Trotz Steigerung nach Horror-Start: Deutsche Nationalmannschaft unterliegt Tedescos Belgiern

Die deutsche Nationalmannschaft hat auf dem Weg zur Heim-EM einen Rückschlag kassiert. Im Testspiel gegen Belgien unterlag die Mannschaft von Hansi Flick 2:3 (1:2). Die DFB-Elf erwischte einen Horror-Start und lag nach neun Minuten 0:2 zurück. Kevin De Bruyne stellte nach einem Füllkrug-Elfmeter den alten Abstand wieder her. Trotz einer Leistungssteigerung reichte es für die Hausherren nicht.

Niclas Füllkrug

Fotocredit: Getty Images

Gegen den Weltranglistenvierten aus Belgien wollte die deutsche Nationalmannschaft unbedingt zeigen, dass sie „bestehen“ kann. So sagte es Bundestrainer Hansi Flick im Vorfeld der Partie.
Seine Mannschaft allerdings brachte von diesem Vorhaben nur wenig auf den Platz. Stattdessen erwischten die Belgier, trainiert von Ex-Schalke und Leipzig-Trainer Domenico Tedesco, einen Traumstart. Kevin de Bruyne sah auf der linken Seite den völlig freistehenden Yannick Carrasco, der wiederum mit einem einfachen Haken Marius Wolf stehen ließ und aus zehn Metern halblinks Marc-André ter Stegen im deutschen Tor keine Chance ließ (6.).
Nur wenige Minuten später war die DFB-Hintermannschaft erneut völlig unsortiert: Wieder war es de Bruyne, der im perfekten Moment zu Romelu Lukaku durchsteckte. Der hatte freie Bahn und traf an ter Stegen vorbei ins rechte Eck zum 2:0 (9.).
Die DFB-Elf wirkte völlig von der Rolle und hatte Glück, dass Belgien seine hochkarätigen Möglichkeiten in der Folge nicht nutzte. Zunächst schob Herthas Dodi Lukébakio den Ball nach einem Konter alleinstehend vor ter Stegen knapp rechts vorbei (19.), wenig später köpfte Lukaku die Kugel nach einem Eckball an den Querbalken (21.).
Hansi Flick musste reagieren und brachte Felix Nmecha für den angeschlagenen Leon Goretzka sowie Emre Can für den überforderten Florian Wirtz in die Partie (32.). Und diese Hereinnahmen machten sich bezahlt. Mit Can bekam die deutsche Mannschaft deutlich mehr Aggressivität in ihr Spiel, hielt im Zentrum nun viel besser dagegen. Nicht unverdient verkürzte dann auch Niklas Füllkrug kurz vor der Pause vom Elfmeterpunkt (44.). Zuvor hatte Lukaku bei einem Eckball von Joshua Kimmich ein Handspiel begangen (43.).
Im zweiten Durchgang war die DFB-Elf dann das bessere Team und kam vermeintlich sogar zum Ausgleich. Timo Werners Treffer nach Vorarbeit von Nmecha zählte aufgrund einer Abseitsposition des Leipzigers allerdings nicht (59.).
Belgien zeigte sich kaum noch in der Nähe des deutschen Strafraums – erhöhte dann aber mit der einzigen gefährlichen Aktion der zweiten Halbzeit auf 3:1. Der eingewechselte Leandro Trossard wurde links steil geschickt und spielte dann mustergültig quer. Im Zentrum hielt De Bruyne den Fuß hin und vollendete den Konter aus kurzer Distanz (78.).
Die deutsche Mannschaft ließ sich allerdings nicht hängen und kam durch Serge Gnabry kurz vor dem Schlusspfiff noch einmal ran. Nach ganz feinem Solo war der Bayern-Spieler Minuten zuvor noch am linken Pfosten gescheitert (84.). Nun aber traf er nach starker Vorarbeit des eingewechselten Kevin Schade aus fünf Metern zum Anschluss (87.).
In der Nachspielzeit warf die DFB-Elf nochmal alles nach vorne, sogar ter Stegen rückte bei zwei abschließenden Eckbällen mit auf. Zum Ausgleich reichte es dennoch nicht mehr.

