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Braucht der FC Arsenal einen Top-Stürmer? Arsène Wenger widerspricht Thierry Henry
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Publiziert 10/08/2015 um 14:28 GMT+2 Uhr
Der Premier-League-Auftakt ging in die Hose. Trotzdem strebt der FC Arsenal in der neuen Saison nach dem Höchsten - der ersten Meisterschaft seit 2004. Trainer Arsène Wenger ist zuversichtlich wie lange nicht, die Kardinalfrage aber besteht weiter: Fehlt den "Gunners" ein echter Kanonier, ein Stürmer von Weltformat? Da gehen die Meinungen von Wenger und Ex-Star Thierry Henry auseinander.
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Zuletzt funktionierte der FC Arsenal wie eine Ketchupflasche: erst lange nichts, dann alles auf einmal. Nach dem FA-Cup-Sieg 2005 durchliefen die "Gunners" eine neunjährige Talsohle, in den vergangenen 15 Monaten aber staute sich Silberware an - zweimal FA-Cup, zweimal Community Shield.
Erfolg macht süchtig. Vor allem, wenn er Gewohnheit war und dann zu einer Beute wurde, die man vergebens jagte, Jahr für Jahr. Gefragt, ob die Arsenal-Equipe stark genug sei, um nach dem Premier-League-Titel zu greifen, antwortete Trainer Arsène Wenger: "Ja, das glaube ich." Die Tonlage ließ keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Aussage aufkommen.
Nun ist der 65-Jährige per se ein optimistischer Mensch, aber selbst die gestrenge englische Presse hat diesen FC Arsenal ja für reif befunden; die "Times" konstatierte "den besten Kader seit einem Jahrzehnt". Ein Trugschluss? Der Aufgalopp war ernüchternd: 0:2 daheim gegen West Ham, blutleer und ideenlos, ein klassischer Fehlstart. Der "Guardian" sprach von "Horror", der "Express" von "Schülerfehlern", und Wenger meinte, man habe "Selbstmord" begangen.
Henrys Rat an Wenger
Beim bis dato letzten Premier-League-Titel 2004 ("The Invincibles") bildete Thierry Henry die Speerspitze einer Offensivwucht, insgesamt schoss er 226 Tore für Arsenal. Es verwundert daher nicht, dass er seinem Ex-Klub zu Angriffspower rät.
Das nämlich ist die Kardinalfrage am Emirates: Sind die "Kanoniere" nur ein Sturm im Reagenzglas?
Im Vorjahr traf Arsenal 72 Mal, Champion Chelsea einmal öfter. Vakanzen? Kaum. Allerdings stellte auch jeder englische Meister seit 2009 einen Akteur mit mindestens 20 Saisontoren: Didier Drogba (2010) und Diego Costa (2015) bei Chelsea, Sergio Aguero (2012) und Yaya Touré (2014) bei Manchester City, Dimitar Berbatov (2011) und Robin van Persie (2013) bei Manchester United.
Arsenals bester Schütze des Vorjahres war Olivier Giroud, dem immerhin 14 Treffer glückten. Drei Monate verpasste der Angreifer verletzt, und Wenger behauptet, dass er ansonsten in die Phalanx der Elite vorgedrungen wäre. Aber: Auf Top-Niveau wirkt der 28-Jährige limitiert. "Giroud als einzig gelernter Mittelstürmer - damit kannst du die Liga nicht gewinnen", moniert Henry gegenüber "Sky Sports".
Flüssiger wurde das Arsenal-Spiel, als Theo Walcott in vorderster Front wirbelte, etwa beim 4:0-FA-Cup-Triumph über Aston Villa. "Er ist einer, von dem du nicht dachtest, dass er als Mittelstürmer spielen wird", sagt Henry.
Alexis Sánchez, die dritte denkbare Variante, kam 2014/15 hauptsächlich auf den Flügeln zum Zug, traf dennoch häufiger als Giroud (16 Mal) und kennt das Zentrum aus der chilenischen Nationalmannschaft. "Wir haben Offensivpotential", folgert Wenger, der die Verantwortung weiter auffächert: "Ich sehe nicht, warum Alex Oxlade-Chamberlain nicht den Anspruch haben sollte, zehn Tore zu schießen, genau wie Mesut Özil, wenn er hinter dem Stürmer spielt."
"Wir werden nur einen Superstar verpflichten"
Özil darf endlich auf seiner Lieblingsposition als Regisseur ran, "er kann einer der großen Spieler der Saison werden", prophezeit sein Trainer und mahnt: "In Sachen Torgefährlichkeit erwarten wir noch mehr von ihm." Ähnliches gilt für Aaron Ramsey, Santi Cazorla oder Danny Welbeck, doch Wenger, seit 1996 in Diensten der Londoner, stellt das Kollektiv über den Einzelnen: "Wir müssen uns als Ganzes entwickeln."
Und trotzdem korrespondiert die vorherrschende Meinung eher mit Henrys Ansicht: Es braucht noch einen Weltklassemann für den Angriff.
Bloß wen?
"Wir sind offen, ohne verzweifelt zu suchen", erklärt Wenger. Es ist schwieriger geworden bei den reinrassigen Strafraumstürmern, das knappe Angebot treibt den Preis nach oben. Arsenal-Aufsichtsrat Philip Harris gewährt via "Daily Mail" interessante Einblicke: "Wir werden nur einen Superstar wie Özil oder Sanchez verpflichten!"
Überteuerter Durchschnitt am Markt
Diese Kategorie ist jedoch ausgedünnt. Edinson Cavani und Alexandre Lacazette bleiben mutmaßlich in Paris respektive Lyon, Gerüchte um Bayerns Robert Lewandowski sind nicht haltbar. Das Interesse an Karim Benzema soll beständig, aber relativ aussichtslos sein, schon 2014 holten sich die "Gunners" beim Madrilenen eine blutige Nase - schade, findet Henry: "Mit Benzema wären sie sogar ein Anwärter auf die Champions League!"
Fernab der Güteklasse wird der Markt von überteuertem Durchschnitt überschwemmt, wie bei Andy Carroll, der 2011 für 41 Millionen zu Liverpool wechselte und sich als Total-Flop entpuppte.
Arsène Wenger besitzt also durchaus Argumente, wenn er Legende Henry widerspricht. "Thierry hat großes Fußball-Fachwissen, aber so leicht ist es nunmal nicht", weiß der Elsässer. Und überhaupt sind die Zeiten ja nicht zu vergleichen: "Als Thierry noch aktiv war, wusstest du vor dem Spiel, dass du von ihm ein Tor erhalten wirst…"
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