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Goretzka, Sané und Plattenhardt - Diese drei Spieler sind für Löw unverzichtbar

Taktik-Check: Warum Plattenhardt für Löw unverzichtbar ist

23/03/2018 um 10:02Aktualisiert 23/03/2018 um 10:04

Die WM 2018 in Russland rückt näher, die Spiele gegen Spanien (Freitag, 20:45 Uhr im Liveticker) und Brasilien (Dienstag, 20:45 Uhr im Liveticker) sind vor dem Turnier die letzten Tests gegen starke Gegner. Eurosport.de analysiert vor diesen Partien, wer neben den auf jeden Fall gesetzten DFB-Stars aus taktischer Sicht unbedingt einen Platz in Joachim Löws 23er-Kader bekommen sollte.

Leon Goretzka – die vertikale Acht

Im zentralen Mittelfeld ist das Gedränge im DFB-Team am größten: Mit Toni Kroos und Sami Khedira steht ein auf Weltklasseniveau erprobtes Duo bereit, hinzu kommt der wiedererstarkte Ilkay Gündogan. Etwas weiter vorne ist Mesut Özil als Zehner ebenfalls unantastbar. Kroos und Gündogan machen das Spiel aus der Tiefe, Özils Stärken liegen in den finalen Aktionen im letzten Drittel und Khedira bringt vor allem Athletik und Zweikampfstärke ein.

Leon Goretzka könnte als Ergänzung zu dem etablierten Quartett eine Nische besetzen. Er ist kein klassischer Aufbauspieler wie Kroos, kein Dribbler in engen Räumen wie Gündogan, kein Abräumer wie Khedira und kein klassischer Zehner wie Özil. Goretzkas Spiel bietet jedoch eine Facette, die den anderen Akteuren in diesem Bereich fast vollkommen abgeht.

Der Schalker ist in seinen Aktionen sehr vertikal ausgerichtet. So kann er etwa den Ballschlepper im Umschaltspiel geben und mit seinen langen Schritten richtig Tempo aufnehmen. Auch gegen Gegner, die viel mit Manndeckung arbeiten, kann dieser Faktor wichtig sein, um Raum zu überbrücken. Die vielleicht aber noch größere Stärke Goretzkas liegt im Belaufen der Tiefe.

Bundestrainer Joachim Löw forderte in den vergangenen Jahren immer mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld ein, es gebe zu wenig Spieler, die den Weg in die Tiefe suchen. Goretzka lieferte beim vergangenen Confederations Cup eine Bilderbuchvorstellung davon ab, wie man als zentraler Mittelfeldspieler im richtigen Moment in die richtigen Räume startet und selbst zum Abschluss kommt.

Prognose: Goretzka unterscheidet sich auf erfrischende Art und Weise von den anderen Spielern im zentralen Mittelfeld, sein Zug zum Tor kann in festgefahrenen Spielen der Schlüssel sein.

Leon Goretzka (Deutschland)

Leon Goretzka (Deutschland)Getty Images

Leroy Sané – der klassische Flügelstürmer

Auch auf den offensiven Außenbahnen hat Löw die Qual der Wahl. Mit Julian Brandt, Julian Draxler, Marco Reus, Serge Gnabry oder auch Amin Younes gibt es viele dribbelstarke Spieler auf diesen Positionen, hinzu kommt der verkappte Stürmer Thomas Müller. Schaut man sich diese Akteure an, stellt man schnell eine große Gemeinsamkeit fest: Alle ziehen gerne und oft zum Tor.

Leroy Sané hingegen spielt bei Manchester City unter Pep Guardiola konsequent als sehr breit stehender Flügelstürmer. Er hält die Position an der Linie, um nach Verlagerungen mit Tempo ins Eins-gegen-Eins gehen zu können. Sein Ziel: zur Grundlinie kommen und die weiteren Offensivspieler mit flachen scharfen Hereingaben füttern. Das Spiel der DFB-Elf ist dem von Manchester City im Wesentlichen recht ähnlich. Man hat immer einen sehr hohen Ballbesitzanteil, zudem steht nahezu jeder Gegner tief. Mit seiner Spielweise könnte Sané für Deutschland zu einer echten Waffe werden.

Prognose: Sané würde perfekt ins deutsche Spiel passen. Während auf der einen Seite mit vielen Spielern auf engem Raum kombiniert wird, wartet der antrittschnelle Linksfuß auf der anderen Seite auf Verlagerungen. Und wer könnte die noch besser spielen als Mats Hummels, Jérôme Boateng oder Toni Kroos?

Joachim Löw Leroy Sané Deutschland

Joachim Löw Leroy Sané DeutschlandGetty Images

Marvin Plattenhardt – Hector-Ersatz und Standard-Experte

Auf der linken Seite Abwehrseite wäre es sinnvoll, neben Jonas Hector einen weiteren Außenverteidiger zu nominieren. Hector war in der Hinrunde sehr lange verletzt, das kann sich am Ende der Saison schnell nochmal auf die Fitness auswirken. Zudem darf man die psychologische Komponente bei einem möglichen Abstieg des 1. FC Köln nicht unterschätzen.

Als Alternativen auf der linken Seite fallen Philipp Max vom FC Augsburg sowie Marvin Plattenhardt von Hertha BSC sofort ins Auge. Max hat in dieser Saison einen sagenhaften Lauf und bereitet Tore wie am Fließband vor. Seine Technik und sein Timing bei Flanken sind hervorragend, mittlerweile jagen ihn offenbar einige europäische Topklubs. Doch gute Leistungen alleine genügen nicht, um einen Platz im DFB-Kader zu rechtfertigen – viel wichtiger ist die Spielweise.

In Augsburg ist das Offensivspiel nahezu ausschließlich auf Max´ Flanken ausgerichtet: Mit zwei kopfballstarken Stürmern sowie zusätzlich mindestens einem Mittelfeldspieler stehen immer mehrere gute Abnehmer parat. Deutschland wird – wenn überhaupt – aber wohl nur mit einem kopfballstarken Akteur in der Offensive auflaufen, die anderen Offensivkräfte haben ihre Stärken im Spiel mit dem Ball am Fuß.

Joachim Löw mit Marvin Plattenhardt im DFB-Team

Joachim Löw mit Marvin Plattenhardt im DFB-TeamImago

Plattenhardts Profil passt da schon eher zum Spiel des amtierenden Weltmeisters: Er ist technisch sehr gut ausgebildet, findet Lösungen unter Druck und hat auch mal den Blick für den Weg nach innen. Plattenhardts Flanken sind besser als die von Hector, mit seiner unkonventionell aussehenden Ausholbewegung bekommt er viel Zug in die Hereingaben – für Abwehrspieler immer wieder überraschend.

Darüber hinaus ist Plattenhardt ein Spezialist für gefährliche Standards. Seine Ecken und Freistoßflanken finden bei Hertha regelmäßig die Köpfe seiner Mitspieler, kaum eine Mannschaft erzielt in der Bundesliga so viele Tore nach ruhendem Ball. Dass er bei direkten Freistößen ebenfalls gefährlich ist, rundet das Gesamtpaket ab.

Prognose: Plattenhardt ist mit seiner Spielintelligenz und guten Technik ein passender Ersatz oder gar Konkurrent für Hector. Die starken Standards des Berliners wären zudem ein im Laufe eines Turnieres möglicherweise notwendiger "Plan B" für die deutsche Mannschaft.

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