Mittelfeld-Check DFB: WM-Held Mario Götze droht böses Erwachen

Das Rennen um die WM-Tickets ist in vollem Gange. Vor den beiden Testspielkrachern gegen Spanien und Brasilien hat Bundestrainer Joachim Löw die Qual der Wahl im Mittelfeld. Deshalb wird's auch Härtefälle geben. Für WM-Held Mario Götze, den Löw diesmal nicht nominiert hat, dürfte es richtig eng werden. Wer hat die besten Karten? Wer muss um seinen Platz zittern? Eurosport.de macht den Check.

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"Zeig der Welt, dass Du besser bist als Messi": Dieser legendäre Satz, den Löw zu Götze kurz vor seiner Einwechslung im WM-Finale 2014 gegen Argentinien sagte, ist in die Geschichtsbücher des Fußballs eingegangen.
Götze lieferte, traf in der 113. Minute zum 1:0-Sieg gegen die "Gauchos" und wurde zum WM-Helden. Diese Zeiten sind längst vorbei. Nach überstandener Stoffwechselerkrankung kämpft Götze wieder um seine Form, die ihm nach dem Comeback vor knapp einem Jahr mehr und mehr verloren geht. Selbst Löw, der ansonsten immer zu verdienten Spielern hält, setzt nicht mehr auf ihn.
Der Bundestrainer erklärte bei Eurosport:
Klare Worte vom Boss, der im Mittelfeld aus dem Vollen schöpfen kann. Für die Spiele gegen Spanien und Brasilien nominierte Löw insgesamt zwölf Spieler, die er im offensiven sowie im defensiven Mittelfeld einsetzen kann.
Wer hat die besten Karten? Wer muss um seinen Platz zittern? Eurosport.de macht den Mittelfeld-Check.

Gesetzte Spieler:

Bereits sieben Monate vor Beginn der Fußball-WM erklärte Löw, dass Toni Kroos sein Ticket für Russland sicher in der Tasche hat, wenn er sich nicht verletzt. Der Real-Star gehört zur Achse im DFB-Team, um die Löw seine Mannschaft baut. Der 28-Jährige ist Denker und Lenker in der Mittelfeldzentrale. An ihm führt kein Weg vorbei.
Bei Real Madrid absolvierte Kroos in dieser Saison 30 Pflichtspiele, erzielte vier Tore und bereitete neun Treffer vor. Seine Klasse ließ er zuletzt beim 6:3-Sieg gegen Girona aufblitzen, als er zwei Treffer von Cristiano Ronaldo mustergültig vorbereitete. Ebenfalls gesetzt ist Sami Khedira, der eine feste Größe im defensiven Mittelfeld ist.
Khedira ist taktisch stark und geht dahin, wo es weh tut. Solche Typen braucht Löw, gerade wenn es gegen physisch starke Teams geht. Der Juve-Profi ist ein klassischer Zerstörer, der Spielaufbau zählt nicht unbedingt zu seinen Stärken. Aber gerade sein Kampfgeist und sein unbändiger Wille machen ihn so wichtig.
Hinzu kommen knallharte Fakten, die für Khedira sprechen: 20 Spiele in der Serie A, sechs Tore und zwei Vorlagen. Hinzu kommen sechs Champions-League-Einsätze, in denen er zwei Treffer vorbereitete. Seine Formkurve zeigt zweieinhalb Monate vor WM-Beginn steil nach oben. Seine Fitness stimmt, Khedira investiert diesbezüglich viel.
Schwankende Leistungen, aber gesetzt. So sieht es bei Mesut Özil aus, der mit Arsenal diese Saison eine Achterbahn der Gefühle erlebt. 14 Liga-Siegen stehen sechs Unentschieden und zehn Niederlagen gegenüber. Die "Gunners" stehen auf Platz sechs der Premier League. In der Europa League kämpft sein Team gegen ZSKA Moskau noch ums Halbfinale.
Obwohl auch Özil gesetzt ist, warnte Löw seine Spieler:
Zu den Spielern, die Löw auf jeden Fall mit zur WM nehmen wird, zählen neben Kroos, Khedira und Özil auch Thomas Müller und Ilkay Gündogan. Nach dem Abgang von Trainer Carlo Ancelotti blüht Müller beim FC Bayern wieder auf. Jupp Heynckes schenkt ihm das nötige Vertrauen, welches der "Raumdeuter" mit Leistung auf dem Platz zurückzahlt.
Nach überstandenem Muskelfaserriss stand er seit November in 14 Liga-Spielen immer auf dem Platz. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. In dieser Saison trug Müller bereits 16 Mal die Kapitänsbinde, schoss sechs Tore und bereitete zehn Treffer vor. In der Champions League kommt Müller in sechs Spielen bisher auf drei Tore und zwei Vorlagen.
In starker Form präsentierte sich auch Gündogan zuletzt bei Manchester City. In den letzten sechs Liga-Spielen stand er vier Mal über die komplette Spielzeit auf dem Platz. In 22 Spielen schoss er zwei Tore und bereitete einen Treffer vor. Noch besser ist seine Bilanz in der Königsklasse mit sieben Spielen, zwei Toren und zwei Vorlagen. Bleibt er gesund, ist er bei der WM dabei.

