Chelsea-Trainer José Mourinho: "Fühle mich von meinen Spielern verraten"

Der FC Chelsea steckt tief in der Krise. Klub-Mäzen Roman Abramowitsch muss in den kommenden Wochen eine wichtige Entscheidung treffen. Entweder Trainer José Mourinho wird entlassen oder ein paar Schlüsselspieler gehen. Sky-Experte Jamie Carragher brachte es nach der 1:2-Pleite gegen Leicester auf den Punkt: "So kann es nicht weitergehen. Chelsea muss sich entscheiden, um wieder Erfolg zu haben."

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Vom "Über-Trainer" zur Witzfigur. Ganz England lacht über Mourinho, nur die Chelsea-Fans nicht. Denen ist das Lachen in dieser Saison lange vergangen.
Genau wie dem Portugiesen, dessen Team nach der 1:2-Niederlage gegen die "Foxes" als Tabellen-16. nur noch ein Zähler von den Abstiegsrängen trennt.
"Eine meiner besten Qualitäten ist es, das Spiel für meine Spieler zu lesen. Aber ich fühle mich in meiner Arbeit verraten", sagte Mourinho. "Eine Möglichkeit ist, dass ich in der letzten Saison einen tollen Job gemacht und die Spieler auf ein Top-Niveau gebracht habe, das sie jetzt nicht mehr abrufen können."
Die andere Möglichkeit wäre, dass Chelsea einfach zu viele Möglichkeiten ungenutzt lässt. Aus 216 Schüssen resultierten lediglich 15 Treffer (ohne Eigentore des Gegners). Eine miserable Quote von sieben Prozent. Schlechter ist nur Tabellenschlusslicht Aston Villa mit 12 Toren aus 173 Schussversuchen.

Mourinho: "Will weiter hart arbeiten"

Eine vernichtende Statistik für die "Blues", die der Abstiegszone immer näher kommen. Im vergangenen Jahr verlor Chelsea in der gesamten Saison nur drei Spiele. Nach 16 Spieltagen in der Premier League 2015/16 sind es bereits neun Niederlagen - bei drei Unentschieden und vier Siegen (18:26 Tore).
Noch hat sich Milliardär und Klubbesitzer Abramowitsch nicht zu Wort gemeldet. Der Russe gilt als großer Fan des Portugiesen, holte ihn 2004 und 2013 zweimal an die Stamford Bridge. Nach dem Titelgewinn im vergangenen Jahr folgte nun aber der Absturz. Chelsea droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Zum letzten Mal stieg Chelsea 1987/88 ab. Zuvor drei Mal in den Jahren 1978/79, 1974/75 und 1961/62. "Ich akzeptiere, dass wir in der Abstiegszone sind, aber akzeptiere nicht, dass wir uns im Abstiegskampf befinden", schimpfte Mourinho, dessen Team sich am falschen Ende der Tabelle wiederfindet.
Um aus der Krise zu kommen, will Mourinho weiter hart mit seiner Mannschaft arbeiten. Die Frage ist nur, ob alle Chelsea-Profis noch hinter ihrem Trainer steht. Vor wenigen Wochen bekundeten die Spieler noch, dass sie zu ihrem Trainer halten. Diese Meinung könnte sich in mittlerweile geändert haben.

Schlechtester Saisonstart seit 1978

Zumal sich Mourinho mit Kritik nicht zurückhält. In Richtung Stürmer Diego Costa erklärte der 52-Jährige: "Ich habe ihm einen Mittelfeldspieler, dann einen zusätzlichen Stürmer spendiert. Aber Diego hat Schwierigkeiten im Strafraum. Wahrscheinlich ist er außerhalb des Strafraums besser", polterte Mourinho.
Eden Hazard warf er vor, dass er sich in der zehnten Minute selbst ausgewechselt hat. "Wahrscheinlich hat er das schnell für sich entschieden. Das muss ja eine schlimme Verletzung gewesen sein", meinte Mourinho sarkastisch und sichtlich angesäuert mit Blick auf den Belgier.
Die Balljungen in Leicester bekamen ebenfalls ihr Fett weg. "Wir hatten noch 15 Minuten zu spielen nach unserem Treffer zum 1:2. Aber die Jungs hatten so lange den Ball in der Hand, dass es am Ende effektiv nur fünf Minuten waren. Diese Balljungen sind eine Schande für die Premier League."
Anstatt sich auf diese ärgerliche Randnotiz zu stürzen, sollte Mourinho schnellstens die Ärmel hochkrempeln, um dem schlechtesten Saisonstart seit 1978 ein Ende zu setzen. Vor allem auch, um seinen Hals zu retten, denn die Zeit drängt. Noch nie ist Chelsea in der Hinrunde schlechter gewesen als jetzt.
Aber Mourinho denkt noch lange nicht daran, das Handtuch zu werfen: "Ich möchte bleiben und hoffe, dass Herr Roman Abramowitsch und der Vorstand wollen, dass ich bleibe, weil ich weitermachen will."
Die Entscheidung über Mourinhos Zukunft liegt aber nicht mehr in seinen eigenen Händen.
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