FC Barcelona seit dem feststehenden Abschied von Trainer Xavi ungeschlagen: Barça macht's wie Bayern

Seit der Ankündigung von Trainer Xavi, den FC Barcelona am Saisonende zu verlassen, sind die Katalanen in zehn Partien ungeschlagen und spielen phasenweise sogar wieder den legendären Barça-Fußball. Xavi hat es geschafft, einer verunsicherten Mannschaft in kurzer Zeit ein Gesicht zu geben und sie für die Zukunft gut aufzustellen. Das Risiko, das der Coach eingegangen ist, zahlt sich aus.

Barça-Coach Xavi: Supertalent Cubarsí "wird jeden Tag besser"

Quelle: Perform

Ende Januar war der FC Barcelona am Tiefpunkt angelangt. Das Liga-Heimspiel gegen den FC Villarreal ging 3:5 verloren mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit. Barças Abwehrspieler überboten sich dabei gegenseitig mit Slapstick-Aktionen.
Nach dem Spiel folgte der Paukenschlag: Trainer Xavi erklärte seinen Rücktritt zum Saisonende und begründete dies neben der persönlichen mentalen Belastung mit seiner Hoffnung auf eine schnelle sportliche Wende.
Xavi hat ganz offensichtlich den richtigen Impuls gegeben. Seit seinem angekündigten Abschied blieb Barcelona in zehn Spielen ungeschlagen (sieben Siege, drei Unentschieden), qualifizierte sich für das Champions-League-Viertelfinale und kletterte auf Tabellenplatz zwei in der Liga.
Am Sonntagabend stürmte Barça das Wanda Metropolitano und gewann bei Atlético Madrid 3:0 (1:0) dank einer sehr reifen Leistung und gnadenloser Effizienz: Fünf Mal schossen die Katalanen aufs Tor, dreimal war der Ball im Netz.

Xavi jubelt: "Das kompletteste Spiel unserer Saison"

"Es war mit Sicherheit das kompletteste Spiel unserer Saison. Wir haben ein gutes Spielverständnis gezeigt und waren im Positionsspiel perfekt", analysierte Xavi, der in der 42. Minute vom Schiedsrichter auf die Tribüne verwiesen wurde - zu seinem Unverständnis.
"Der Vierte Offizielle sagte mir, dass man mich wegen Gesten vom Platz stellt. Ich habe absolut nichts gesagt. Ich versuche, respektvoll aufzutreten und gestikuliere, weil ich leidenschaftlich bin und will, dass meine Mannschaft gewinnt. Für mich ist der Platzverweis unnötig und unfair, aber ich muss das akzeptieren", sagte er.
Seine Leidenschaft an der Seitenlinie überträgt Xavi seit einigen Wochen auf seine Mannschaft. Barcelona kommt immer besser ins Rollen und zeigte zuletzt sogar wieder - zumindest phasenweise - den lange vermissten Barça-Fußball: Ballkontrolle, Dominanz, Tempo und Überraschungsmomente. Ein Hauch von Tiki-Taka.

Spieler gegen für Xavi durchs Feuer

Die Spieler gehen für ihren scheidenden Trainer durchs Feuer. "Wir haben gegen Neapel (3:1 im CL-Achtelfinal-Rückspiel, d. Red.) und Atlético zwei super Spiele in einer sehr wichtigen Woche für den ganzen Verein gemacht. Ich freue mich für den Trainer, der sehr gelitten hat", sagte Sergi Roberto.
Der Glaube, Großes zu erreichen, ist zurückgekehrt nach Barcelona. Real Madrid die spanische Meisterschaft noch abspenstig zu machen, ist angesichts acht Punkten Rückstand ein äußerst schwieriges Unterfangen. Doch aus der Mannschaft sind selbstbewusste Töne zu hören.
"Wir sind in Topform, haben viel Selbstvertrauen und spielen noch gegen Real. Wir werden versuchen, Punkte gutzumachen und bis zum Schluss um unsere Chance kämpfen", kündigte Fermín López an.
Ein europäischer Top-Klub, der lange in dieser Saison unterperformt hat, wirkt nach dem feststehenden Ende des Trainers wie befreit. Was der FC Bayern in Deutschland ist, ist der FC Barcelona in Spanien. Die Parallelen sind verblüffend. Wie die Münchner hat auch Barça den Turnaround geschafft seit der Gewissheit, im Sommer einen neuen Trainer zu bekommen.

Xavi gibt der Jugend eine Chance

Darüber hinaus bastelt Xavi erfolgreich an seinem Vermächtnis und stellt Verein für die sportliche Zukunft gut auf. Der Trainer geht dabei ein hohes Risiko ein, das sich mehr und mehr auszahlt. Xavi setzt verstärkt auf blutjunge Spieler aus der Talentschmiede La Masia. Innenverteidiger Pau Cubarsí (17) und Flügelstürmer Lamine Yamal (16) gehören mittlerweile zum Stammpersonal.
Gegen Atlético verteidigte links der 17-jährige Héctor Fort, während Marc Casadó (20) in den letzten acht Minuten sein Ligadebüt gab. Mit Vitor Roque (18) stand am Ende des Spiels ein weiteres Juwel auf dem Platz.
"Barça präsentiert sich im Madrid jung und jung geblieben. Atlético bekam einen Vorgeschmack der Leistungen der Akademie-Spieler", schrieb die Zeitung "El Mundo Deportivo".

Robert Lewandowski dreht wieder auf

Doch nicht nur die Jugend spielt die Sterne vom Himmel. Auch Superstars wie Robert Lewandowski drehen plötzlich wieder auf. In den letzten neun Pflichtspielen erzielte der Pole sieben Tore, für seine Vorstellung in Madrid bekam er in der spanischen Presse reichlich Blumen. "Lewy war noch nie so gut, seit er das Barça-Trikot trägt", urteilte die Zeitung "Sport".
Aus einer stark verunsicherten Mannschaft hat sich innerhalb von zwei Monaten eine titelfähige Truppe entpuppt. Die Meisterschaft mag derzeit (noch) außer Reichweite liegen, in der Champions League aber ist eine Finalteilnahme keinesfalls abwegig. Barcelona hat den etwas leichteren Pfad erwischt. Im Viertelfinale wartet Paris Saint-Germain, in einem möglichen Halbfinale Borussia Dortmund oder Atlético Madrid.
Mit dem FC Barcelona ist wieder zu rechnen. Xavi hat mit seiner selbstlosen Entscheidung, seine große Liebe am Saisonende zu verlassen, den richtigen Knopf gedrückt.
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Quelle: Perform

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