Im Finale des Ligapokals setzte Chelsea-Chefcoach Thomas Tuchel im Londoner Wembley-Stadion unter anderem auf die Dienste von Kai Havertz, in der Position des Mittelstürmers. Romelu Lukaku und Timo Werner blieb zunächst nur ein Platz auf der Bank.
Auf der Gegenseite ließ Jürgen Klopp Caoimhin Kelleher im Tor der Reds beginnen. Roberto Firmino stand nicht im Kader, Diogo Jota saß angeschlagen nur auf der Bank. Beim Aufwärmen verletzte sich zudem Thiago Alcántara, der Spanier wurde kurzfristig von Naby Keita ersetzt.
Das klangvolle Finalspiel brauchte keinerlei Anlaufzeit, beide Teams spielten ab der ersten Sekunde mit offenem Visier. In der sechsten Spielminute hätte der FC Chelsea bereits in Führung gehen können: Havertz bediente César Azpilicueta, der nochmal quer für Christian Pulisic legte - Kelleher verhinderte den Einschlag mit einem tollen Reflex.
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29/06/2022 AM 19:13
Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein teils wilder Schlagabtausch, mit vielen gefährlichen Konterszenen auf beiden Seiten. Chelsea-Keeper Edouard Mendy zeichnete sich mit einer Weltklasse-Parade gegen Mané aus (30.), ehe die Blues wieder das Kommando übernahmen.
In Minute 42 setzte Azpilicueta einen Schuss aus 18 Metern nur knapp über das Kreuzeck. Drei Minuten später konterten die Blues erneut und kombinierten sich über Pulisic und Havertz bis in den Strafraum der Liverpooler. Der eingelaufene Mason Mount setzte seinen Aufsetzer knapp am langen Eck vorbei (45.).
Nach dem Wiederanpfiff hatte Mount die nächste exzellente Möglichkeit, setzte den Ball frei stehend vor Kelleher aber nur den rechten Pfosten (49.). In der 57. Minute musste Chelsea-Kapitän Azpilicueta verletzt das Feld verlassen. Reece James ersetzte ihn und feierte damit sein Comeback nach Verletzungspause.
Nach rund 70 gespielten Minuten hatte Jürgen Klopp bereits den Jubelschrei auf den Lippen, als Joel Matip nach einer Hereingabe von Mané den Ball ins Tor köpfte. Die Freude währte jedoch nur kurz, Virgil van Dijk stand bei der Entstehung des Treffers knapp im Abseits und hatte zudem Trevoh Chalobah im Strafraum festgehalten (67.).
Knapp zehn Minuten später jubelten die Londoner, doch auch dieser Treffer wurde wieder einkassiert. Der eingewechselte Timo Werner hatte Havertz zentral im Strafraum angespielt, dieser bugsierte den Ball per Kopf ins Tor. Bereits in der Entstehung war Werner jedoch im Abseits gestanden (78.).
Vor dem Ablauf der regulären Spielzeit kamen beide Teams zu weiteren aussichtsreichen Gelegenheiten, doch sowohl Luis Díaz (85.), als auch van Dijk (90.+1) so wie der eingewechselte Romelu Lukaku (90.+5) scheiterten an den glänzend aufgelegten Schlussmännern Mendy und Kelleher. Es ging in die Verlängerung.
In der 98. Minute zappelte erneut ein Ball im Netz, nachdem Lukaku alleine vor Kelleher aufgetaucht war und eiskalt abgeschlossen hatte. Doch auch in dieser Situation wurde eine Abseitsposition festgestellt.
Zehn Minuten vor Ende der Verlängerung war es erneut Havertz, der jubelte, doch zum vierten Mal zählte das Tor nicht - abermals Abseits (110.). Kurz vor Ablauf der Verlängerung zog Tuchel von der Bank seine letzte Wechseloption und brachte Ersatztorwart Kepa Arrizabalaga für den bis dato tadellosen Mendy ins Spiel (119.).
So ging es nach spannenden, aber torlosen 120 Minuten ins Elfmeterschießen, dass es ebenso in sich hatte.
Vor der Liverpooler-Fankurve verwandelten die ersten 21 Schützen allesamt ihre Elfmeter, größtenteils sehr souverän. Auch Reds-Schlussmann Kelleher blieb als 21. Schütze vom Punkt cool und überwand Kepa im Tor der Blues. Dann musste Kepa selbst ran, setzte seinen Schuss aber deutlich über das Tor.
Liverpool durfte sich nach diesem Krimi zum neunten Mal als League-Cup-Sieger feiern lassen.
Das Spiel stand auch unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Chelseas russischer Mehrheitseigner Roman Abramowitsch hatte am Samstag die Verantwortung für den Klub der wohltätigen Chelsea-Stiftung übertragen. Offen blieb allerdings zunächst, ob Abramowitsch sich dauerhaft oder nur vorübergehend beim Champions-League-Sieger aus dem operativen Geschäft zurückzieht.

