ihrer Meinung nach das Spiel und der taktische Ansatz dadurch verändert?
Omilade: Das wird auch im Frauenfußball total ausgenutzt. Es wird viel analysiert, die Daten werden angewandt. Das hilft jeder einzelnen Spielerin weiter und ist auch einer der Gründe, warum das Spiel auf die nächste Stufe gehoben wurde.
In Ihrer Karriere haben Sie in der Champions League und bei einer Europameisterschaft je zweimal triumphiert. Doch sie mussten auch schmerzhafte Niederlagen einstecken - man denke dabei an das CL-Finale 2006. Wie sind Sie damals mit diesem Rückschlag umgegangen? Und welchen Ratschlag geben Sie den Nationalspielerinnen nach dem verlorenen EM-Finale?
Omilade: Niederlagen gehören im Sport dazu. Dieser Part ist natürlich immer eine schmerzhafte, aber auch wertvolle Erfahrung, aus der man gestärkt wieder hervorgehen kann. In diesem Fall haben unsere deutschen Mädels enorm viel geleistet, um überhaupt ins Endspiel zu kommen. Da muss man auch das Positive darin sehen, dass man ein großartiges Turnier gespielt hat. Am Ende entscheiden aber Kleinigkeiten. Im EM-Finale hat das kleine Quäntchen Glück gefehlt und dann gab es noch diese fragwürdige Elfmeter-Entscheidung. Hier entscheiden Nuancen, das ist absolut normal im Sport. Deshalb rate ich den Mädels: Kopf hoch und stolz darauf sein, was sie geleistet haben. So war es bei uns damals auch. Gestärkt daraus hervorgehen und sich für das nächste Turnier wieder hohe Ziele setzen.
TV- und Streaming-Tipp: Eurosport überträgt den Bundesliga-Auftakt der Frauen zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München am Freitag, 16. September 2022 ab 18:35 Uhr live im Free-TV auf Eurosport 1 und im Livestream bei discovery+. Markus Theil begleitet die Partie am Mikrofon. Moderatorin Anna Kraft und Eurosport-Expertin Navina Omilade analysieren das Geschehen in der Halbzeitpause und im Anschluss an das Spiel. Anpfiff im Deutsche Bank Park ist um 19:15 Uhr.
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Quelle: Perform

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