Deutschland - Serbien | Goretzka sichert Remis bei Chancen-Festival

Deutschland hat zum Auftakt des Länderspieljahres in Wolfsburg nur 1:1 (0:1) gegen Serbien gespielt. Nach einer schmucklosen ersten Halbzeit steigerte sich das DFB-Team in Durchgang zwei. Der eingewechselte Leon Goretzka (69.) rettete das Test-Remis. Luka Jovic hatte die Gäste in Führung gebracht (12.). In der Nachspielzeit flog Milan Pavkov mit Rot vom Platz - er hatte Leroy Sané rüde gefoult.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

So lief das Spiel:

In Spiel eins nach der Ausbootung von Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels begann die verjüngte deutsche Mannschaft couragiert. Nach nicht einmal einer Minute kam Debütant Lukas Klostermann aus 17 Metern zum Abschluss, sein Schuss ging allerdings noch abgefälscht am Tor vorbei. Kurz darauf versuchte es der Leverkusener Kai Havertz mit einer Direktabnahme, zielte aber nicht genau genug. Der Ball landete in den Armen von Serbiens Torhüter Marko Dmitrovic (3.).
Die Serben – trainiert von Ex-Bundesliga-Profi Mladen Kristajic – hielten sich offensiv zurück. Allerdings zeigte Frankfurts Wunder-Stürmer Luka Jovic auch im Nationalmannschaftstrikot seinen besonderen Torriecher: Nach einer Ecke von der rechten Seite landete der Ball etwas glücklich bei dem 21-Jährigen, der die Kugel völlig freistehend aus fünf Metern ins Tor nickte (12.).
Die Löw-Elf zeigte sich durch den Gegentreffer durchaus beeindruckt. Der Schwung aus der Anfangsphase ebbte merklich ab, die letzte Konsequenz sowie der Mut zum Risiko blieben aus. Dabei war es nicht so, dass sich die Deutschen keine Torchancen erspielten. Nach Balleroberung durch Ilkay Gündogan war Timo Werner auf und davon, scheiterte aber relativ unbedrängt an Torhüter Dmitrovic (22.).
Auf der anderen Seite sorgte erneut Jovic für Gefahr. Nach einem starken Flügellauf und Querpass von Darko Lazovic wurde der Frankfurter im letzten Moment von Klostermann am Abschluss gehindert (25.).
Der einzige Deutsche, der hin und wieder mal ins Dribbling ging, oder die Eins-gegen-eins-Situation suchte, war Leroy Sané. Aber auch der Flügelflitzer von Manchester City zeigte zu wenig Durchsetzungsvermögen. In der 32. Minute forderte der Ex-Schalker einen Elfmeter, Schiedsrichter Bobby Madden aus Schottland empfand den Kontakt mit Miroslav Bogosavac aber nicht als strafstoßwürdig.
Kurz vor der Halbzeit hatte erneut Werner den Ausgleich auf dem Fuß: Nach Hereingabe von Leipzig-Kollege Klostermann kam der Stürmer aus kurzer Distanz unbedrängt zum Schuss – scheiterte aber wiederholt an Dmitrovic (37.).
Schließlich hatte die deutsche Mannschaft sogar noch Glück, dass es zur Halbzeit nur 0:1 stand – Adem Ljajic schoss nämlich aus elf Metern völlig freistehend über Neuers Kasten (41.).
Im zweiten Durchgang ersetzte Marco Reus den Leverkusener Havertz, außerdem übernahm Marc-André ter Stegen den Posten zwischen den Pfosten von Manuel Neuer.
Die erste Chance der zweiten Hälfte hatten allerdings die Gäste. Lazovic scheiterte nach einem Konter freistehend von der Strafraumgrenze (48.).
Anschließend ging es aber fast ausschließlich in Richtung serbisches Tor. Vor allem die Hereinnahme von Reus schien der deutschen Mannschaft neuen Wind mitzugeben. Der Dortmunder Kapitän ließ am Fünfmeterraum einen Gegenspieler aussteigen und zog ab – Dmitrovic parierte (59.).
Kurz darauf kam Sané nach einer Halstenberg-Flanke ungestört zum Kopfball, nickte den Ball aus fünf Metern aber nur in die Arme des serbischen Torhüters (64.).
Eine Minute später hatten die 26.101 Zuschauer in der Volkswagen-Arena den Torschrei erneut auf den Lippen: Gündogan hatte Dmitrovic nach einer zauberhaften Hacken-Vorlage von Sané bereits umkurvt, aber Nemanja Maksimovic kratzte den Ball gerade noch von der Linie (65.).
Deutschland war nun haushoch überlegen, der Treffer wollte aber immer noch nicht fallen. Erst in der 69. Minute erlöste der eingewechselte Leon Goretzka die Fans und die deutsche Bank. Gündogan bediente Reus, der links im Strafraum zurücklegte. Goretzka ließ einen Gegenspieler aussteigen und traf aus 15 Metern mit rechts halbhoch ins linke Toreck (69.).
Auch danach war die DFB-Elf am Drücker, allein Sané vergab aus besten Positionen mehrfach (73., 77.).
Da auch Reus aus relativ spitzem Winkel vergab (75.), musste sich die deutsche Mannschaft mit dem Unentschieden zufrieden geben.
Eine Schrecksekunde musste Bundestrainer Löw in der Nachspielzeit allerdings noch hinnehmen: Nach einem bösen Foul von Milan Pavkov, humpelte Sané angeschlagen vom Platz (90.+3). Der Serbe sah glatt Rot, am Spielstand änderte dies allerdings nichts mehr.

