Real Madrid: Diese vier Baustellen muss der neue Trainer in den Griff bekommen
Wo soll Santiago Solari nur anfangen? Der Interimstrainer von Real Madrid muss gleich eine ganze Reihe an Baustellen beim taumelnden Rekordmeister in den Griff bekommen. Eine knifflige Aufgabe, denn selbst langjährige Leistungsträger wie Sergio Ramos, Toni Kroos oder Luka Modrić hängen durch. Und dann gibt es da ein Problem, das man nicht erwarten würde bei Profis, die das Real-Trikot tragen.
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"Es geht nicht nur um die Einstellung oder die Taktik, es geht um alles. Dieses 1:5 bringt unsere bisherige Saison auf den Punkt. Es ist ein Desaster, wir alle spielen schlecht." Härter als Casemiro ist in den vergangenen Jahren kein Real-Profi mit den "Königlichen" ins Gericht gegangen.
Die Fakten geben dem Mittelfeldspieler recht. Vier der vergangenen fünf Ligaspiele gingen verloren, darunter die Partien gegen Klubs wie Deportivo Alavés oder UD Levante. Die beiden vermeintlichen Leichtgewichte stehen in der Tabelle längst vor Real, das auf Platz neun vor sich hindümpelt und dringend aus dem Tiefschlaf gerissen werden muss.
Die Gründe für das von Casemiro ausgemachte Desaster und die schwachen Leistungen des Star-Ensembles sind vielschichtig, der neue Trainer muss vor allem eine Lösung für diese vier Probleme finden:
1.) Ronaldos Lücke nicht zu stopfen
Wenn der mit Abstand beste Goalgetter der Vereinsgeschichte geht, hat jeder Klub ein Problem. 450 Tore und 131 Assists in 438 Pflichtspielen - das ist das Vermächtnis, das Cristiano Ronaldo hinterlassen hat. Selbst bei Real Madrid erwartet niemand ernsthaft, dass sich unmittelbar nach dem Wechsel des Portugiesen zu Juventus Turin ein neuer Königlicher findet, der diese Quote bringt.
An der Klasse von Gareth Bale und Karim Benzema gibt es zwar keinen Zweifel, ersetzen können sie Ronaldo trotzdem nicht. Den hochtalentierten Jungstars Marco Asensio (22) und Lucas Vázquez (18) diese Bürde aufzuerlegen, käme zu früh.
Der Verein hat sich indes bewusst dafür entschieden, es drauf ankommen zu lassen, die Ronaldo-Rolle nicht mit einem Toptransfer im Sommer neu zu besetzen. Stattdessen holte der spanische Rekordmeister mit dem 18-jährigen Vinícius Júnior, der von Flamengo kam, sowie Mariano Díaz (25) von Olympique Lyon zwei Offensivkräfte, die erst noch reifen müssen beziehungsweise als Ergänzungsspieler fungieren.
Die Folge: Die Durchschlagskraft fehlt. Mit 14 Ligatoren traf Real nur halb so oft wie Erzrivale FC Barcelona, in den Duellen mit Topklubs wie dem FC Sevilla (0:3), Atlético Madrid (0:0) oder im Clásico (1:5) gelang dem amtierenden Champions-League-Sieger nur ein Treffer - und den erzielte mit Marcelo ein Verteidiger.
2.) Schaffenskrise bei Modrić und Kroos
Um Luka Modrić und Toni Kroos wird Madrid von ganz Europa beneidet. Das Duo bestimmte in den vergangenen Jahren mit Spielintelligenz, taktischem Geschick, Kreativität und entscheidenden Pässen den Rhythmus bei Real - was in drei Champions-League-Titeln in Serie gipfelte. Nur: Davon ist wenig übrig geblieben. Nach zehn Spieltagen in der Primera División bringen es Modrić und Kroos zusammen auf einen einzigen Assist. Auch für den kroatischen Vizeweltmeister und den deutschen Weltmeister von 2014 macht sich das Fehlen von Ronaldo bemerkbar, denn das System war auf den alles überragenden Zielspieler im Angriff ausgerichtet.
Kroos erinnerte ob der schwachen Ergebnisse unlängst daran, dass man "solche Momente auch in den vergangenen drei Jahren" habe wegstecken müssen. Es sei nicht so, dass man "durchgehend alles gewonnen" habe.
Mit der Einschätzung hat Kroos zweifelsfrei recht. Der 28-Jährige hat allerdings auch erkannt, dass er und seine Kollegen derzeit "den besser postierten Mitspieler manchmal nicht sehen". Sollte es gelingen, diese Schwäche abzustellen, wäre schon viel gewonnen.
3.) Der Wille
Das Trikot von Real Madrid zu tragen, ist eine Ehre. Einzig, die Spieler strahlen das im Moment nicht aus - und wissen das auch. "Für diesen Klub musst du einfach mehr rennen und mehr kämpfen", legte Casemiro nach dem Debakel im Clásico den Finger in die Wunde. Man könne auch nicht den Trainer dafür verantwortlich machen, "denn wir tragen das Trikot auf dem Platz". Kapitän Sergio Ramos erklärte:
Dass es besser geht, hat die Mannschaft ja schon zu Saisonbeginn bewiesen, als man aus fünf Spielen vier Siege und ein Remis holte und punktgleich mit Barcelona auf Rang zwei der Primera División stand. Daran will Ramos anknüpfen. "Wachsen und uns verbessern, diese Mentalität brauchen wir jetzt. Ich bin überzeugt davon, dass von uns noch eine Menge kommen wird."
4.) Die Abwehr hält nicht dicht
Die Defensive ist generell nicht das Prunkstück bei Real. Schon in den vergangenen beiden Jahren, darunter die Meister-Saison 2017/2017, kassierten die Hauptstädter in der Meisterschaft deutlich mehr Gegentreffer als die schärften Konkurrenten vom FC Barcelona und Atlético Madrid. In der laufenden Saison hat sich das Problem verschärft. Aus den aktuellen Top 10 der Liga hat nur UD Levante mehr Tore kassiert als die "Königlichen", die deren 14 hinnehmen mussten.
Abwehr-Chef und "Aggressive Leader" Ramos etwa leistet sich ungewohnte Fehler, Innenverteidiger Raphaël Varane ist ebenfalls auf der Suche nach seiner Form. Trainer Julen Lopetegui versuchte die Gefahr mit hohem Pressing zwar im Keim zu ersticken, das ging allerdings häufig auf Kosten einer extremen Anfälligkeit bei Kontern.
Immerhin geht Kapitän Ramos voran und macht seinem Team Mut: "Ich habe aus einer solchen Situation schon Meisterschaften gewonnen. Wir müssen den Kopf hochnehmen und uns klar machen, dass der Schlüssel zum Erfolg Arbeit heißt."
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