WM 2023 - Navina Omilade ordnet Vorrunden-Aus der DFB-Frauen im Interview ein: "Kein Spielwitz, wie gelähmt"

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft eine historische Schlappe hinnehmen müssen. Zum ersten Mal überhaupt schied die DFB-Elf in der WM-Vorrunde aus. Ex-Nationalspielerin und Eurosport-Expertin Navina Omilade erörtert die Gründe für das Debakel und fordert schonungslose Aufarbeitung. Angst und Bange um die Zukunft müsse einem aber nicht werden, betont sie.

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Quelle: Perform

Als der Schlusspfiff im Suncorp Stadium von Brisbane am Donnerstag kurz nach 14 Uhr deutscher Zeit ertönte, stand den Spielerinnen im DFB-Trikot die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben.
Das 1:1 (1:1) im abschließenden Gruppenspiel gegen Südkorea war wegen Marokkos zeitgleichem 1:0-Erfolg gegen Kolumbien zu wenig für Platz zwei in Gruppe F, zum ersten Mal in der Geschichte schied die deutsche Frauen-Nationalmannschaft damit in einer WM-Vorrunde aus.
Ex-Nationalspielerin und Eurosport-Expertin Navina Omilade macht im Interview mit Eurosport keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung, kritisiert das "spielerische Unvermögen" der Mannschaft und spricht über mögliche Konsequenzen.
Angst vor der Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs müsse man aber nicht haben.
Die deutschen Frauen reihen sich nahtlos in die Misserfolgsserie des deutschen Fußballs ein. Wie konnte das passieren?
Navina Omilade: Wenn man das so schnell analysieren könnte, das wäre toll, oder? Man hat nach dem Spiel gemerkt, dass es für alle so schnell gar nicht greifbar war und erst verarbeiten werden muss. Genauso geht’s mir auch. Ich war sehr überrascht und kann es noch immer nicht glauben, dass die deutsche Mannschaft nicht in der Lage war, sich in dieser Gruppe durchzusetzen. Viel enttäuschender ist es, dass die Mannschaft nicht in der Lage war, drei gute Spiele zu machen, sich spielerisch durchzusetzen und das auf den Platz zu bringen, was sie bei der EM noch so stark gemacht hat. Sie haben gegen Kolumbien und Südkorea nie ins Spiel gefunden, hatten keinen Spielwitz, keine Ideen, keine Kreativität. Sie haben alles vermissen lassen.
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Welche Konsequenzen, auch personeller Art, muss der DFB jetzt ziehen?
Omilade: Das müssen andere entscheiden. Das Ganze muss auf jeden Fall vernünftig analysiert und aufgearbeitet werden, dann müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden. Wie diese dann aussehen, das entscheiden die Gremien, in erster Linie der DFB. Ich möchte mich da in keinster Weise einmischen. Das liegt in deren Hand. Ich bin sehr optimistisch, dass alle Optionen durchgespielt werden und am Ende Lösungen stehen. Damit es in der Zukunft wieder besser laufen kann.
Die Männer sind in Russland 2018 und Katar 2022 zuletzt zwei Mal in Folge in einer WM-Vorrunde ausgeschieden. Der männliche U21-Nachwuchs flog vor einigen Wochen in der EM-Vorrunde in Georgien überraschend raus. War die allgemeine Krise im deutschen Fußball im Hinterkopf der Frauen und hat sie womöglich gehemmt?
Omilade: Ein Stück weit vielleicht schon. Der Druck war womöglich zu groß. Ich glaube aber nicht, dass das ausschlaggebend für das Auftreten in den Spielen gegen Kolumbien und Südkorea war. Die Mannschaft war wie gelähmt, aber aus mehreren Gründen. Neben dem Druck hat man die vermeintlich leichte Gruppe vielleicht ein bisschen unterschätzt. Wir hatten ja das Gegenbeispiel bei der EM. Im vergangenen Jahr hatten wir eine sogenannte 'Todesgruppe' mit Dänemark, Spanien und Finnland, man hat sich auf eine ganz, ganz schwere Gruppenphase eingestellt. Jedes Spiel musste mit 100 Prozent angegangen werden. Das haben sie auch super gemacht, konnten dem Druck standhalten. Jetzt ist man vielleicht ein bisschen nach dem Motto 'die werden wir schon schlagen - sind ja nur Kolumbien und Südkorea' in die Spiele gegangen und das hat eben nicht funktioniert. Da hat es an der Einstellung gehapert. Aber auch am spielerischen Unvermögen. Die deutsche Mannschaft war nicht in der Lage, ihr Spiel auf den Platz zu bringen.
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Die Mannschaft wirkte ängstlich, ohne Lösungsansatz gegen das hohe Anlaufen der Südkoreanerinnen, fast schon lethargisch. Wie ist ein solch gehemmter Auftritt zu erklären?
Omilade: Es lag definitiv an vielen Dingen. Auch die Ausfälle waren hier und da unglücklich - gerade in der Abwehr, wo immer andere Ketten zusammenspielen mussten. Dass Svenja Huth nach hinten rücken musste und ihre Offensivstärke, sie war eine der besten Spielerinnen bei der EM, nicht ausspielen konnte, war ebenfalls unglücklich. So kommt dann eben eins zum anderen.
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Fotocredit: Getty Images

Wird die Mannschaft trotz des historischen WM-Patzers zu sanft angepackt? Hat das Team harte Kritik jetzt 'verdient'?
Omilade: Ja. Ich bin mir aber sicher, dass sie selbstkritisch genug sein wird. Ich finde es auch berechtigt, wenn von außen Kritik kommt - sie sollte aber konstruktiv sein. Es sollten alle kritisch mit dem Geschehenen umgehen und es schonungslos aufarbeiten.
Die einfachste Frage zum Schluss: Wie kommen die deutschen DFB-Frauen jetzt wieder auf Kurs?
Omilade: Wie schon gesagt: schonungslose Aufarbeitung, kritische Analyse und an den richtigen Stellschrauben drehen. Man sollte sich aber unbedingt auch den Glauben bewahren. Wir haben tolle Spielerinnen - auch im Nachwuchs. Die U19-EM hat es gezeigt, da haben wir nur ganz knapp im Elfmeterschießen gegen Spanien den Titel verpasst. Es gibt also weiterhin guten Grund, an die eigenen Stärken zu glauben und gestärkt aus der WM-Enttäuschung hervorzugehen.
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Quelle: Perform

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