PSG im Jahr eins ohne Kylian Mbappé mit neuer Philosophie: Trainer Luis Enrique setzt auf Kollektiv statt Superstars

Für Paris Saint-Germain ist die Saison 2024/25 der Beginn einer neuen Ära - einem Zeitalter ohne Kylian Mbappé. Nach jahrelanger Hängepartie wechselte der 25-Jährige im Sommer endlich zu Real Madrid. Der ablösefreie Abgang des vielleicht besten Spielers der Welt bedeutet aber keine Abkehr von den ehrgeizigen Zielen des Klubs für die kommenden Jahre. Luis Enrique steht vor einer großen Aufgabe.

Enrique genervt von Mbappé-Thema: "Spreche nur über PSG-Spieler"

Quelle: Perform

Für zweieinhalb Wochen wurde der Alltag in der französische Hauptstadt Paris von der Austragung der Olympischen Sommerspiele bestimmt.
Nachdem am 10. August im Parc des Princes mit dem Duell zwischen USA und Brasilien (1:0) das Finale des Fußball-Turniers der Frauen ausgetragen wurde, steht heute an Ort und Stelle das erste Heimspiel für PSG an.
Paris Saint-Germain gibt am 2. Spieltag der Ligue 1 sein Heimdebüt in der neuen Saison gegen den HSC Montpellier (ab 20:45 Uhr im Liveticker).
Zuvor gab es bereist einen 4:1-Sieg beim Le Havre AC, der nur aufgrund eines 5:1-Triumphs von Olympique Marseille bei Stade Brest nicht zur sofortigen Tabellenführung reichte.

Paris Saint-Germain: Das ist neu

Irgendwie hat sich in der französischen Hauptstadt zugleich alles und nichts geändert. Mit Kylian Mbappé verließ der Fixstern des PSG-Kosmos den amtierenden Meister und wechselte nach jahrelangem Hin und Her zu Real Madrid.
Ein Abgang, der - wenn auch absehbar - dem Verein wehtut, wie Cheftrainer Luis Enrique vor der Saison durchblicken ließ: "Ich habe Kylian immer bewundert. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Ich wünsche Kylian nur das Beste - und dass Real Madrid gegen uns verliert."
Trotzdem haben sich die Ziele des Hauptstadtklubs nicht verändert - weiterhin ist es der Anspruch, endlich die Champions League zu gewinnen.
Mit Ausnahme Mbappés blieb der Kader aber weitgehend von prominenten Abgängen verschont: Weder Renato Sanches (Leihe an Benfica Lissabon) noch Keylor Navas (Vertragsende) waren unter Luis Enrique ein Faktor.
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Kylian Mbappé hier noch im Trikot von Paris Saint-Germain

Fotocredit: Getty Images

Dafür investierte Paris im Sommer wie üblich wahrhaft königliche Summen. Für insgesamt 170 Millionen Euro kamen vier neue Spieler.
Im Bieten um den 50 Millionen Eure teuren Désiré Doué von Stade Rennes stach man den ebenfalls interessierten FC Bayern München aus.
Für knapp 60 Millionen Euro kam mit João Neves eine Verstärkung für das defensive Mittelfeld von Benfica Lissabon. Der 19-Jährige brachte es bei der Europameisterschaft in Deutschland auf zwei Einsätze für Portugal.
Auch der Innenverteidigung spendierte Vereinsboss Nasser Al-Khelaifi für 40 Millionen frisches Blut in Person von Willian Pacho, der ein wenig überraschend von Eintracht Frankfurt losgeeist wurde.
Als Ersatzmann für Stammtorhüter Gianluigi Donnarumma wurde zudem der Russe Matvey Safonov vom FK Krasnodar für weitere 20 Millionen Euro geholt.

PSG: Die neue Hoffnung

Ohne Mbappé steht in Paris zukünftig die Mannschaft im Fokus, wie Al-Khelaifi bei der Vorstellung von Neuzugang Doué erklärte.
"Wir bauen bei PSG weiterhin ein unglaublich junges Team aus talentierten Spielern auf allen Positionen auf, wobei das Kollektiv im Mittelpunkt unseres Handelns steht", betonte der Katari.
Im Grunde genommen ist dies nur die logische Konsequenz aus dem Abgang des absoluten Superstars. Mbappé durch einen anderen Spieler zu ersetzen, ist praktisch unmöglich. Zu gut ist die Mischung aus Ballgefühl, Geschwindigkeit und Torgefahr, die der Franzose in sich vereint.
Profis auf diesem oder wenigstens einem vergleichbaren Niveau gibt es auf der ganzen Welt nur eine handvoll, diese sind aber selbst für PSG kaum zu haben. Und einen vielsprechenden Youngster mit der alleinigen Nachfolge zu betrauen, könnte angesichts des Drucks einen kontraproduktiven Effekt haben.