Löws WM-Hoffnungen:

Zu den großen WM-Hoffnungen im Mittelfeld zählen drei junge Spieler. Julian Draxler, Leroy Sané und Leon Goretzka. Mit ihnen führt Löw den Generationswechsel in der Nationalmannschaft fort. Vor allem Draxler scheint seinen Platz auf der linken Außenbahn gefunden zu haben. Man mag es kaum glauben, aber Draxler hat bereits 40 Länderspiele absolviert.
2017 verpasste der PSG-Profi nur zwei DFB-Spiele wegen einer leichten Blessur und eines grippalen Infekts, ansonsten setzte Löw 13 Mal auf den Flügelspieler. Höhepunkt war der Gewinn des Confed-Cups mit 1:0 gegen Chile, als Kapitän Draxler sein Team im Finale zum Turniersieg führte. Spielte Draxler, so verlor Deutschland 2017 kein einziges Spiel.
Bei Paris Saint-Germain hat es Draxler zwar etwas schwerer, aber der 24-Jährige hat sich im Star-Ensemble der Franzosen behauptet. Seine Bilanz: 25 Liga-Spiele, drei Tore und vier Vorbereitungen. In der Champions League kam er acht Mal zum Einsatz. Bleibt Draxler in Form, dürfte ihm der Platz auf der linken Außenbahn gehören.
Aber es gibt Konkurrenz. Mit Sané kämpft ein weiterer Youngster um diese Position im Mittelfeld. Der 22-Jährige kam 2017 zwei Mal auf der linken Außenbahn zum Einsatz. Sané ist aber flexibel, der ManCity-Profi kann auch auf der rechten Seite spielen, wie im November gegen England. Löw ist ein Fan von ihm, weil Sané gerne Eins-gegen-Eins-Situationen sucht.
Aus diesem Grund wird Sané wohl eines der 23 begehrten WM-Tickets ergattern. Ebenso wie Goretzka, der zu den größten Talenten im zentralen Mittelfeld zählt. Er muss sich auf dieser Position mit Özil messen, um einen Platz in der DFB-Elf zu bekommen. Keine leichte Aufgabe, aber der Schalker bringt technisch alles mit, um den Konkurrenzkampf zu entfachen.

Wackelkandidaten:

Neben Götze gibt es einen weiteren WM-Spieler, den es hart erwischen könnte. André Schürrle droht ebenfalls ein böses Erwachen, wenn ihn Löw nicht mit nach Russland nimmt. Zwar zeigt seine Formkurve beim BVB leicht nach oben, aber dem Bundestrainer reicht das noch lange nicht. Für die Spiele gegen Spanien und Brasilien nominierte er nicht einen BVB-Spieler.
Marco Reus ist bei beiden Testspielen in Düsseldorf und Berlin ebenfalls nicht dabei. Der BVB-Profi musste beim Achtelfinal-Aus in der Europa League gegen Salzburg in der Halbzeitpause wegen Adduktorenproblemen ausgewechselt werden. Seine Verletzungsanfälligkeit ist bekannt, 2014 verpasste er die WM in Brasilien wegen einer Verletzung im linken Sprunggelenk.
Kommt der Flügelspieler wieder nicht rechtzeitig in Form, muss er um seine WM-Teilnahme zittern. Aber Löw wird die Tür so lange wie möglich offenhalten, denn ein gesunder Reus kann ein Spiel allein entscheiden. Zu den weiteren Wackelkandidaten zählen Lars Stindl, Emre Can, Sebastian Rudy und Julian Brandt.
Ihnen ist bewusst, dass Löw nur 20 Feldspieler und drei Torhüter mit zur WM nehmen kann. Stindl überzeugte zwar als hängende Spitze beim Confed-Cup 2017, eine WM-Teilnahme scheint aber unrealistisch zu sein. Besonders schwer wird es für Can. Im defensiven Mittelfeld sind beide Sechser-Positionen besetzt. Sein WM-Ticket hängt am seidenen Faden, obwohl er auch als Außenverteidiger spielen kann.
Der Bundestrainer wird Can gegen Spanien oder Brasilien wohl auflaufen lassen, um ihn noch einmal auf Herz und Nieren zu testen. Überzeugt er nicht, könnte sein WM-Traum platzen. Das Gleiche gilt für Rudy und Brandt, die nur noch "einen Schuss" freihaben, um Löw zu überzeugen. Aber wenigstens haben sie offenbar die Chance, ihre Fähigkeiten zu zeigen.
Ganz anders bei Götze. Der BVB-Profi muss sich wieder über seinen Verein mit Leistungen anbieten. Löw wird genau beobachten, ob Götze so kurz vor der WM noch eine Schippe drauflegen kann. Ansonsten droht der GAU, wenn der WM-Held von 2014 vier Jahre später nicht einmal den Sprung in den Nationalmannschaftskader schafft.
Aber Löw scheint die Hoffnung (noch) nicht aufgegeben zu haben:
Jetzt ist Götze gefordert. Jetzt muss der WM-Held liefern.
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