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Jürgen Klinsmann wird fünfter Ehrenspielführer des DFB
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Publiziert 03/11/2016 um 12:03 GMT+1 Uhr
Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird zum fünften Ehrenspielführer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ernannt. Die Laudatio beim Festakt zum Auftakt des DFB-Bundestages am Donnerstagnachmittag in Erfurt hält Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das erfuhr der SID aus DFB-nahen Quellen. Vor Klinsmann waren Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus geehrt worden.
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In der thüringischen Landeshauptstadt war der inzwischen in den USA lebende Klinsmann wieder "zu Gast bei Freunden" - damals das Motto der WM 2006 im eigenen Land, als der 108-malige Nationalspieler (47 Tore) in seiner Rolle als Bundestrainer zu einem der Protagonisten des Sommermärchens aufstieg.
Nach der katastrophalen EM-Endrunde 2004 war der frühere Weltklassestürmer angetreten, um den deutschen Fußball wieder auf die Beine zu helfen. Klinsmann kam als Revolutionär. Der damalige Trainer-Novize begann bei den Grundlagen, er importierte Trainingsmethoden aus den USA, die danach Maßstäbe setzten. Er widersetzte sich dem Gegenwind der Alteingesessenen.
Trainer des Sommermärchens
Und der Erfolg gab ihm recht. Deutschland spielte plötzlich frischen Fußball, Klinsmann war der Motivator ("Capitano!"), der heutige Bundestrainer Joachim Löw der Taktiker im Hintergrund. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien (0:2 n.V.) in Dortmund flossen Tränen, fünf Tage später während der Fanfeier vor dem Brandenburger Tor in Berlin sagten über 150.000 Menschen "Danke". Danach trat Klinsmann zurück.
Als "Klinsi" zwei Jahre später auch den großen FC Bayern modernisieren sollte, stieß der Coach jedoch an seine Grenzen. Trotz oder gerade auch wegen kurioser Neuerungen wie zahlreichen Buddha-Figuren scheiterte die Mission spektakulär. Klinsmann wurde entlassen - und die Kritiker, die ihm immer die taktischen Fähigkeiten abgesprochen hatten, sahen sich doch noch bestätigt.
In Übersee widerlegte er aber alle Kritik nachhaltig. Klinsmann übertreibt nicht, wenn er vom Wachstum schwärmt. Mehr Fans als jemals zuvor verfolgten in den USA die WM 2014 am Fernseher. Und mittlerweile traut sich der Schwabe sogar, den Amerikanern etwas mehr als nur Demut gegenüber den großen Fußballnationen zu vermitteln - auch wenn bei der WM-Endrunde in Brasilien das Aus im Achtelfinale gegen Belgien kam.
Es gebe durchaus ein neues Ziel mit Blick auf die WM 2018 in Russland, sagte Klinsmann zuletzt. "Ganz klar zu sagen: Unser Ansporn ist ein WM-Halbfinale. Das wird uns viel Schweiß kosten, es wird jede Menge Arbeit", äußerte der gebürtige Göppinger, der das US-Team seit 2011 betreut.
WM- und EM-Titel als Höhepunkt
Vor seiner Trainerlaufbahn begeisterte der Blondschopf die Fans in ganz Europa auf dem Rasen. Der Torjäger startete seine Karriere bei den Stuttgarter Kickers (1981 bis 1984), wechselt dann zum Stadtrivalen VfB (1984 bis 1989). Anschließend folgte der große Karrieresprung, der ihn zu Inter Mailand in die italienische Serie A führte (1989 bis 1992). Danach spielte Klinsmann noch für den AS Monaco, Tottenham Hotspur, Bayern München und Sampdoria Genua.
Dabei sammelte der Bäcker-Sohn mit seinen Klubs allerdings nicht allzu viele Titel (UEFA-Cup-Sieger und deutscher Meister) - sondern eher Spitznamen. Bei Tottenham wurde er wegen seiner angeblichen Fallsucht im Straftraum zum "Diver", bei den Bayern wegen seiner technischen Schwächen zum "Flipper". Dennoch gewann Klinsmann in Deutschlands und England die Wahl zum Fußballer des Jahres. 1988 wurde Klinsmann Bundesliga-Torschützenkönig, im selben Jahr holte er mit dem deutschen Olympia-Team Bronze in Südkorea.
Die Höhepunkte seiner Karriere waren der WM-Sieg 1990 in Rom und der EM-Triumph 1996 im Londoner Wembleystadion - damals als Kapitän. Zwei Jahre später beendete Klinsmann seine aktive Laufbahn in der Nationalmannschaft.
Stimmen zur Ernennung von Klinsmann:
Gianni Infantino (FIFA-Präsident): "Er war ein Riesenspieler, eine Legende des Fußballs. Er hat für den deutschen und den internationalen Fußball sehr viel getan. Es ist sicher eine riesige Ehre für ihn - die aber absolut verdient ist."
Christian Seifert (DFL-Boss): "Er hat die Auszeichnung extrem verdient. Seine Verdienste werden unterschätzt. Es brauchte so einen revolutionären Geist wie ihn. Ich glaube, dass der deutsche Fußball anders aussehen würde, wenn es ihn nicht gegeben hätte."
Reinhard Rauball (DFL-Präsident): "Er verdient diese Auszeichnung nicht in erster Linie für das, was er als US-Nationaltrainer leistet, sondern für all das, was er für den deutschen Fußball geleistet hat. Das ist aller Ehren wert und rechtfertigt die Auszeichnung."
Oliver Bierhoff (Teammanager der Nationalmannschaft): "Wenn man überlegt, was er für den DFB und den deutschen Fußball geleistet hat, ist die Auszeichnung logisch. Wir haben ihm vieles zu verdanken beim DFB. Dazu war er ein großer Spieler."
Stefan Kuntz (U21-Trainer): "Ich erinnere mich in erster Linie an seine Führung der Mannschaft 1996 mit Matthias Sammer. Er hat es verdient, man kann nur gratulieren."
Heribert Bruchhagen (Ex-Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt): "Er hat große Veränderungen beim DFB vorgenommen. Er hat Großes geleistet und einen Umschwung eingeleitet. Von daher ist die Auszeichnung angebracht."
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