FC Barcelona - Real Madrid: Zinédine Zidane, der Pragmatiker - der Taktik-Check zum Clásico

Ohne die Superstars Toni Kroos und Gareth Bale geht Real Madrid als Tabellenführer in den Clásico gegen den FC Barcelona (Samstag, 16:15 Uhr im Liveticker). Durch den pragmatischen Ansatz von Trainer Zinédine Zidane fallen die Verletzungen aber nicht so sehr ins Gewicht. Eurosport.de analysiert, warum der schnörkellose Spielstil aktuell so gut zu den Königlichen passt.

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Zinédine Zidane. Mit diesem Namen verbinden Fußballfans auf der ganzen Welt Eleganz, Spielfreude und Kreativität. Diese Eigenschaften des ehemaligen Weltklassespielers treffen jedoch nicht auf die Mannschaft des Trainers Zidane zu - und trotzdem hat er Erfolg. Oder gerade deswegen?

Spielaufbau: Ohne Kroos nix los

Real Madrid geht als Tabellenführer und Favorit in den Clasico, in den vergangenen Jahren sah das oft anders aus. Doch während der FC Barcelona in dieser Saison regelmäßig Punkte bei den "Kleinen" lässt, zeichnen sich die Königlichen durch Effektivität und Konstanz aus.
Dabei konnten die Madrilenen bislang nur selten glänzen. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Toni Kroos und Luka Modric bislang nicht über einen längeren Zeitraum zusammenspielen konnten. Mal fehlte der eine, mal der andere - aktuell ist es der deutsche Nationalspieler, der sich nach einer Verletzung zurückkämpft.
In der vergangenen Saison waren Kroos und Modric Garanten für den Erfolg in der Champions League. Abgesichert von Casemiro bildeten sie im 4-3-3 der Madrilenen die wohl spielstärkste Doppelacht im Weltfußball. Seitdem jedoch immer wieder einer der beiden fehlt, leidet das Kombinationsspiel sichtlich.
Casemiro ist kein Aufbauspieler und Ideengeber, sondern ein körperlich starker Abräumer, zudem hatte auch er seine Verletzungsprobleme. So hing der Spielaufbau häufig an Kroos oder Modric alleine, was Real für die Gegner natürlich ausrechenbarer machte, als wenn beide zusammen agieren.

Lange Bälle erlaubt - und erwünscht!

Die Folge: Real spielt in dieser Saison sehr risikolos hinten raus. Unter Druck schlagen sie schnell lange Bälle, die man mit Kroos und Modric gleichzeitig auf dem Feld so nicht spielen würde. Dieser pragmatische Ansatz wird von Zidane offenbar klar gefordert, sonst hätten Kreativspieler wie James Rodríguez oder Isco deutlich mehr Spielanteile als Achter bekommen.
So aber steht das Mittelfeld bei Real kaum im Fokus. Im Gegenteil: Wichtig ist, dass der Ball möglichst schnell ins vorderste Drittel kommt, denn da wartet individuelle Klasse en masse. Zidane lässt stets viele Spieler auf der letzten Linie des Gegners agieren und provoziert so immer wieder direkte Duelle in Richtung Tor.

Führung erzwingen, zum Kantersieg kontern

Mitunter kommt Reals Spiel nicht gerade königlich daher, der Gegner wird nur selten dominiert. Es ist kein Zufall, dass viele Tore nach Standardsituationen, Flanken oder Kontern entstanden sind: Die Madrilenen erzwingen ihre Tore aktuell anstatt sie zu erspielen. Gerade zu Spielbeginn versuchen sie oftmals, viele Flugbälle oder Flanken in den Strafraum zu spielen und aggressiv auf die zweiten Bälle zu gehen.
So provozieren sie regelmäßig Standardsituationen und Fehler des Gegners, zudem sind die Offensivspieler allesamt kopfballstark. Nach einer erzwungenen frühen Führung soll dann die Königsdisziplin für einen standesgemäßen Sieg sorgen: Der Konter.
Pep Guardiola bezeichnete Real schon häufiger als konterstärkstes Team der Welt - und zwar zurecht. Cristiano Ronaldo und Gareth Bale sind jeweils sprintstarke, kraftvolle und zielstrebige Abschlussspieler.
Werden sie nach Ballgewinn in den Raum geschickt, sind sie kaum zu verteidigen. Dass Bale nun verletzt ausfällt, mindert die Gefahr im offensiven Umschaltspiel zwar, dennoch sind die Königlichen mit Ronaldo, Karim Benzema und Co. weiterhin brandgefährlich.
Eurosport-Check: Grundsätzlich hat Real Madrid einen anderen Anspruch an seinen Spielstil. Doch aufgrund der ständigen Verletzungssorgen im Kader konnte Zidane in dieser Saison kein Grundgerüst aufbauen, das einen kreativen, dominanten Fußball garantiert. Also ist der Franzose uneitel von seinen Fußballidealen abgewichen und setzt auf einen pragmatischen Stil - mit Erfolg.
Diese Spielweise passt hervorragend zum Clásico, da man so den Stärken Barcelonas aus dem Weg geht. Dem hohen Pressing entgeht man durch die langen Bälle, mit dem starken Konterspiel wird man Barcas hohe Abwehrkette vor Probleme stellen. Setzt sich Real im Clásico durch, wächst der Vorpsrung auf den Erzrivalen auf neun Punkte. Möglicherweise schlägt dann die Stunde des kreativen Zinédine Zidane. Bis dahin sehen wir aber erstmal den Pragmatiker.
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