WM 2023 - Bundestrainerin Voss-Tecklenburg will nach WM-Debakel bleiben: "Bin noch nie weggelaufen"

Martina Voss-Tecklenburg möchte nach dem WM-Debakel ihre Arbeit als Fußball-Bundestrainerin fortsetzen. "Das Einfache ist, wenn es im Leben schwierig wird, wegzulaufen. Ich bin noch nie weggelaufen, wenn es schwierig geworden ist. Also habe ich weiterhin den festen Willen, zusammen mit allen Beteiligten die nächsten Schritte im deutschen Frauenfußball zu gehen", sagte die 55-Jährige.

Voss-Tecklenburg selbstkritisch: "Möchte keine Ausreden suchen"

Quelle: Perform

Die ewig lange Heimreise wollte Martina Voss-Tecklenburg nicht mehr zur Bedenkzeit nutzen. Schon am Tag vor ihrem Rückflug von Down Under nach Deutschland am Sonntag hatte die Bundestrainerin klargestellt: Sie tritt nach dem historischen WM-Debakel nicht zurück.
"Ich bin noch nie weggelaufen, wenn es schwierig geworden ist. Also habe ich weiterhin den festen Willen, zusammen mit allen Beteiligten die nächsten Schritte im deutschen Frauenfußball zu gehen", sagte die 55-Jährige (Vertrag bis 2025) auf der finalen Pressekonferenz an der Pferderennbahn von Wyong zwei Tage nach dem blamablen Vorrunden-K.o. Sie bleibe "hartnäckig und stark".
Daran änderte auch die große Aufregung am Vortag nichts. Ein pikanter "Bild"-Bericht über angebliche Risse zwischen Team und Trainerstab, eklatante Kommunikationsprobleme und interne Kritik an der Quartier-Auswahl in der "Einöde" nördlich von Sydney führten dazu, dass die sportliche Leitung vor der Abreise aus dem Basislager den Mannschaftsrat zum Rapport bat.
"Uns gegenüber wurde so etwas nicht übermittelt", berichtete Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalteams, kündigte aber weitere Einzelgespräche an. Die Bundestrainerin entgegnete energisch: "Wir sprechen mit den Spielerinnen, wir haben das hier während des Turniers nicht erlebt. Ich habe vollstes Vertrauen in die Ehrlichkeit der Spielerinnen."

Chatzialexiou übt Generalkritik

Vertrauen hat auch der DFB-Boss in Voss-Tecklenburg signalisiert. Zügig nach dem 1:1 gegen Südkorea gab Bernd Neuendorf ihr Rückendeckung, um eine mögliche "MVT"-Debatte womöglich gleich im Keim zu ersticken. "Ich bin doch sehr sicher, dass sie mit der Mannschaft wieder die Kurve kriegen kann", beteuerte Neuendorf am Freitag erneut.
Dafür soll in den nächsten zwei Wochen in der Heimat eine "umfangreiche Analyse" (Chatzialexiou) des Scheiterns erfolgen. "Wir sind weit davon entfernt, zu sagen: weiter so", versicherte Voss-Tecklenburg: "Wir werden das sachlich aufarbeiten. Wir wollen die Gründe finden, warum wir unsere Leistung nicht auf den Platz gebracht haben."
Die Zeit drängt ja auch: Bereits in sieben Wochen rückt die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris über die neue Nations League in den sportlichen Fokus.
"Es ist wichtig, den Blick nach der Analyse wieder nach vorne zu richten und zu zeigen, dass wir diese Schmach wettmachen können", forderte Chatzialexiou. Eines von zwei europäischen Olympia-Tickets ist schwer genug zu ergattern, in der Gruppenphase geht es gegen Dänemark, Island und Wales.

Viele Baustellen im Frauen-Fußball

Schon vor der "akribischen" Aufarbeitung sprach das Duo zu beackernde "Baustellen" an. Ausführlich thematisiert wurde der Umgang mit Druck als Vize-Europameister und Titelanwärter. Aber eben auch gravierende grundsätzliche Probleme im deutschen Fußball wie bei der Nachwuchsförderung.
"Es ist nicht so, dass wir keine guten Fußballerinnen oder Fußballer haben, sondern wir haben in der Spitze einfach zu wenig Breite", sagte Chatzialexiou. Angesprochen auf das Dauerthema Mentalität und Widerstandsfähigkeit verwies er auf Kapitänin Alexandra Popp als "Vorbild".
Hier brauche es in den Leistungszentren mehr Fokus auf den "ganz entscheidenden Faktor" Persönlichkeitsentwicklung, "weil dann möglicherweise auch die mentale Fähigkeit, der Siegeswille gewisse andere Fähigkeiten überstrahlen kann". Früher sei das schließlich Teil der deutschen "DNA" im Fußball gewesen.
In Richtung der Frauen-Bundesligisten formulierte Chatzialexiou nach dem Abstellungszoff mit dem FC Bayern, der die WM-Vorbereitung anfangs überlagerte, noch einen eindringlichen Appell: "Wir müssen Hand in Hand arbeiten, weil wir sonst keinen Erfolg für die Nationalmannschaft garantieren können."
(SID)
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Quelle: Perform

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