MLS: Orlando-Superstar Kaká exklusiv im Interview bei Eurosport

Kaká spielte schon für den AC Mailand und Real Madrid, wurde 2007 Weltfußballer. Im Sommer 2014 machte der brasilianische Ausnahmefußballer den Sprung in die USA und wechselte zu Orlando City SC in die MLS. Im exklusiven Eurosport-Interview blickt der 33-jährige Superstar auf sein erstes Jahr in den Staaten zurück - und verrät neue Ziele, auch mit der Selecao.

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Fotocredit: Eurosport

Was waren die Gründe für Ihren Wechsel in die USA?
Kaká: Als ich mich entschieden habe, in die Vereinigten Staaten zu kommen, haben viele Leute gesagt, dass ich hier meine Karriere ausklingen lassen will. Aber wie ich schon oft betont habe: Ich bin nicht hierher gekommen, um meine Laufbahn zu beenden! Ich bin sehr gut in Form und könnte noch immer im europäischen Fußball mithalten. Ich hatte (bei meinem Wechsel nach Orlando, Anm. d. Red.) noch ein Jahr Vertrag beim AC Mailand! Ich bin in die USA gekommen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass die Liga wachsen wird. Ich möchte ein Teil dieser Entwicklung sein.
Wie gefällt Ihnen der US-Lifestyle?
Kaká: In jedem Land, in dem ich gelebt und gespielt habe, habe ich es genossen, mich zu integrieren und den Lebensstil zu verstehen. So war es in Italien, dann in Spanien und jetzt eben in den USA. Ich mag es zu sehen, worauf die Leute stehen und welche Hobbies sie haben. Ich habe mir am College einige Fußballspiele angeschaut und war auch schon bei ein paar NBA-Matches. Bei den Lakers in Los Angeles und bei den Magic in Orlando. Auch beim Eishockey in Tampa war ich schon zu Besuch, bei den Lightnings. Ich wollte einfach Teil der amerikanischen Sportkultur sein. Jetzt verstehe ich auch, wieso die Leute so darauf abfahren (lacht)!
In Ihrer ersten Saison haben Sie mit Orlando die Play-offs verpasst. Wie würden Sie Ihren Start in das "Abenteuer MLS" rückblickend bewerten?
Kaká: Für mich persönlich ist das erste Jahr sehr gut gelaufen, weil ich kaum mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Ich bin absolut glücklich mit meiner Entscheidung, hierher gekommen zu sein. Mit der Leistung des Team bin ich zufrieden. Natürlich wollten wir die Play-offs erreichen. Am Ende haben uns gerade mal drei Punkte gefehlt. Es gab ein paar Heimspiele, die wir hätten gewinnen müssen, es aber nicht geschafft haben. Trotzdem war meine Debütsaison eine tolle Erfahrung.
Ihr erstes Spiel für Orlando bestritten Sie gegen New York City mit David Villa. Was war das für eine Erfahrung?
Kaká: Das war definitiv ein historischen Spiel in meiner Karriere! Ich habe so viele Titel gewonnen und hatte bisher eine wirklich tolle Zeit als Fußballer. Aber dieses Spiel war etwas ganz Besonderes für mich, weil es zugleich auch das erste Spiel von Orlando in der MLS war. Meine drei vorherigen Vereine waren ältere Klubs, geprägt von Tradition. Milan, Real Madrid und Sao Paulo besitzen allesamt ein große Geschichte. Orlando wurde gerade zum Leben erweckt und ich war bei der Geburt dabei.
Sie haben in diesem Spiel sogar das allererste Tor des Vereins erzielt. Was bedeutet Ihnen dieser Eintrag in die Geschichtsbücher?
Kaká: Ich wollte von Anfang an unbedingt dieses erste Tor der Vereingeschichte schießen. Es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen, wir lagen 0:1 zurück. Wir bekamen einen Freistoß zugesprochen, ich trat an und der Ball wurde von der Mauer abgefälscht. Als ich den Ball ins Netz fliegen sah, brachen bei mir alle Dämme: 63.000 Menschen im Stadion so jubeln zu sehen, das war ein ganz besonderer Moment für mich.
In Orlando leben viele Menschen mit südamerikanischen Wurzeln. Wie nehmen Sie die Fußballbegeisterung in der Stadt war?