Die Stimmen zum Spiel:

Thomas Tuchel (Trainer FC Chelsea): "Ich treffe die Entscheidungen, wenn ich sie treffe, und ich kann sie danach nicht mehr rückgängig machen. Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn wir Edou (Edouard Mendy, Anm. d. Red.) auf dem Feld belassen hätten. Ich gebe Kepa (Arrizabalaga, Anm. d. Red.) heute keine Schuld. Er tut uns natürlich leid. Es war hart zu sehen, dass er derjenige sein musste, der den einzigen Elfmeter verschießt. Aber ihn trifft keine Schuld."
Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Caoimhin Kelleher ist ein junger Mann, der in allen Wettbewerben schon gespielt hat. Was mache ich heute also? Ich bin beides, ein Trainer, aber auch ein Mensch und heute hat der Mensch sich durchgesetzt. Er hat es absolut verdient. Ich freue mich einfach für die Leute, die unseren Erfolg heute feiern dürfen. Chelsea ist unglaublich stark, wir haben uns ein Duell auf Augenhöhe geliefert."
Caoimhin Kelleher (FC Liverpool): "Ich habe nicht mal daran gedacht, dass ich den entscheidenden Elfmeter geschossen habe. Ich habe einfach vergessen, dass mein Elfmeter uns den Sieg gebracht hat. Alle Elfmeter von den Jungs waren toll geschossen. Ich bin einfach glücklich, dass ich ebenfalls treffen konnte. Beim Schuss habe ich einfach nur gehofft, dass er reingeht. An vielen Schüssen war ich selbst dran, aber ehrlich gesagt waren alle Elfmeter heute sehr gut geschossen. Ich bin dankbar, dass wir gewonnen haben."
Virgil van Dijk (FC Liverpool): "Die Elfmeter waren insgesamt alle sehr gut geschossen heute - bis auf den letzten. Den Pfiff gegen mich bei unserem vermeintlichen Führungstor verstehe ich nicht. Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass ich in der Aktion selbst passiv bin. Der Ball fliegt über mich drüber und ich versuche noch nicht einmal zum Ball hinzugehen."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Ein 0:0 der unterhaltsamen Art

Es gibt torlose Unentschieden im Fußball, die kann man sich nicht anschauen. Es gibt keine Torchancen, keine gefährlichen Aktionen, das Tempo fehlt völlig. Doch im Ligacup-Finale kamen wirklich alle auf ihre Kosten. Dieses Spiel hatte alles, was die Fans am Fußballsport so lieben. Ein Torschussverhältnis von 11:20, hochkarätige Chancen auf beiden Seiten, ein "Expected-Goals"-Verhältnis von 1,72 zu 1,80. Verschnaufpausen? Fehlanzeige! Beide Keeper vereitelten mehrere glasklare Torchancen auf beiden Seiten. Thomas Tuchel und Jürgen Klopp lieferten sich von der Seitenlinie einen taktischen Schlagabtausch, über den man noch lange sprechen kann. Am Ende war Kepa der Pechvogel, an einem Abend, der eigentlich keine tragische Figur verdient hatte.

Die Statistik: 10

Der ELF-Pokal ist die zehnte Trophäe für Jürgen Klopp, in seiner erfolgreichen Karriere als Trainer. Fünf Trophäen sammelte er mit Borussia Dortmund, fünf sammelte er mit dem FC Liverpool - nach Champions League, UEFA-Supercup, FIFA-Klub-WM und der englischen Meisterschaft nun also auch den League Cup.
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