Durch seinen Nazi-Vergleich gilt Keller als kaum noch tragbar, der Druck auf den 64-Jährigen wächst - erste Verbände und die Deutsche Fußball Liga (DFL) rücken von ihm ab.
"Wir distanzieren uns deutlich und in aller Form von der Äußerung und der Wortwahl, die DFB-Präsident Fritz Keller in Richtung von DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch im Rahmen der Präsidiumssitzung am 23. April getätigt hat", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der DFL-Vertreter im DFB-Präsidium: "Eine solche Äußerung ist absolut inakzeptabel."
Bereits vorher wurde Keller vom Präsidium des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) indirekt der Rücktritt nahegelegt. "Fritz Keller disqualifiziert sich, er vertieft so weiter die Gräben und betreibt Polarisierung", teilte der BFV nach einer Videokonferenz ohne seinen Präsidenten Rainer Koch am Dienstag mit: "Mit einem derartigen Verhalten, das jedwede Grenzen überschreitet und nicht zu tolerieren ist, wird er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht."
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Allerdings schloss Keller, der seit Monaten im Mittelpunkt eines Machtkampfes an der Spitze des größten Einzelsportverbandes der Welt steht, einen Rücktritt vorerst aus. "Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich werde die Aufräumarbeiten, für die ich zum DFB geholt und mit 100 Prozent der Stimmen auf dem Bundestag gewählt wurde, zu Ende führen", sagte der frühere Klubchef des SC Freiburg.

Nimmt Koch Kellers Entschuldigung an?

Zuvor hatte DFB-Vizepräsident Koch am Dienstag explizit der Darstellung Kellers widersprochen, wonach er dessen Bitte um Verzeihung bereits nachgekommen sei. Koch teilte auf "SID"-Anfrage vielmehr mit, dass er die schriftliche Entschuldigung des Präsidenten "bislang nicht angenommen" habe, "weil er den gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Fritz Keller aufarbeiten möchte".
Laut der "Sport Bild" will Koch erst nach einem Treffen mit Keller am Wochenende bei einer Tagung der 21 Landesverbände in Potsdam entscheiden, ob er die Entschuldigung akzeptiert.
Der DFB-Boss hatte dagegen erklärt, dass er sich "in aller Form persönlich im Gespräch wie auch schriftlich bei Rainer Koch entschuldigt" und Koch "die Größe" gezeigt habe, "die Entschuldigung anzunehmen" - wofür er "ihm dankbar" sei. Keller hatte Koch laut übereinstimmenden Medienberichten mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen.
Koch, im Hauptberuf selbst Richter, ist davon nach "SID"-Informationen derart schwer getroffen, dass eine Annahme der Entschuldigung nicht vorausgesetzt werden kann. Der seit Jahren krisengeplagte DFB äußerte sich bislang nicht im Detail zu den Vorgängen, die angeblich bereits bei der Ethikkommission der Verbandes gelandet sind. Der DFB bestätigte aber die Zitate Kellers in der "Bild-Zeitung".
"Manchmal fallen in Kontroversen Worte, die nicht fallen sollen und nicht fallen dürfen", sagte Keller:
Insbesondere auch im Hinblick auf die Opfer des Nationalsozialismus war der Vergleich gänzlich unangebracht. Ich bedauere dies sehr und werde meine Worte künftig weiser wählen."

SFV reagiert mit Entsetzen auf Keller-Aussagen

Ob Keller zukünftig überhaupt noch Worte als DFB-Chef wählen kann, erscheint fraglich. So reagierte das Präsidium des mächtigen Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV), dem unter anderem DFB-Vize Ronny Zimmermann angehört, am Dienstag mit "Entsetzen und völligem Unverständnis" auf "die Äußerungen und die Wortwahl von DFB-Präsident Fritz Keller".
"Dies ist eine Äußerung, die völlig inakzeptabel ist. Unser Präsident Dr. Rainer Koch verdient Respekt, und wir wissen, dass er sich in den Dienst der Sache stellt, um den Amateurfußball zu sichern", teilte der SFV mit:
Gerade als langjähriger Vorsitzender Richter ist es völlig abwegig, ihn auch nur ansatzweise in die Nähe des höchsten Repräsentanten der unsäglichen und menschenverachtenden Willkürjustiz des Dritten Reiches zu rücken."

Krisenmodus beim DFB hält an

Sollte Keller doch das Handtuch werfen, wäre er der dritte Verbandsboss in Folge, der seinen Rücktritt erklärt. Vor Keller hatten bereits Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel vorzeitig ihren Posten verlassen.
Der DFB befindet sich seit dem Beginn der Affäre um die WM-Vergabe 2006 im Krisenmodus. Keller hätte den Verband eigentlich beruhigen sollen, doch das Gegenteil war der Fall. Seit Monaten tobt ein Machtkampf zwischen ihm und dem Lager um Generalsekretär Friedrich Curtius. Dabei gelangen immer wieder pikante Details an die Öffentlichkeit, die beide Seiten in ein schlechtes Licht rücken.
Um die DFB-Spitze wieder handlungsfähig zu machen, hatten zuletzt auch die Landesverbände in den Streit eingegriffen. Aus ihren Reihen kommt auch der Vorschlag zur Einberufung eines außerordentlichen Bundestags in diesem Sommer, um den Konflikt durch Personalentscheidungen zu beenden.
Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger ("Ich bin schon fassungslos") sieht neben den Verbänden auch die Deutsche Fußball Liga in der Pflicht. "Die Landesverbände und der Ligaverband sind jetzt aufgerufen, etwas zu tun", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung: "An der DFB-Spitze ist man seit Monaten in Feindschaft befreundet, der DFB wirkt gelähmt."
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(SID)

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