Die Stimmen:

Hansi Flick (Trainer Deutschland): "Wir waren zu verhalten, wir waren zu passiv. Wir haben den Gegner einfach nicht unter Druck setzen können. Belgien hat uns dann gnadenlos ausgespielt. Wir haben dann umgestellt und haben uns ein wenig stabilisieren können. Man hat gesehen, dass wir gerade da auch viel Arbeit vor uns haben. Wenn ich mal eins sagen darf: Riesengroßes Lob ans Publikum, ich glaube, sie haben gemerkt, dass da eine Mannschaft auf dem Platz war, die alles versucht hat. Sie haben uns großartig unterstützt."
Joshua Kimmich (Deutschland): “Die ersten 30 Minuten waren ganz schlimm. Die ersten 15 Minuten waren wir überhaupt nicht auf dem Platz, da waren wir fehleranfällig und überhaupt nicht hungrig. Nach einer halben Stunde haben wir uns stabilisiert, hatten jetzt nicht die ganz großen Torchancen. Trotzdem war die zweite Halbzeit so, wie wir uns das vorstellen. Die Fehler müssen auf jeden Fall aufhören. Das war nix, das muss man ganz klar so sagen, speziell am Anfang."
Zu Thomas Tuchel: "Jetzt gerade denke ich nicht so sehr auf München, jetzt habe ich noch das Spiel im Kopf. Ab morgen freuen wir uns dann auf München."
Niklas Füllkrug (Deutschland): "Ich finde, wir haben trotzdem ein gutes Gesicht gezeigt insgesamt. Wir haben hintenraus nochmal Moral bewiesen und sind nochmal dran gekommen. Wir kriegen die ersten zwei Tore einfach viel zu leicht und viel zu schnell. Wir haben in dien zwei Situationen, wo das Tor fällt einfach die beiden entscheidenden Zweikämpfe verloren. Wenn wir pressen, müssen wir halt die wichtigen Zweikämpfe gewinnen. Ich freue mich über das Tor, aber in der zweiten Halbzeit hätte ich gerne noch mehr Situationen gemacht."
Domenico Tedesco (Trainer Belgien): "Wir wollten Deutschland auf jeden Fall challengen heute, von Beginn an viel Ballbesitz kreieren und zum Tor ziehen. Ich weiß nicht, ob es 4:0 stehen kann, aber 3:0 auf jeden Fall."
Kevin de Bruyne (Belgien): "Es war ein gutes Spiel von uns. Die erste halbe Stunde war sehr gut von uns, danach war Deutschland besser im Spiel. Aber mit einer neuen Mannschaft und neuen Spielern haben wir gut gespielt. Wir waren nur acht Tage zusammen und haben zwei gute Spiele gemacht. Das ist positiv."

Der Tweet zum Spiel:

Das Reizthema Verteidigung bleibt bestehen.

Das fiel auf: Can wird zum Stabilisator

Die Idee von Hansi Flick war klar: Mit dem bayerischen Mittelfeld-Duo Joshua Kimmich und Leon Goretzka setzte der Bundestrainer auf Erfahrung im Zentrum. „Die beiden spielen das so schon seit Jahren“, sagte Flick im Vorfeld der Partie, zudem sollte Goretzka die Chance zu seinem 50. Länderspiel erhalten. In der ersten halben Stunde gegen Belgien waren die beiden Mittelfeldakteure allerdings schlichtweg überfordert. Während Kevin de Bruyne nach Belieben schalten und walten durfte, gewann die deutsche Schaltzentrale kaum einen Zweikampf, geschweige denn konnte sie Akzente nach vorne setzen. Youngster Florian Wirtz blieb völlig unauffällig.
Nach einer guten halben Stunde kam dann Emre Can für den angeschlagenen Goretzka, Felix Nmecha ersetzte Wirtz. Und schon änderte sich die Statik im deutschen Spiel, beide Einwechselspieler avancierten im zweiten Durchgang sogar zu den besten Zweikämpfern auf dem Platz. Die Wende konnten zwar auch sie nicht ganz bringen, dennoch wirkte die DFB-Elf vor allem durch die Hereinnahme von Can plötzlich viel stabiler, aggressiver und kompakter.

Die Statistik: 68

Zum ersten Mal seit 68 Jahren gewinnt Belgien ein Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft.
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DFB-Team glücklich über gelungenen Auftakt: "Hat Spaß gemacht"

Quelle: SID

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