Erst Nationalmannschaft dann Paris Saint-Germain: Julian Draxler auf dem Weg zum Leader
In der Nationalmannschaft läuft Julian Draxler beim Confed Cup als Kapitän auf und soll später die Mannschaft in Russland zum Titel führen. Bei Paris Saint-Germain hat er die erste Halbserie hinter sich und sucht noch seine Rolle. Wie Draxlers erste Saison in Paris verlief, wie es weiter geht und ob er das Zeug zum Führungsspieler hat? Eurosport.de klärt auf.
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Als der Weltmeister nach dem Spiel gegen Dänemark (1:1) in Kopenhagen vor den Journalisten stand, den Rücken durchdrückte und auch den Wortführer zu geben versuchte, war zu sehen: Er will die Rolle des Übergangskapitäns ausfüllen, die Bundestrainer Joachim Löw ihm zugedacht hat. Draxler will zu einer Führungspersönlichkeit reifen, die beim Confed Cup, der WM 2018 und danach vorangeht.
Eine ähnliche Rolle will der 23-Jährige auch in seinem Verein, Paris Saint-Germain, einnehmen. Dafür braucht es Konstanz, Durchsetzungsvermögen und eine starke Persönlichkeit. Nicht alles konnte Draxler bei seinen bisherigen Stationen Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg nachweisen. Wie weit Draxler wirklich ist, wie er bei seinen Teamkollegen ankommt und wie es aktuell läuft, erklärte Eurosport.
1. Wie verlief die erste Saison?
Julian Draxler wechselte im Januar 2017 nach einer turbulenten Winterpause vom VfL Wolfsburg nach Paris. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung hatte er die Vereinsführung um Dieter Hecking und Klaus Allofs öffentlich aufgefordert, ihn ziehen zu lassen. Das Vorhaben hat geklappt, auch wenn sein Ruf in Deutschland gelitten hat.
Sein Start in Paris war dafür herausragend. Draxler lief sofort heiß, traf im ersten Ligaspiel, im ersten Coup-de-France-Spiel, im ersten Coup-de-la-Ligue-Spiel und im ersten Champions-League-Spiel. Er brachte technische Finesse und Präzision in die Mannschaft – die Fans waren begeistert.
Nach dem bitteren Königsklassen-Aus gegen den FC Barcelona, bei dem die Franzosen einen 4:0-Heimsieg noch verspielten und im Rückspiel mit 1:6 unterlagen, tauchte Draxler etwas ab. Sein Spiel war durchschaubarer und dafür weniger effektiv. Den Ruf als inkonstanter Spieler ist er in der ersten Halbserie für PSG nicht losgeworden.
2. Wie geht's nun weiter?
Das Wichtigste zuerst: Draxler wird auch kommende Saison für PSG spielen. Seine Position wird dann aller Voraussicht nach das linke Mittelfeld sein, wo er gute Chancen auf einen Stammplatz hat - es sei denn, es wird noch ein großer Name für eben diese Position verpflichtet.
Im rechten Mittelfeld streiten sich Lucas und Ángel Di María um den Platz in der Startelf. Draxlers Kontrahent Pastore ist nach einer von Verletzungen verseuchten Saison hinten dran.
Trainer Unai Emery mag Draxler, sprach ihm nach nur zwei Spielen in der Rückrunde das größtmögliche Komplment aus:
Draxler bringt eine technische Qualität mit, die kein anderer Flügelspieler im Kader vorweisen kann – auch nicht Di María. Das verschafft ihm einen klaren Vorteil gegenüber Teamkollegen wie Lucas oder Pastore.
Aber: Draxler spielt bei einem Weltklub, bei dem der Konkurrenzdruck stetig wächst und kleine Fehler sofort bestraft werden. Die Voraussetzungen für eine echte Erfolgsgeschichte in Paris sind gegeben. Bekommt er seine Inkonstanz in den Griff, kann es schnell steil nach oben gehen.
3. Wie ist Draxlers Standing im Team?
Ein halbes Jahr bei einem Weltklub reicht gerade einmal, um die neuen Kollegen kennenzulernen und bei den Fans einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Auf hierarchischer Ebene findet sich Draxler noch nicht unter den Lautsprechern des Klubs, dazu ist er schlicht zu kurz da und hat mit seinen erst 23 Jahren noch zu wenig Erfahrung.
Fußballerisch ist er jedoch bei den Kollegen über jeden Zweifel erhaben. Draxler kam als Weltmeister in die französische Hauptstadt, war Stammspieler bei der EM 2016 und trägt in der Nationalmannschaft jetzt sogar, wenn auch nur vorübergehend, die Kapitänsbinde. Das nötigt Respekt ab.
4. Hat er das Zeug zum Führungsspieler?
So gut es für Draxler in Paris auch begonnen hat, nachlassen darf er in keinem Fall. Bei einem Topklub des Kalibers PSG zählen nur Topleistungen und letztlich Titel. Sollten diese ausbleiben, kann das Abenteuer schnell vorbei sein. Die letzten Monate der vergangenen Saison waren ein mahnendes Beispiel. Draxler zeigte sich wenig zielstrebig, das in ihm schlummernde Potential zeigte er kaum.
Ein Führungsspieler ist er daher noch nicht. Zwar trifft er für sein junges Alter schon viele richtige Entscheidungen, kann im Weltklassekader der Pariser aber jederzeit ersetzt werden, sollte er seine Leistungen nicht bringen.
Die echten Leader im Team sind unverzichtbare Identifikationsfiguren und heißen Thiago Silva, Marco Verratti oder Edinson Cavani. Sie sind schon lange im Verein und haben in dieser Zeit ihre Klasse regelmäßig nachgewiesen.
Mit konstant guten Leistungen wächst bei Fans, Mitspielern und Trainer das Vertrauen - und Draxlers Selbstvertrauen. Und davon hat er schon eine Menge: "Wir haben eine große Saison vor uns, in der wir alle drei nationalen Titel holen wollen. Auch in der Champions League werden wir sicherlich ein Ausrufezeichen setzen", sagte der Nationalspieler in einem Interview mit DAZN.
Ansagen eines kommenden Leaders? Draxler wird liefern müssen, in erster Linie natürlich auf dem Platz.
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