Real Madrid jagt mit José Mourinho alten Zeiten hinterher - Verpflichtung von Startrainer eine Wette mit Potenzial
Update 10/06/2026 um 18:26 GMT+2 Uhr
Seit Dienstagabend ist es Gewissheit: Für eine Summe von 15 Millionen Euro eist Real Madrid Trainer José Mourinho von SL Benfica los und holt den Portugiesen 13 Jahre nach dessen Rauswurf in die spanische Hauptstadt zurück. Vereinspräsident Florentino Pérez sieht im 63-Jährigen den richtigen Mann für die madrilenische Mammutaufgabe - die Entscheidung wird aber mit gemischten Gefühlen wahrgenommen.
José Mourinho während seiner ersten Zeit bei Real Madrid
Fotocredit: Getty Images
Als Ende April die ersten Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von José Mourinho aufkamen, wirkte es wie ein verzweifelter Versuch sich in die Geschichte zu retten. Zu jenem Zeitpunkt lagen hinter Real Madrid turbulente Monate.
Xabi Alonso Mitte Januar vor die Tür gesetzt, die Amtszeit seines Nachfolgers Álvaro Arbeloa verlief nicht weniger chaotisch: Allein der Zoff zwischen Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni, der in einem Krankenhausaufenthalt gipfelte, sorgte weltweit für Schlagzeilen und unterstrich, dass in Madrid der Haussegen mindestens im 90-Grad-Winkel hängt.
Mit anderen Worten: Die weiße Diva namens Real Madrid ist zurzeit die Mammutaufgabe schlechthin im Weltfußball.
Ausgerechnet eine solche Ausgangslage stellt seit jeher aber die ideale Spielwiese für Mourinho dar.
Mourinho und Real Madrid jagen der Geschichte hinterher
Die nostalgische Anziehungskraft der Vergangenheit wiegt bei der Bewertung der Rückkehr von Mourinho am schwersten.
"Zwar reichen seine sportlichen Erfolge in den vergangenen Jahren nicht an jene seiner ersten Amtszeit heran, doch möglicherweise geht es dem Verein darum, den Glanz der Jahre 2010 bis 2013 wieder aufleben zu lassen", ordnete Jorge Ordás von Eurosport España ein.
Damit bezieht er sich aber nicht unbedingt auf die damaligen Titel unter Mourinho. Zwar schlug Real unter seiner Führung den wohl besten FC Barcelona aller Zeiten und krönte sich 2011/12 mit sagenhaften 100 Punkten zum Meister, als viel wichtiger wird aber ein anderer Aspekt wahrgenommen.
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José Mourinho soll bei Real Madrid für Ruhe sorgen
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"Auch wenn Mourinho damals die begehrte Champions League nicht gewinnen konnte, legte er die Grundlagen für die späteren Erfolge unter Carlo Ancelotti und Zinédine Zidane", so Ordás.
"Nach einer turbulenten Saison mit Trainerwechsel, enttäuschenden Ergebnissen und schwieriger Kabinenführung - Streitigkeiten zwischen Stars, interne Konflikte und Diskussionen - sucht Real Madrid nach einer 'starken Hand', die die Mannschaft wieder auf Kurs bringt", fügte Ordás an.
"Wir gegen die Welt": Das gefürchtete Mantra von Mourinho
Die Ausgangslage ist eindeutig: Bevor die Königlichen an Philosophien und Taktiken kann, muss Ruhe einkehren. Die Wiederbelebung des Galacticós-Mythos ist gescheitert, ein zusammengewürfelter Haufen an Starspielern allein reicht im europäischen Spitzenfußball nicht mehr für den Thron.
"Die stärksten Mannschaften Europas in der vergangenen Saison - Paris Saint-Germain, Arsenal und Bayern München – zeichneten sich vor allem durch ihren ausgeprägten Teamgeist aus, eine Eigenschaft, die Real Madrid offensichtlich gefehlt hat", analysierte Ben Snowball von TNT Sports. "Genau hier könnte José Mourinho den Unterschied ausmachen."
Die Brillanz von Mourinho entfaltete sich vor allem dann am stärksten, "wenn es ihm gelang eine 'Wir gegen die Welt'-Mentalität zu schaffen", so Snowball weiter.
Diese Aussicht leitet aber zum wohl größten Kritikpunkt über. Eine solche Entwicklung benötigt Zeit, Mourinho wird sich bei einigen Starspielern - und womöglich auch bei manchen Fans - unbeliebt machen. Es stellt sich die Frage: Wird Pérez seinem alten Wegbegleiter auch in schwierigen und erfolglosen Zeiten die Stange halten?
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José Mourinho ist ein Meister darin, eine eingeschworene Truppe zu bilden
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Real Madrid wird unter Mourinho nicht glänzen
Denn so viel ist klar: Unter Mourinho wird Real Madrid nicht die Sterne vom Himmel spielen.
Elf Jahre sind seit der letzten Meisterschaft vergangen, welche Mourinho in seiner Karriere gefeiert hat. Nach seinem Bruch mit dem FC Chelsea im Dezember 2015 folgten teils kurze Gastspiele bei Manchester United, Tottenham Hotspur, Roma, Fenerbahce und zuletzt Benfica. Ansehnlicher Fußball war dabei eine Fehlanzeige.
"Ziemlich sicher wird man unter Mourinho nicht den schönsten Fußball der Welt sehen", meinte Simone Pace von Eurosport Italia und hatte einen Verweis auf einen prominenten sowie erfolgreichen Vorgänger sowie Nachfolger des Portugiesen parat: "Auch die Rückkehr von Ancelotti im Jahr 2021 wurde von einer gewissen Skepsis begleitet - und jeder weiß, wie erfolgreich diese Entscheidung letztlich war."
Mourinho als Wegbereiter für die nächste Ära?
Was die internationalen Eindrücke gemeinsam haben: Mourinho soll der Mann für die Drecksarbeit sein, den "Tatort Bernabéu" reinigen und für glorreichere Zeiten herausputzen - die er im Zweifelsfall nicht mehr selbst erlebt.
"Sollte Mourinho Disziplin und Zusammenhalt wiederherstellen, könnte am Ende sein Nachfolger die größten Früchte ernten", führte Snowball aus. Der Erbe des Startrainers würde "eine Mannschaft übernehmen, die deutlich mehr dazu bereit ist, füreinander zu kämpfen, als jene, die er selbst vorfindet."
Mutmacher: In Portugal führte Mourinho Benfica ungeschlagen durch die Liga-Saison, am Ende reichte es mit acht Punkten Rückstand auf Meister Porto zum dritten Platz. Die Gründe für sein Engagement bei Real basieren also nicht nur auf längst vergangenen Errungenschaften.
Eine Gefahr birgt die Zusammenarbeit aber dennoch. "Die Geschichte zeigt, dass seine Methoden mit an Wirkung verlieren", mahnte Snowball.
Ein Kuschelkurs ist bei den Königlichen nach der zurückliegenden Saison noch lange nicht absehbar. Eines steht aber fest: Pérez will eine aus der Kontrolle geratene Mannschaft auf links ziehen und hat dafür den Dresseur schlechthin engagiert.
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Quelle: Perform
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