Kaká: Im letzten Jahr hatten wir im Schnitt 32.000 Zuschauer, das ist unglaublich.Sie kommen jedes Spiel nur, um uns anzufeuern. Auch als wir letztes Jahre einige schwere Phasen hatten, haben uns die Zuschauer immer unterstützt. In einigen Stadien, zum Beispiel in Seattle, sind die Anhänger auch extrem beeindruckend. Die Atmosphäre muss man erlebt haben. In Portland ist es ähnlich. In so vielen Stadien spürt man die Leidenschaft der Fans.
Die Amerikaner lieben All Star Games. Sie haben im vergangen Juli zum ersten Mal am MLS-All-Star-Game teilgenommen und es gleich entscheidend geprägt. Was hat Ihnen dieser 2:1-Sieg gegen Tottenham Hotspur bedeutet?
Kaká: Ich bin mit den amerikanischen Sportarten im Fernsehen aufgewachsen. Jede hat ein solches Spiel der Besten. In Brasilien hat sich quasi jeder, der konnte, das All Star Game in der NBA angesehen. Es hat mir unheimlich viel bedeutet, im All Star Game der MLS dabei zu sein. Ich war nun Teil von etwas, das ich mir früher immer sehr gerne angeschaut habe. Ich habe in diesem Spiel einen Treffer selbst erzielt, einen vorbereitet und wurde zum "Man of the Match" gekürt. Das war ein großer Moment für mich.
MVP im All Star Game, in der Liga neun Tore und sieben Assists. Sind Sie aus sportlicher Sicht mit Ihrer Premierensaison zufrieden? Oder geht da noch mehr?
Kaká: Ich bin zufrieden, aber nicht überglücklich mit meiner Saison. In dieser Saison will ich besser sein. Im ersten Jahr konnte ich mich akklimatisieren, mich an meine Mitspieler gewöhnen und an der Chemie des Teams arbeiten.Ich habe sie davor nie in Aktion gesehen und hatte keine Ahnung von ihrer Art zu spielen. Trotzdem haben wir uns auf dem Platz sehr gut verstanden. Alles in allem bin ich glücklich mit meiner ersten Saison. Daran will ich mich in meinem zweiten Jahr messen lassen. Meine Statistiken möchte ich unbedingt noch verbessern.
Mit Cyle Larin, dem "Rookie of the Year" in der MLS, verstehen Sie sich ganz besonders gut...
Kaká: Er hat diesen Titel verdient. Cyle hatte eine unglaubliche Saison. Sei es aufgrund der Tore (17), die er erzielt hat oder aufgrund seiner Aufopferung für das gesamte Team. Über das ganze Jahr wurde er immer besser und hat sein Niveau stetig nach oben geschraubt. Ich hoffe, dass diese Saison genauso besonders für ihn wird wie die vorherige.
Sie haben sieben Jahre für Milan und vier Jahre für Real gespielt. Vermissen Sie manchmal die Champions-League-Hymne und den europäischen Fußball?
Kaká: Ich muss zugeben: Wenn ich mir ein Champions-League-Spiel ansehe, werde ich schon ein bisschen nostalgisch. Aber ich sehe das alles ganz entspannt. Meine Zeit in Europa war fantastisch, aber ich bereue es nicht, nicht mehr dort zu sein. Ich hatte einfach eine gute Zeit. Es ist ein gute Nostalgie, aber kein Bedauern.
Die Champions League ist für Sie Geschichte, die Nationalmannschaft dafür umso mehr Gegenwart. Nach fast einem Jahr Pause wurden Sie im September wieder für die Selecao nominiert. Überrascht?
Kaká: Ich hatte keine Ahnung, was die Mannschaft, der Nationaltrainer und die Menschen in Brasilien von meinem Wechsel in die USA halten würden. Gott sei Dank haben sie es so aufgenommen, wie ich es mir erhofft hatte. Ich bin hier in einen anderen, wachsenden Markt gegangen. Ich bin nicht hier, um meine Karriere zu beenden. Ich will Teil dieses neuen und spannenden Projekts sein, das zu einem echten Phänomen werden könnte. Für die Selecao stehe ich immer zur Verfügung - zum Glück haben sie mich nominiert.
Im Juni wird die Copa America zum 100-jährigen Jubiläum zum ersten Mal außerhalb Südamerikas gespielt...
Kaká: Und die brasilianische Mannschaft wird in Orlando untergebracht sein! Mit der Selecao hier ein Spiel zu bestreiten, ist ein großartige Sache. Die Einwohner von Orlando können ein Stück brasilianischen Fußball genießen. Ich weiß noch nicht, ob ich auch dabei sein kann. Aber natürlich würde ich liebend gern bei der Copa America in den USA spielen.
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