Lionel Messi ist wegen Steuerhinterziehung zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden, sein Saubermann-Image ist heftig angekratzt - der Weltfußballer wird auf dem Platz aber weiterhin zaubern dürfen. Trotz der Strafe werden der argentinische Superstar und sein Vater Jorge Horacio nach dem Steuerprozess von Barcelona auf freiem Fuß bleiben.

Dies ist in Spanien üblich, wenn gegen Personen, die zuvor nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, eine Haftstrafe unter zwei Jahren verhängt wird. Allerdings wurde eine Geldstrafe von 3,7 Millionen Euro verhängt. Am Mittwochabend kündigte Messi an, in die Berufung gehen zu wollen.

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Vater und Sohn sollen laut Anklage mittels Scheinfirmen in Belize und Uruguay zwischen 2007 und 2009 Steuern in Höhe von insgesamt 4,16 Millionen Euro hinterzogen haben.

Der FC Barcelona verkündete am Mittwochnachmittag in einer Stellungnahme, dass er den Spieler und seine Familie in jedweder Art des weiteren Vorgehens unterstützen werde.

Messi wirklich nie mehr für Argentinien?

Messi musste jedenfalls innerhalb von zehn Tagen den zweiten heftigen Nackenschlag verdauen. Vor eineinhalb Wochen hatte er nach der erneuten Niederlage im Finale der Copa America gegen Chile seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Im Elfmeterschießen war der 29-Jährige mit seinem Versuch kläglich gescheitert. Einheimische Medien hatten unlängst über einen Sinneswandel berichtet.

Der fünfmalige Weltfußballer hatte drei Endspielniederlagen mit den Argentiniern in Folge hinnehmen müssen, darunter das WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro gegen Deutschland (0:1 n.V.). Mit seiner Demission versetzte er das Land in Aufruhr.

Sogar Staatspräsident Mauricio Macri wurde zum Bittsteller und versuchte, Messi zum Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen. "Es ist ein Geschenk Gottes, den besten Spieler der Welt in unserem Land zu haben", hatte Macri gesagt und gezeigt, dass Messi wie ein Nationalheiligtum verehrt wird, obwohl er Argentinien im Gegensatz zu seinem Vorgänger Diego Armando Maradona keinen WM-Titel geschenkt hat.

Messi naiv wie Beckenbauer?

Nun also der Steuerprozess, der Messi ebenfalls auf dem falschen Fuß erwischt hat. Viele Insider hatten nicht damit gerechnet, dass eine Gefängnisstrafe gegen den Barca-Star verhängt wird. Schließlich wird Messis jährlichen Steuerlast in Spanien auf rund 20 Millionen Euro taxiert. Nach 21 Monaten wurde er entlassen.

In Deutschland hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß für die Hinterziehung von rund 21 Millionen Euro eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren erhalten. Messi hatte bei den Ermittlungen ausgesagt, sich nicht um die Steuerangelegenheiten gekümmert, sondern diese seinem Vater überlassen zu haben.

Lionel Messi

Fotocredit: AFP

Laut der Zeitung "El Periodico" soll Messi im September 2013 ausgesagt haben:

Ich habe Dinge unterschrieben, aber ich schaue nie auf die Verträge. Ich weiß nicht, was ich unterschreibe.

Ähnlich hatte sich Franz Beckenbauer im Zuge der Ermittlungen um das deutsche Sommermärchen bei der WM 2006 als damaliger WM-OK-Chef geäußert. Auch er habe viele Verträge quasi "blind" unterschrieben, hatte der "Kaiser" erklärt.

Messi kann sich nicht erinnern: "Das managt mein Vater"

Offenbar waren Messi im Zuge der Ermittlungen verschiedene von ihm unterzeichnete Sponsorenverträge vorgelegt worden, doch Messi habe sich laut Medienberichten nicht an sie erinnern können. "Das ist etwas, das mein Vater managt. Und ich vertraue ihm", wurde der fünfmalige Weltfußballer zitiert. Er selbst konzentriere sich aufs Fußballspielen:

Ich mache, was er mir sagt.

Erst im Dezember hatte die spanische Justiz Ermittlungen gegen den Superstar des FC Barcelona wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten bei Wohltätigkeitsspielen in den Jahren 2012 und 2013 eingestellt. Ein Gericht befand, dass Messi den Steuerbehörden keine Einnahmen aus den betroffenen Spielen vorenthalten habe.

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