Real Madrid - FC Barcelona: 3 Dinge, die beim Clásico auffielen - Messi, Messi, Messi
Lionel Messi drückt einem dramatischen Clásico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona (2:3) seinen filigranen Stempel auf. Bei Real spielen der erneut gelb-rot-gefährdete Casemiro, der malade Gareth Bale und die für sie eingewechselten Youngster zentrale Rollen. Cristiano Ronaldo hatte sein Pulver dagegen schon gegen den FC Bayern verschossen. Was uns beim Clásico auffiel.
Lionel Messi (Real Madrid vs. FC Barcelona)
Fotocredit: Getty Images
Bleibe-Recht für Casemiro
Schon am Dienstag gegen den FC Bayern München stand Reals Sechser Casemiro im Fokus, weil ihn nicht wenige Bayern gerne mit Gelb-Rot vom Platz gehabt hätten - Anlass gab es schließlich genug (u.a. beim Elfmeter-Foul gegen Arjen Robben).
Am Sonntag war Casemiro, der grundsätzlich deutlich besser spielt als man immer denkt, erneut ein entscheidender Faktor: Zunächst natürlich, weil er in der 28. Minute den Ball nach einem Ramos-Kopfball an den Pfosten über die Linie drückte (28.) - die gesamte Barça-Abwehr hatte gepennt.
Dann kam wieder Farbe ins Spiel: Schon nach elf Minuten für ein Foul im Mittelkreis an Lionel Messi verwarnt, kam er in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erneut zu spät gegen Barcelonas Alleskönner und beging so ein zweites gelbwürdiges Foul - wurde aber vom nicht immer sicheren Schiedsrichter Alejandro José Hérnandez Hérnandez erneut am Leben gelassen.
Trainer Zinédine Zidane dachte aber nicht dran, Casemiro schon zur Pause zu schützen und runter zu nehmen; wahrscheinlich schlicht, weil er auf der Bank keine gleichwertige Alternative für die extrem wichtige Position vor der Abwehr sah. So ließ er Casemiro bis zur 70. Minute drauf, ehe er den in Österreich geborenen Mateo Kovacic losließ.
Kovacic hatte zuvor erst 86 Clásico-Minuten auf dem Buckel und war nur weitere drei auf dem Feld, ehe er Ivan Rakitic abziehen sah und selbst zu spät kam - 1:2 für Barça. Und auch in der Nachspielzeit bei Messis Tor zum 2:3 fehlte zentral der Zugriff.
"Ein verrücktes Spiel mit einem komischen Ende", sagte Dani Carvajal nur Sekunden nach dem Schlusspfiff. "Wir wollten auch in Unterzahl auf Sieg spielen. Wir hatten Chancen über Chancen. Wir hätten den Sieg verdient gehabt." Er ging aber an Barcelona.
Das Bale-Dilemma
Gareth Bale hatten nach seinen beinahe schon chronischen Problemen mit dem Musculus soleus - zu Deutsch "Schollenmuskel" - in der Wade nicht allzu viele in der Startelf erwartet.
Zinédine Zidane ging das Risiko dennoch ein und wurde eines Besseren belehrt: Die Wade Bales hielt nur 37 Minuten durch, dann saß er mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Hosenboden und wurde schließlich gegen Marco Asensio ausgetauscht.
Ein interessanter Wechsel, hatte sich Zidane gegen den FC Bayern München ja noch für Isco als Bale-Ersatz entschieden und damit das System auf 4-4-2 gedreht. Diese Umstellung wollte der Real-Trainer im laufenden Clásico offenbar nicht in Kauf nehmen - zumal sich Asensio gegen Bayern mit Torvorlage im Hinspiel und Treffer im Rückspiel ohnehin empfohlen hatte.
Also spielte Asensio fortan auf der Bale-Position rechts offensiv und präsentierte sich dort, als sich die Mittelfeldreihen müde gelaufen hatten und das Spiel offener wurde, als tolle Konterwaffe für Real.
Dennoch sah man, dass Asensio, der 2014 übrigens schon mit Barcelona einig war, den Katalanen dann aber zu teuer wurde, weil Mallorca die auf zwei Tranchen vereinbarten 4,5 Millionen Euro auf einmal haben wollte, erst 21 Jahre alt und damit noch ziemlich unerfahren ist.
So hätte er in der 67. Minute bei einer Zwei-gegen-eins-Situation nicht quer auf den (wohl wieder Abseits stehenden) Cristiano Ronaldo legen, sondern selbst abschließen sollen - es hätte 2:1 für Real stehen müssen. Fünf Minuten später schloss er dafür toll ins kurze Eck ab, fand seinen Meister aber in Marc-André ter Stegen.
Messi, Messi, Messi
Schon überraschend: In einem Spiel mit 38 Torschüssen (22:16) und 18 Keeper-Paraden (sechs von Navas, zwölf von ter Stegen) waren die Mittelstürmer Karim Benzema und Luis Suárez kein Faktor. Weil Neymar gesperrt fehlte, Bale früh runter ging und sich Cristiano Ronaldo mit seinen fünf Toren gegen den FC Bayern München offenbar schon müde geschossen hatte, war die Bühne bereitet für Lionel Messi. Und der kleine Argentinier lieferte zuverlässig.
"Messi hat eine tolle Partie gemacht", sagte selbst Real-Verteidiger Daniel Carvajal. Ivan Rakitic meinte bloß:
Viel sprach zunächst gegen ihn. Nach sechs Clásicos ohne Tor, dafür mit einem blauen Auge ins Spiel gegangen, machte Messi zu Beginn gleich mal Bekanntschaft mit dem Ellenbogen von Marcelo. Die latent dreckige Aktion schien Messi aber gerade richtig anzustacheln.
Mit blutiger Lippe und dem entsprechenden Tupfer in der Hand startete er in Minute 33 in Messi-Manier in den Ball, spielte sich auf engstem Raum zentral durch die Real-Abwehr und traf unnachahmlich zum 1:1 - sein 499. Pflichtspieltor für den FC Barcelona.
Schon in der ersten Halbzeit stellte Messi sein Alter-Ego Ronaldo klar in den Schatten, bestritt am Ende deutlich mehr Zweikämpfe (23:5), gewann fast zwei Drittel davon (Ronaldo: 40 Prozent) und war deutlich mehr ins Spiel eingebunden als der Weltfußballer (72:39 Ballaktionen), der aber zweimal öfter aufs Tor schoss (8:6).
Wie wichtig Messi fürs Spiel der Gäste war, zeigte eine passive Statistik: Messi zog nicht nur Gelb gegen Casemiro (11.) und Kovacic (81.), sondern auch Rot gegen Sergio Ramos (77.), der dem Barça-Angreifer in Höhe der Mittellinie mit zwei gestreckten Beinen entgegen geflogen war.
Der 2:2-Ausgleich von James Rodríguez (86.) in Unterzahl nach Gerard Piqués Großchance zum 3:1 (80.) schien das Meisterschaftspendel schon in Richtung Real ausschlagen zu lassen. Doch Messi hatte noch einen Pfeil im Köcher. 92. Minute, unnachahmlicher Antritt von Sergi Roberto, zwei Pässe, Abspiel von Jordi Alba auf Messi - Siegtor zum 3:2.
500. Tor für Barcelona. Meisterschaft wieder offen. Mehr geht nicht.
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