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Désiré Doué wechselte für 50 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain

Fotocredit: Getty Images

Stattdessen hat Paris inzwischen ein gutes Grundgerüst an jungen und hochveranlagten Talenten aufgebaut, die, wenn sie richtig eingesetzt werden, im Verbund den Abgang von Mbappé auffangen könnten.
Dazu kommt die Altersstruktur des Kaders: Spieler wie Bradley Barcola (21) und Vitinha (24) oder die Neuzugänge Doué (19), Neves (19) und Pacho (22) sind alle jünger als 25 Jahre. Überhaupt sind nur drei Profis 30 oder älter.
Zumindest theoretisch ist die Ära der Ansammlung diverser Solo-Künstler mit dem Ende der Mbappé-Ära erst einmal vorbei - Zeit für eine Mannschaft.

Paris Saint-Germain: Das Fragezeichen

Als Randal Kolo Muani im vergangenen Sommer für 95 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt an die Seine wechselte und sich direkt mit zwei Toren und zwei Vorlagen in seinen ersten vier Ligue-1-Spielen einfand, hatte wohl kaum jemand noch Zweifel, ob der junge Franzose sich bei seinem Heimatklub würde durchsetzen können.
Ein Jahr später sieht die Situation anders aus. Der steile Aufstieg des Mittelstürmers erfuhr nach seinem Traumstart einen jähen Einbruch.
In insgesamt 40 Pflichtspielen für PSG kam der heute 25-Jährige nur auf neun Tore und sechs Vorlagen. Zum Vergleich: Bei seinen vier Einsätzen für die Eintracht, die er vor seinem Wechsel in der vergangenen Saison noch absolvierte, schoss er drei Tore.
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Randal Kolo Muani traf für PSG gegen Le Havre

Fotocredit: Getty Images

Auch Kolo Muani zeigte sich mit seiner Leistung unzufrieden und gab im Frühjahr bei "Onze Mondial" bemerkenswerte Einblicke in seine Seelenwelt: "In Deutschland war ich selbstbewusst, deshalb war ich auf dem Spielfeld erfüllt. Ich muss nur glücklich und selbstbewusst sein, dann wird alles wie am Schnürchen laufen. Heute bin ich glücklich, aber ich bin nicht so glücklich wie in Deutschland."
Ganz andere Töne als bei seinem Wechsel im Sommer zuvor: "Es ist meine Heimatstadt, deshalb wollte ich alles tun, um hierherzukommen."
Die Misere Kolo Muanis ging sogar so weit, dass Cheftrainer Enrique laut einem Bericht "L'Équipe" im Juli die Vereinsbosse darum bat, den Franzosen zu verkaufen.
Doch der Stürmer ist immer noch da und traf beim Sieg gegen Le Havre nach seiner Einwechslung per Strafstoß zum 4:1-Endstand - jetzt muss er darauf aufbauen.

PSG: Hier ist noch Bedarf

Auch wenn PSG zukünftig mehr auf mannschaftliche Geschlossenheit setzen möchte, ist der Kader aktuell enorm aufgebläht.
Coach Enrique kann aus 34 Profis auswählen, was selbst bei der großen Menge an Pflichtspielen in der kommenden Saison zu viel ist.
Einige Spieler dürften noch gehen, schließlich brauchen die jungen Kräfte, die der Verein für viel Geld gekauft hat, vor allem Spielzeit.
Zu den Wechselkandidaten gehören beispielsweise der inzwischen 31-jährige Juan Bernat, der in der vergangenen Saison an Benfica Lissabon ausgeliehen war, oder Manuel Ugarte, der mit Manchester United in Verbindung gebracht wird.

PSG: Das kommt auf Luis Enrique zu

Cheftrainer Enrique steht vor der Herausforderung, den besten Spieler der Welt verloren zu haben, aber immer noch dieselben Ziele erfüllen zu müssen.
Angesichts der neuen Philosophie, in der Kaderplanung auf das Kollektiv zu setzen, könnte sich das Fehlen von Mbappé aber sogar als Segen erweisen.
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Mbappé berichtet von Drohungen bei PSG: "Es war sehr deutlich"

Quelle: Perform

Dem Franzosen wurde immer wieder eine gewisse Divenhaftigkeit nachgesagt, was der mannschaftlichen Geschlossenheit nicht zuträglich gewesen sein dürfte. Dazu kam das Mitspracherecht bei Entscheidungen im Verein, das dem 25-Jährigen über lange Zeit vertraglich zugesichert gewesen sein soll.
Nachdem in der vergangenen Saison die Zeichen schon auf Abschied standen, ist dieser Faktor nun endgültig eliminiert. Was bedeutet, dass Enrique sich bei seinen Entscheidungen keine Gedanken mehr machen muss, ob er seinen Superstar vor den Kopf stößt.
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Luis Enrique steht bei Paris Saint-Germain vor einer kniffligen Aufgabe

Fotocredit: Getty Images

Von den Profis, die er zur Verfügung hat, hat keiner den unantastbaren Status eines Mbappé. Das heißt aber auch mehr Verantwortung für Enrique - gerade in den Augen der Öffentlichkeit.
Bei allem Verständnis um die Bedeutung des Verlusts des Dreh- und Angelpunktes: Sollten die Ergebnisse nicht stimmen, dürfte der Stuhl des Spaniers in den französischen Medien schneller wackeln als in der vergangenen Saison.
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Enrique über Mbappé-Abgang: "PSG wird nächste Saison stärker sein"

Quelle: Perform


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