Die Stimmen zum Spiel:

Joachim Löw (Trainer Deutschland): "Es war schade, dass wir so früh durch ein Standard-Tor in Rückstand geraten sind. Und man hat auch gemerkt in der ersten Halbzeit, dass die Automatismen noch nicht so ganz da sind. Am Ende fehlte – und das zieht sich vielleicht auch ein wenig durch das letzte halbe Jahr – die letzte Konsequenz im Abschluss."
Leroy Sané (Deutschland): "Mit meinem Sprunggelenk ist alles okay, ich glaube, das Foul sah auch ein bisschen schlimmer aus, als es war. Ich bin ganz zufrieden, wir hatten ein paar gute Ansätze. Aber allgemein muss schon noch mehr kommen. Der letzte Pass, oder der letzte Abschluss ist noch nicht konsequent genug. Jeder kann sehen, dass wir uns Stück für Stück verbessern."
Leon Goretzka (Deutschland): "Ich denke, es war schon zu wenig. Wenn man sich anguckt, wie viele Torchancen wir wieder hatten, muss man schon sagen, dass wir das Spiel heute gewinnen müssen. Der Bundestrainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir versuchen sollen, schneller hinter die erste Reihe der Serben zu spielen. Deshalb sah es in der zweiten Halbzeit dann auch etwas besser aus."
Marco Reus (Deutschland): "Im Großen und Ganzen war es zu wenig. Wir sind immer noch Deutschland, egal was im letzten Jahr passiert ist - unser Anspruch muss immer noch sein, dieses Spiel zu gewinnen."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Reus als Motor

Mit der Hereinnahme von Marco Reus wurde das Spiel der deutschen Mannschaft in der zweiten Halbzeit zielstrebiger. Der Dortmunder Kapitän belebte mit seinen präzisen Zuspielen das in der ersten Halbzeit oft zu ausrechenbare Offensivspiel der DFB-Elf. Zudem traute sich der 29-Jährige immer wieder den Abschluss zu. Nicht verwunderlich, dass Reus am Ausgleichstreffer direkt beteiligt war, seine Vorlage für Goretzka war ebenso sehenswert wie effektiv. Bundestrainer Joachim Löw wird Reus demnach am Sonntag zum Auftakt der EM-Qualifikation in den Niederlanden von Beginn an spielen lassen.

Die Statistik: 15

Dass Leroy Sané ein Unterschied-Spieler sein kann, hat er gegen Serbien immer wieder bewiesen. Hin und wieder mangelt es an Effektivität - seine Tempoläufe und Dribblings sorgten in Reihen der Serben dennoch immer wieder für Frustration. So hatte der Angreifer von Manchester City am Ende so viele Ballberührungen in des Gegners Strafraum wie das gesamte serbische Team (15).
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung