Getty Images

5:5 - dann Elfer-Krimi! Liverpool gewinnt verrücktes Spiel gegen Arsenal

5:5 - dann Elfer-Krimi! Liverpool gewinnt verrücktes Spiel gegen Arsenal

30/10/2019 um 22:34Aktualisiert 31/10/2019 um 00:02

Der FC Liverpool hat ein verrücktes Achtelfinale im League Cup gegen den FC Arsenal mit 5:5, 5:4 i.E. (2:3) gewonnen. Liverpool lag bereits mit 1:3, 2:4 und 4:5 zurück. Divock Origi beschwor jedoch mit seinem 5:5 (90.+4) das direkt nach der regulären Spielzeit folgende Elfmeterschießen herauf. Dort scheiterte Daniel Ceballos an Caoimhin Kelleher - Liverpool steht damit im Viertelfinale.

So lief das Spiel:

Die zuständigen Cheftrainer, Jürgen Klopp und Unai Emery, schonten einige Leistungsträger. Den vielen Akteuren, die sonst nur selten oder teils auch noch gar nicht zum Zug kamen, war anzumerken, dass sie sich für weitere Startelfnominierungen empfehlen wollten. Liverpool war in den Anfangsminuten spielbestimmend und tauchte vor allem durch gute Läufe in die Tiefe in der Gefahrenzone auf.

Die Hausherren gingen in der sechsten Minute verdient mit 1:0 in Führung. Alex Oxlade-Chamberlain wurde mit einem langen Schlag von Neco Williams aus der eigenen Hälfte rechts außen in Szene gesetzt. Dort hatte der englische Nationalspieler viel Freiraum und gab flach auf den kurzen Pfosten. Shkodran Mustafi versuchte zu klären, lenkte den Ball jedoch mit dem Knie ins eigene Tor.

In der 19. Minute kassierte der LFC etwas überraschend den Ausgleich. Mesut Özil, der wochenlang nicht für den Kader nominiert wurde und in dieser Saison lediglich zweimal in einem Pflichtspiel auflief, hatte in der rechten Strafraumhälfte eine tolle Übersicht für den Nebenmann. Er passte an den Elferpunkt, wo Bukayo Saka flach aufs Tor schoss. Schlussmann Caoimhin Kelleher ließ abprallen, Lucas Torreira brachte den Nachschuss aus geringer Entfernung zum 1:1 im Kasten unter. Der Treffer hätte allerdings aufgrund einer Abseitsstellung Torreiras nicht zählen dürfen.

Das Klopp-Team wirkte danach leicht verunsichert. Es fehlte ihm nun an Kreativität, um sich in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Arsenal spielte geradlinig nach vorne und überzeugte mit einer guten Chancenverwertung.

Die Gunners drehten das Spiel und erhöhten anschließend nicht unverdient auf 3:1. Ainsley Maitland-Niles setzte sich in der 26. Minute auf dem rechten Flügel ohne großen Aufwand gegen Divock Origi durch und gab flach an den Fünferrand. Kelleher parierte aus kurzer Distanz Sepp van den Bergs Schuss, war im zweiten Versuch allerdings geschlagen. Der Torwart ließ abprallen, Gabriel Martinelli staubte zum 2:1 ab.

Zehn Minuten später fing Özil einen Pass von Harvey Elliot ab und schaltete schnell um, indem er Saka bediente. Der 18-jährige Linksaußen gab von seiner Seite flach in den Strafraum, wo Martinelli rechts oben zum 3:1 vollstreckte.

Kurz vor der Pause schaffte es Liverpool, auf 2:3 zu verkürzen. Martinelli brachte Elliott in der linken Sechzehnerhälfte zu Fall, weswegen Schiedsrichter Andre Marriner zu Recht auf den Punkt zeigte. James Milner trat zum Strafstoß an. Leno-Ersatz Emiliano Martínez sprang ins rechte Eck, doch der LFC-Kapitän schob links unten zum 2:3 ein (43.).

Wer dachte, die erste Halbzeit wäre nicht zu toppen, der täuschte sich: Beide Mannschaften brannten nach dem Seitenwechsel ein Offensivfeuerwerk ab. In Ballbesitz gab es stets nur eine Richtung - die nach vorne. Von Abtasten keine Spur. Der FC Liverpool hatte - wie bereits in der ersten Halbzeit - mehr Ballaktionen, welche er auch in Torchancen ummünzte. Zunächst musste er allerdings einen erneuten Rückschlag einstecken.

