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"Bin ja nun schon groß"
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Publiziert 06/07/2011 um 13:58 GMT+2 Uhr
Von der Stammspielerin zum Edeljoker und zurück in die Führungsrolle - die ersten zehn WM-Tage spiegeln im Kleinen die Karriere von Inka Grings wider. Ein Karriere, die nach einem großen Einbruch derzeit versöhnlich und erfolgreich am Ausklingen ist.
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Aus Düsseldorf berichtet Fabian Kunze
"Es war sicherlich nicht einfach für mich in den letzten Tagen, der letzten Woche", fasst die 32-Jährige ihren persönlichen WM-Start zusammen, der sie von einem Tag auf den anderen aus der Sturmspitze an die Seitenlinie katapultierte. "Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten." Zweimal in Folge war sie zuvor bei Europameisterschaften Torschützenkönigin geworden, die Torjägerkanone der Bundesliga steht gleich sechsmal in ihrem Trophäenschrank - von den nackten Zahlen her ist Grings eine Spielerin mit eingebauter Tor- und damit auch Stammplatzgarantie.
Doch die 93-fache Nationalspielerin eckte früher schon einmal gerne an. "Meine Energien waren in den vergangenen Jahren immer mal ausgebüchst", sagt sie im Gespräch mit der "Welt". In Duisburg forderte sie 2006 die Absetzung des Vereinstrainers Dietmar Herhaus, der ihr die Kapitänsbinde abnahm und sie suspendierte. Er oder ich - das war die Vorgabe: die Siegerin hieß Grings. Auch mit Silvia Neid geriet sie in Streit, weil diese sie nicht für die Olympischen Spiele in Peking nominierte, nachdem Grings einige Termine geschwänzt hatte.
"Es war ein schönes Gefühl"
"In den vergangenen Jahren bin ich aber gereift. Ich kann das mittlerweile ganz gut kanalisieren, möchte ich behaupten", sagt Grings. Der Disput mit der Bundestrainerin ist längst ausgeräumt, nach 40 Monaten feierte sie 2009 ihr Comeback im DFB-Dress und wurde mit der deutschen Mannschaft in Finnland als beste Torschützin direkt Europameister.
Mit 32 Jahren gehört sie nun zu den Routiniers im WM-Kader und zeigte ihre neu gewonnene Reife gerade in der Zeit, als sie statt auf dem Platz zu stehen, die Spiele von der Seite aus verfolgen musste. Die inneren Probleme, die sie mit der Reservistenrolle hatte, setzte sie in positive Energie um und kämpfte für ihre Chance in der Startelf. "Es war ein schönes Gefühl", beschreibt Grings, die traditionell als letzte Spielerin in den Borussia-Park einlief, den Start in ihre erste "richtige WM". Sie wolle "schnell in die Mannschaft finden und mit ihr erfolgreich spielen. Das ist hervorragend gelungen", resümiert die ehemalige Sportsoldatin und gelernte Kauffrau für Bürokommunikation.
Rückkehr zur Führungsspielerin
Grings fand nicht nur hervorragend ins Spiel, sie war sofort das Herzstück einer gefestigten Mannschaft, die sich in den ersten beiden WM-Spielen vom äußeren Druck und den großen Erwartungen gehemmt präsentiert hatte. Mit der Erfahrung von 271 Bundesliga-Spielen und der Empfehlung von 353 Toren zählt auch ihr Wort auf dem Platz - und die Mannschaft akzeptiert das. "Bisher bin ich mit ihren Ratschlägen ganz gut gefahren", sagt etwa Youngster Alexandra Popp im "kicker".
Die Rückkehr zur Führungsspielerin war für Grings dabei ganz selbstverständlich. "Es ist irgendwie in mir drin, dass ich versuche, die Mannschaft aufzubauen und zu motivieren, vielleicht auch mal ein paar klarere Worte zu setzen", sagt Grings, die sich ihrer Verantwortung gegenüber den jüngeren Spielerinnen durchaus bewusst ist. Denn, und das betont sie immer wieder, Fußball sei bei aller Freude über eigene Tore und gelungene Aktionen immer noch ein Mannschaftssport, in der eine Spielerin allein nicht erfolgreich sein könne.
"Alles andre wäre gelogen"
So scheint es nur folgerichtig, dass Grings es in den spielfreien Tagen auch als ihre Aufgabe ansieht, Birgit Prinz wieder aufzubauen. Jeder wisse, was die zuletzt formschwache und gegen Frankreich aussetzende Rekordnationalspielerin "für den Frauen-Fußball geleistet" habe. Da sei es auch kein Problem, dass Prinz eine direkte Konkurrentin auf einen Platz in der ersten Elf sei. "Ich bin ja nun auch schon groß", sagt Grings. "In der Nationalmannschaft gilt es, gemeinsam sein Stärken auszuspielen."
Bei aller Reife und Überlegtheit schimmert aber immer wieder die Kämpferin in der Angreiferin durch. Ob sie sich nach zwei Toren und einer Vorlage vorstellen könne, im Viertelfinale wieder auf der Bank zu sitzen, wird Grings gefragt. "Das ist natürlich schwierig - alles andere wäre gelogen", gibt die 32-Jährige zu, fordert aber nicht vehement den Stammplatz, sondern sagt ganz mannschaftsdienlich: "Ich versuche, mich in den Trainingseinheiten so anzubieten, dass es der Trainerin schwer fällt, mich auf die Bank zu setzen."
TV-Tipp:
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