Paris FC schenkt der Hauptstadt ein Derby - Stiefbruder Paris Saint-Germain Welten entfernt, PFC mit ordentlich Geld
Update 23/08/2025 um 10:28 GMT+2 Uhr
Nach acht langen Jahren in der Ligue 2 lebt der Paris FC endlich seinen Traum: Zum ersten Mal seit 46 Jahren spielt der Klub in der höchsten Spielklasse Frankreichs und schenkt der Hauptstadt gleichzeitig ein ganz spezielles Derby. Lediglich wenige Meter sind die Stadien der beiden Klubs, deren Anfänge so eng miteinander verbunden sind, voneinander entfernt. Und doch trennen sie inzwischen Welten.
PSG feiert Triumph mit Fans in Paris bei Parade und im Parc des Princes
Quelle: Eurosport
"Halte deine Freunde nah bei dir, aber deine Feinde noch näher."
Einst durch den Kultfilm "Der Pate - Teil II" von Francis Ford Coppola bekanntgeworden, war das Zitat jahrzehntelang Sinnbild für erbittertes Konkurrenzdenken. Auf den ersten Blick erreicht dieses im französischen Fußball nun einen weiteren Höhepunkt.
Seit Auftakt der Saison 2025/26 ist Paris nämlich doppelt erstklassig. Nachdem Paris Saint-Germain die Ligue 1 seit Jahren nahezu im Alleingang dominiert, ist mit dem Paris FC in diesem Sommer zum ersten Mal seit 46 Jahren der "kleine Stiefbruder" im Oberhaus vertreten.
Brisant: Die Stadien der beiden Klubs liegen nur wenige Meter auseinander. Das unterstreicht, dass PSG gegen PFC kein Derby wie jedes andere wird.
Ein Wandervogel aus Paris
Der Ursprung von Paris FC ist eng mit jenem von Paris Saint-Germain verbunden. 1969 wurde der PFC gegründet, ein Jahr später erfolgte die Fusion mit Stade Saint-Germain, woraus der Paris Saint-Germain FC hervorging.
Zwei Jahre darauf war das Projekt gescheitert, die Wege der Vereine trennten sich: PFC blieb erstklassig, PSG musste den Gang in Liga drei antreten. Eine Momentaufnahme, denn im Laufe der Zeit sollten sich die Verhältnisse umkehren.
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Das Stade Jean-Bouin und der Parc des Princes
Fotocredit: Getty Images
Paris FC wurde zum Wandervogel, sowohl Stadion als auch Vereinsname wurden mehrmals gewechselt. Vom Parc des Princes ging es über das Stade Déjerine ins Stade Charléty. Zwischendrin fusionierte der Verein mit dem Club Troyes Aube Football, wurde zum Paris FC 83 und trug seine Heimspiele 130 Kilometer fernab der französischen Hauptstadt aus.
2005 kehrte man zum heutigen Namen zurück und seit diesem Sommer ist PFC der alten Heimat so nah wie nur möglich: Das Stade Jean-Bouin wird einzig von einer Straße vom Prinzenpark getrennt.
Alles für Tradition: "Klub des Volkes" mit viel Kohle
Tradition sieht anders aus. "Außerhalb des 13. Arrondissements von Paris, wo ihr vorheriges Stadion - das Stade Charléty - lag, und der angrenzenden Vororte haben sie bisher keine wirkliche Fanbasis", ordnete Tanguy Mantovani, Fußball-Experte bei Eurosport France, die Situation ein.
Um diese Auffassung zu ändern, nahm der Klub einige Änderungen vor. "Vor zwei Saisons haben sie beschlossen, die Tickets für ihre Heimspiele kostenlos anzubieten. Und das hat Wirkung gezeigt."
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Paris FC im Spiel gegen Angers
Fotocredit: Getty Images
Das war noch vor dem Einstieg der aktuellen Anteilseigner - und die haben es in sich. Im November 2024 erwarb Bernauld Arnault, einer der reichsten Menschen der Welt, 52 Prozent des Klubs. Weitere 15 Prozent gingen an Red Bull.
