Marti Perarnau über Pep Guardiola: "Drei Angebote in seiner Bayern-Zeit abgelehnt"

Im Interview mit Eurosport.de-Chefredakteur Thomas Janz spricht Guardiola-Biograph Marti Perarnau über die Entscheidungsfindung beim Bayern-Trainer. Der Pep-Insider verrät, wer Einfluss auf den Star-Coach hat und gibt Preis, dass Guardiola allein in seiner Zeit in München drei Angebote von anderen Vereinen hatte, die er allesamt abgelehnt habe.

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Wie viel Zeit hat Guardiola eingeplant um eine Entscheidung zu treffen, wie es weitergeht?
Marti Perarnau: Sechs Monate: Und zwar von Juli bis Dezember. Im vergangenen Sommer hat sich Guardiola einen ersten Eindruck gemacht, wie es für ihn weitergehen sollte – und den Zeitraum nutzte er, um eben diesen Eindruck reifen zu lassen. Er hat sich mittlerweile mehrfach mit den Verantwortlichen des Vereins zusammengesetzt – zuletzt vor wenigen Tagen.
Wer aus Guardiolas Umfeld hat Einfluss auf ihn?
Perarnau: Sein engster Kreis hat sich in den vergangenen 25 Jahren nicht groß geändert. Seine Ehefrau Cristina, sein Bruder Pere, sein Freund Manel Estiarte, sein Berater Josep Maria Orobitg und nur wenige Menschen mehr. Letztlich ist das aber eine sehr persönliche Entscheidung, die in letzter Konsequenz nur Guardiola selbst treffen kann.
Welche Faktoren spielen in die Entscheidungsfindung mit hinein? Sportliche Perspektiven, kulturelle Gründe, Familie, das Befinden, Geld…?
Perarnau: Jegliche Entscheidung wird von x Faktoren beeinflusst, aber Geld ist jedenfalls keiner dieser Faktoren. Seit 2011 hat Guardiola etliche Angebote bekommen, die rein ökonomisch betrachtet äußerst interessant gewesen wären. In seiner Zeit bei Bayern gingen ihm drei Angebote zu – und alle wies er zurück.
Auf die übrigen Faktoren bezogen: Gewissermaßen haben alle natürlich Einfluss auf eine etwaige Entscheidung, aber der wohl maßgeblichste Faktor ist ein anderer: Und zwar, ob Guardiola das Gefühl hat, seine Arbeit getan zu haben, und zwar gut. Dabei bedeutet es ihm nicht gute Arbeit mit gewonnenen oder verlorenen Titel gleichzusetzen, sondern etwas ganz Anderes.
Er will erreichen, dass eine Mannschaft es schafft auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu spielen. Fühlt er nun, dass er das beim FC Bayern erreicht hat, oder nicht? Die Antwort auf diese Frage ist der Schlüssel zu seiner Entscheidung – und diese Antwort hängt nicht zwangsläufig von gewonnenen Trophäen ab.
Wie verhielt sich Guardiola in ähnlichen Situationen in der Vergangenheit?
Perarnau: Beim FC Barcelona hatte er damals für zwei Jahre unterschrieben und erneuerte fortan immer um ein Jahr, um letztlich auf insgesamt vier Spielzeiten dort zu kommen. Danach verabschiedete er sich, weil er glaubte seine Arbeit sei getan. Die Situationen sind aber nicht wirklich vergleichbar, da die Beziehungen zu den Verantwortlichen bei Barcelona komplett anders geartet waren, als sie es beim FCB zu Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer, Karl Hopfner oder Jan-Christian Dreesen sind.
Was hat sich beim Rekordmeister seit Guardiolas Ankunft 2013 zum Guten oder zum Schlechten gewandelt?
Perarnau: Auch wenn die Umstände an der Säbener Straße vor Guardiola bereits exzellent waren, hat sich doch noch Einiges zum Besseren gewandelt. So hat der FCB seit 2013 noch mehr Titel hinzugewonnen. Der Kader ist unterdessen nicht nur qualitativ gewachsen. Das Spielkonzept, das Guardiola mitbrachte, ist mittlerweile fast komplett verstanden – und wird auch angewandt.
Dabei handelt es sich um das Positionsspiel, mit dem die deutschen Tugenden des Fußballs eine Synergie bilden sollen. Zudem hat der Klub es geschafft auch finanziell mächtiger zu werden und konnte vielleicht nicht zuletzt deswegen Fortschritte bei den Trainingsmethoden machen, bei der Ernährung, dem Genesungsprozess verletzter Spieler, der Spielanalyse.
Aus Guardiolas Sicht gab es vielleicht nur einen negativen Aspekt, und zwar nicht mit Uli Hoeneß Seite an Seite zusammen arbeiten zu können. Denn insbesondere Hoeneß schätzt der Katalane beim FC Bayern sehr, so dass er sehr bedauert nur vier Monate in dessen Dunstkreis gearbeitet zu haben.
Wie dem auch sei: In wenigen Tagen wird es eine Entscheidung geben.
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