Fall Benzema: EM-Gastgeber Frankreich sabotiert sich vor Deutschland-Spiel wieder mal selbst

Bayern-Star Franck Ribéry in freiwilliger Frührente, Nationalheld Michel Platini gesperrt und jetzt auch noch der Skandal um Karim Benzema: EM-Gastgeber Frankreich bringt sich durch Selbstsabotage wieder einmal in Schwierigkeiten - und das sieben Monate vor Turnierbeginn. Die Partie gegen Deutschland ist die große Chance für Kingsley Coman. Der Bayern-Youngster steht vor der Länderspielpremiere.

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Hausgemachte Dramen sind die stolzen Franzosen gewohnt. Auch im Fußball. Gerade im Fußball. Sieben Monate vor dem Beginn der EM im eigenen Land haben sich die Erfolgsaussichten des Gastgebers drastisch verschlechtert.
Der brisante Skandal um Aufbauspieler Mathieu Valbuena und Stürmerstar Karim Benzema hat nicht nur die Vorbereitung der "Bleus" vor den Testspielen am Freitag gegen Weltmeister Deutschland (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei eurosport.de) und am Montag in England gehörig durcheinandergewirbelt.
"Es ist ein Alptraum und absolut nicht gut für das französische Team", erklärte Eurosports Experte für die französische Nationalmannschaft, Maxime Dupuis. Und es ist nicht das erste Mal.
Die "équipe tricolore" sabotiert sich immer wieder selbst. Die Meuterei von Knysna, die bei der WM 2010 in Südafrika in einem Trainingsstreik der Mannschaft gegen Trainer Raymond Domenech gipfelte, ging sogar als "kollektiver Selbstmord" (Le Figaro) in die Verbandsgeschichte ein.

Immer wieder Selbstsabotage

Kaum waren Mannschaft und Fans wieder einigermaßen versöhnt, gab’s den nächsten Eklat. Samir Nasri beleidigte nach dem EM-Aus 2012 einen Journalisten. Als er von Disziplinfanatiker Didier Deschamps für die WM in Brasilien nicht nominiert wurde, beschimpfte seine Freundin den Nationaltrainer aufs Übelste.
Anara Atanes, Victoria's-Secret-Model, Schauspielerin und Sängerin twitterte: "Fuck Frankreich und fuck Deschamps. Was für ein beschissener Manager." Am 10. August 2014 verkündete der Mittelfeldspieler von Manchester City seinen Rücktritt aus dem Nationalteam - drei Tage vor Bayern-Star Franck Ribéry, der das Dauertheater um seine Person leid war.
Ribéry wurde dafür ausgerechnet von seinem Landsmann, UEFA-Präsident Michel Platini heftig kritisiert. Der Europameister von 1984 drohte dem Edeltechniker sogar mit einer Sperre - und ist nun wegen seiner vermeintlichen Verwicklung in den FIFA-Skandal selbst suspendiert. Eigentlich sollte Platini DAS Gesicht der EURO 2016 werden.

Wieder Benzema

Doch damit immer noch nicht genug. Jetzt drohen Benzema, dem besten Stürmer Frankreichs, fünf Jahre Haft wegen "Komplizenschaft in einem Erpressungsversuch" und der "Teilnahme an einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung einer Straftat". Der Real-Star soll an einer Erpressung gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena involviert gewesen sein.
Nach der WM 2010 war Benzema mit Ribéry bereits in den Fall um eine minderjährige Prostituierte verwickelt, deren sexuelle Dienste mehrere Nationalspieler in Anspruch genommen hatten. Die Ermittlungen in der Affäre wurden aber im Januar 2014 eingestellt.
"Wir kommen einfach nicht zur Ruhe. Noch ist der Fall Valbuena/Benzema eine private Affäre, aber das könnte sich ändern", sagte Dupuis.
Es hat sich schon geändert. Der Richter entschied, dass Benzema bis auf weiteres keinerlei Kontakt zu Valbuena haben dürfe. Das macht einen gemeinsamen Auftritt für die Nationalmannschaft unmöglich. Wahrscheinlich muss sich Deschamps zwischen einem der beiden entschieden – bei einem Schuldspruch sogar auf beide verzichten. Für die Testspiele gegen Deutschland und England ließ er das Duo zuhause.
"Deschamps hat bisher alles getan, um den guten Ruf der Nationalmannschaft wieder herzustellen, aber ständig passieren neue Dinge", sagte Dupuis. "Wenn Benzema für unschuldig erklärt wird, kann er wiederkommen, aber nur dann."
Deschamps bleibt nur die Flucht nach vorne. Der Skandal ist die große Chance für Kingsley Coman (Bayern München), Anthony Martial (Manchester United) und Alexandre Lacazette (Olympique Lyon). "Vielleicht ist dies bei allem Fluch ein Siegen", meinte Dupuis.
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