"Jetzt planen sie, der 'Klub des Volkes' von Paris zu werden - trotz der Tatsache, dass sie von der reichsten Familie Europas gehalten werden", so Mantovani, der einen Vorteil gegenüber Stadtrivale PSG hervorhob. "Ich denke, das ist ein kluger Schritt. Tickets für den Parc des Princes sind sehr teuer und schwer zu bekommen, sodass viele PSG-Fans nie die Gelegenheit haben, ihre Mannschaft live zu sehen."
Den Anhängern des volksnahen Vereins soll natürlich auch etwas geboten werden - und das kostet. Die vier teuersten Transfers der Klubgeschichte wurden in diesem Sommer getätigt, für den neuen Rekord sorgte der brasilianische Innenverteidiger Otávio mit einer Ablösesumme von 17 Millionen Euro. Insgesamt investierte der Verein 45 Millionen, die Einnahmen stehen bei 0 Euro. Solide für einen Aufsteiger.
Unabhängig trotz Red Bull - und es grüßt Kevin Trapp
Wenn Red Bull seine Finger im Spiel hat, gibt es vielerorts skeptische Blicke. In Paris ist dies nicht der Fall, immerhin kam es zu keinem Rebranding wie im Fall von RB Leipzig oder RB Salzburg.
"Außerdem besitzen sie nur wenige Anteile" führte Mantovani weiter aus. "Dieses Transferfenster hat auch bestätigt, dass PFC kein weiteres Glied im Red-Bull-Imperium ist, da es bislang keinerlei Deals mit anderen RB-Vereinen gibt. Red Bull wird daher nur als eine Art klugen Berater für die unerfahrene Familie Arnault gesehen."
Womöglich hatte der "kluge Berater" seine Finger auch bei jenem Deal im Spiel, der eine kleine Watschn für PSG war. Kevin Trapp, der zwischen 2015 und 2018 mit Saint-Germain Titel um Titel gewann, hütet fortan den Kasten des PFC.
"Die Besitzer sehen ihn als eine sehr gute Gelegenheit, wegen seiner Kosten und seiner Erfahrung", so Mantovani. Aber der Routinier darf sich nicht zu viele Fehler erlauben. "PFC hat mit Obed Nkambadio auch einen sehr vielversprechenden jungen Torhüter, die Nummer zwei in der U23-Nationalmannschaft und einer der besten Keeper der Ligue 2 in der letzten Saison."
Derby in Paris - und irgendwie doch nicht
Der Start in die Saison war ausbaufähig, gegen Angers SCO setzte es zum Auftakt eine 0:1-Niederlage. Am kommenden Samstag steht das Auswärtsspiel bei Olympique Marseille auf dem Programm (17:00 Uhr) - und wann ist das Derby?
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Abschied aus Frankfurt: Kevin Trapp
Fotocredit: SID
Nun, dafür müssen sich die Fans bis zum 4. Januar gedulden. 35 Jahre nach dem letzten Pariser Stadtduell und 47 Jahre nach dem letzten zwischen PSG und PFC wird die Sehnsucht gestillt. Die beiden bisherigen Partien endeten übrigens mit 1:1 und 2:2.
Welche Bedeutung dieses Derby für die Stadt hat? "Abgesehen vom Polizeipräsidenten fast gar keine. Es gibt kaum bis gar keine Rivalität zwischen den beiden Klubs", so Mantovani. "Das einzige Problem ist organisatorischer Natur: Sie können nicht am selben Tag spielen, da das notwendige Polizeiaufgebot vor und nach den Spielen nicht zweimal gleichzeitig gestellt werden kann."
Doch die Kontraste zwischen den Nachbarn, die gemeinsamen Anfänge und die verschiedenen Pfade, die letztlich zusammenführen, bieten genügend Stoff für eine ordentliche Derby-Hassliebe. Und nicht zuletzt die Stadien werden ihre Rolle dabei spielen.
Wir dürfen nicht vergessen: "Halte deine Freunde nah bei dir, aber deine Feinde noch näher."
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Quelle: SNTV
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