Olympique Lyon droht wegen horrender Schulden der Zwangsabstieg aus der Ligue 1 - Besitzergruppe beschwichtigt
VonJan Zesewitz
Update 26/11/2024 um 08:50 GMT+1 Uhr
Olympique Lyon droht wegen eines ungeheuren Schuldenberges der Zwangsabstieg in die zweite französische Liga. Der Traditionsverein braucht dringend Einnahmen - doch es ist nicht ganz klar, woher die kommen sollen. Der Chef der Besitzergruppe Eagle Football, John Textor, gibt sich zuversichtlich, aber die Finanzkontrolle des französischen Fußballs hat schon gezeigt, dass sie hart durchgreifen kann.
Corentin Tolisso und seinen Teamkollegen von Olympique Lyon droht der Abstieg in die zweite Liga
Fotocredit: Getty Images
Es könnte eigentlich ganz gut laufen bei Lyon: Nach einem Fehlstart in der Ligue 1 ist die Mannschaft von Trainer Pierre Sage seit sieben Ligaspielen ungeschlagen und etablierte sich im Verfolgerfeld von Serienmeister Paris Saint-Germain.
Stattdessen ist die Stimmung bei dem einstigen Dauer-Dominator (Lyon wurde von 2002 bis 2008 siebenmal in Serie Meister) bedrückt. Aufgrund eines ungeheuren Schuldenbergs von 463,8 Millionen Euro meldete sich die Finanzkontrolle des französischen Fußballs und verhängte drakonische Strafen: Eine Transfersperre im Winter und einen provisorischen Abstieg in die Ligue 2 für die nächste Saison.
Heißt im Klartext: Der Klub braucht Geld - viel Geld - und das schnell. Seit 2022 gehört der Verein "Eagle Football Holdings" unter dem Geschäftsführer John Textor. Dieser Shareholder hält auch die Mehrheiten von unter anderem Botafogo in Brasilien und Crystal Palace in England.
Der US-amerikanische Geschäftsmann gab sich nach Bekanntgabe der Meldung ganz entspannt. "Mehrere 100 Millionen Euro" werde der Klub in den kommenden Monaten einsammeln, zudem sei die Gesamt-Finanzlage des Unternehmens mit Blick auf die anderen Klubs im "Portfolio" so gut, dass diese Nachricht keine echten Auswirkungen haben werde.
Geld muss her - aber woher?
"Die Realität scheint etwas komplexer zu sein, als Textor sagt", erklärt Cyril Morin von Eurosport Frankreich. "Lyon hat einen sehr großen Kader, aber das große Problem ist, dass es keine großen Namen gibt, die für viel Geld verkauft werden können."
Rayan Cherki und Malick Fofana sind mutmaßlich die einzigen Spieler, die die richtige Mischung aus Leistung, Alter und Vertragslaufzeit mitbringen, um für eine größere Summe zu einem Top-Klub zu wechseln - das Problem: Beide sind absolute Leistungsträger und für den Aufschwung in dieser Saison entscheidend mitverantwortlich. Dazu kommen noch Georgiens EM-Held Georges Mikautadze und Gift Orbán.
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Georges Mikautadze wechselte nach der EM für 18,5 Millionen Euro zu Olympique Lyon
Fotocredit: Getty Images
Mikautadze und Verteidiger Moussa Niakhaté zeigen unter anderem sinnbildlich, warum Lyon am finanziellen Abgrund steht. Mehr als 50 Millionen Euro gab OL im Sommer für diese beiden Spieler allein aus - Geld, das man ganz offensichtlich gar nicht zur Verfügung hatte.
Nun hoffen andere europäische Klubs auf einige Schnäppchen aus den wahrscheinlichen Zwangsverkäufen. Bayer Leverkusen soll zum Beispiel an dem 21-jährigen Mittelfeldspieler Cherki interessiert sein. "Einige Leute werden versuchen, diese Nachrichten auszunutzen", sagte Klubboss Textor auf einer Pressekonferenz.
Bordeaux als mahnendes Beispiel
"Ich sage es der Welt: Wir werden nicht absteigen, das wird nicht passieren", sagte der Mann aus Missouri. Es scheint wohl nicht die wahrscheinlichste Variante zu sein. Textor könnte Anteile von Crystal Palace zu Geld machen und der eine oder andere Spielerverkauf könnte auch noch Einnahmen bringen.
Auf der anderen Seite zeigte sich die Finanzkontrolle des französischen Fußballs schon in der Vergangenheit unnachgiebig. Girondins Bordeaux, sechsfacher Meister, stieg sportlich in die zweite Liga ab, wurde schließlich sogar in die vierte Liga zwangsversetzt und verlor den Status eines Profi-Vereins. Schwere Strafen gab es auch für Teams wie FC Le Mans, CS Sedan und den FC Sochaux.
Textor in der Kritik
In Frankreich konzentriert sich die Kritik derweil auf Textor und sein Konglomerat als "Multi-Team-Besitzer". Für den französischen Fußball als solchen sind das schlechte Nachrichten - auch wenn Lyon einem Zwangsabstieg aus dem Weg gehen kann.
"Es gibt immer wenige Franzosen, die zu den Besitzern bei den Klubs in der Ligue 1 gehören", sagte Eurosport-Redakteur Morin. "Und es sieht mehr und mehr so aus, als würden französische Vereine häufiger zu den Verlierern in diesem 'Multi-Besitz-System' gehören."
Den aktuellen sechsten Platz in der Liga zu halten, wird angesichts der drohenden Verkäufe für OL eine sehr schwierige Aufgabe. Der sportliche Höhenflug wurde von der finanziellen Lage jäh gestoppt.
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