In der 54. Minute verhungerte ein Rückpass von Milner. Maitland-Niles spitzelte den Ball am herauslaufenden Kelleher vorbei. Er rollte in die linke Fünferhälfte, wo Özil ihn weltklasse mit der Innenseite durch seine eigenen Beine nach innen schob. Dort traf Maitland-Niles zum 4:2 ins leere Tor.

Es dauerte lediglich vier Minuten, ehe das nächste Tor fiel - und was für eins. Maitland-Niles passte in der eigenen Hälfte nach vorne, doch Oxlade-Chamberlain fing den Ball ab und hämmerte ihn aus etwa 25 Metern rechts oben zum 3:4 in den Knick.

Wieder nur vier Minuten später glich der Gastgeber aus. Curtis Jones bediente Origi im Strafraumzentrum. Mustafi bekam keinen Zugriff, sodass Origi wuchtig aufs Tor schoss. Martínez kam zwar dran, konnte den Einschlag zum 4:4 aber nicht verhindern.

Zu Beginn der Schlussphase sorgte ein Strahl für die erneute Londoner Führung. Mattéo Guendouzi marschierte durchs Mittelfeld und bediente Jospeh Willock. Dieser wurde in zentraler Position nicht gestört und knallte aus der Distanz zum 5:4 ins linke obere Eck (70.).

Liverpool warf in den letzten Minuten alles nach vorne und stellte in der Nachspielzeit auf 5:5. Williams tankte sich rechts bis zur Grundlinie durch und flankte halbhoch an den Elfmeterpunkt. Dort befand sich Origi in einer Rückwärtsbewegung, nahm den Ball an und netzte per Seitfallzieher sehenswert ein.

Der amtierende Champions-League-Sieger hatte ein Chancenplus, die Hauptstädter waren hingegen effektiver. Es ging leistungsgerecht ins Elfmeterschießen. Dort vergab Dani Ceballos als einziger Schütze, sodass sich die Reds mit 5:4 im Elfmeterschießen durchsetzten.

Die Stimmen:

Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Ich war absolut überzeugt, dass wir ihnen ein ordentliches Spiel bieten können. Ich genoss jede Sekunde des Spiels. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt bei einem Fußballspiel so viel Spaß hatte. Ich freue mich so sehr für die Jungs, die sich für den Rest ihres Lebens an diese Nacht erinnern werden."

Unai Emery (Trainer FC Arsenal): "Als Fan habe ich es genossen. Spiele wie heute Abend helfen den Fans, mit dieser Energie, dem Geist zweier Teams, glücklich zu sein."

Der Tweet zum Spiel:

Nach etwas mehr als vier Jahren kassierten die Gunners wieder ein Eigentor im League Cup. Zuvor passierte dies zuletzt Calum Chambers im Derby gegen Tottenham Hotspur (September 2015).

Das fiel auf: Mehr Rotation geht nicht

Beide Trainer tauschten ihre Startelf im Vergleich zur jeweilig jüngsten Partie ihrer Mannschaft komplett durch. 22 Neue standen auf dem Platz, viele Superstars fehlten - darunter unter anderem Liverpools Offensivtrio bestehend aus Roberto Firmino, Mohamed Salah und Sadio Mané. Alle drei wurden geschont und standen nicht im Kader. Auf der Seite des Premier-League-Spitzenreiters stand van den Berg erstmals in der Anfangsaufstellung, Williams feierte sein Debüt. Elliott (geboren am 04.04.2003) wurde zum jüngsten Spieler, der jemals in einem Heimspiel des FC Liverpool randurfte.

Die Statistik: 23 Jahre und 122 Tage

Liverpools Startaufstellung hatte ein Durchschnittsalter von 23 Jahren und 122 Tagen. Jünger starteten die Reds wettbewerbsübergreifend seit Januar 2017 nicht mehr. Damals lag der Altersschnitt im FA Cup gegen Plymouth bei 22 Jahren und 253 Tagen.

Video - Bayern angeblich an Zakaria interessiert

01:22