Achtung, Mister Klopp! Diese Stolpersteine lauern beim FC Liverpool
Jürgen Klopp kommt als neuer Trainer des FC Liverpool gut an - aber die Aufgabe ist keine leichte. Unrealistische Titelträume, ein undurchsichtiges Management und potente Konkurrenz können dem Trainer das Leben schwer machen. eurosport.de nennt sechs Dinge, die der Trainer unbedingt in den Griff kriegen muss.
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Kloppomania in England!
Der neue Trainer des FC Liverpool hat an seinem ersten Tag die Herzen der Engländer im Sturm erobert. Wer es nicht mit den "Reds" hält, musste zumindest anerkennen: Jürgen Klopp als Trainer geholt zu haben, das ist ein echter Coup!
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26/07/2025 um 21:12 Uhr
Doch bei aller Wärme und Begeisterung, die Klopp entgegenschlägt, darf man nicht vergessen, welch schwere Aufgabe der 48-Jährige beim FC Liverpool vor sich hat.
Die möglichen Stolpersteine für Klopp in England:
1. Die Erwartungshaltung
In Liverpool scheinen einige Fans fast schon zu erwarten, dass Klopp demnächst mal eben laufend den Ärmelkanal überquert (oder zumindest die Mersey). Wo auch immer man hinhört: mit Klopp werden sofort Titel assoziiert. Der Meistertitel ist der ultimative Traum. De facto hat Liverpool seit 2009 aber nur einmal eine bessere Platzierung als Platz sechs erreicht (Vize-Meister 2013/2014). Das weiß Klopp, der sagt: "Erwartungen können ein Problem sein, ein echter Rucksack. Und mit 20 Kilo auf dem Rücken läuft sich nicht so gut."
Klopp hielt sich zwar mit Prognosen zurück, versprach aber auch den Gewinn einer Trophäe bis spätestens 2019: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in vier Jahren einen Titel gewonnen haben." Außerdem setzte er sich das ehrenwerte Ziel, die Fans unterhalten zu wollen: "Unsere Aufgabe ist es, die Fans ihre Probleme für 90 Minuten vergessen zu lassen. Dafür lebe ich." Daran wird er sich aber auch messen lassen müssen.
2. Der Hype
Die Begeisterungsfähigkeit der BVB-Fans in Ehren, aber Liverpool ist nochmal eine ganz andere Nummer. Klopp kann sich in der Öffentlichkeit kaum frei bewegen, was ihn ärgert, will er doch nur ein Normalo ("The normal one") sein. Der Respekt vor den Einschränkungen seines Lebens durch die besonders bissigen britischen Paparazzi ist groß, seine Frustrationsschwelle - das merkte man schon während der Pressekonferenz - eher niedrig.
Das kann wichtige Körner kosten, muss es aber nicht. Auf die Frage von "Sky", wie gut er auf seine Superstarrolle vorbereitet sei, sagte er ehrlich: "Wie immer: gar nicht. Ich erwarte, dass man meine Privatsphäre respektiert. Wenn sich das nicht beruhigt, dann müssen wir das beruhigen." Immerhin: In Liverpool kann er abgeschotteter trainieren als das beim BVB der Fall war.
3. Die "Fenway Sports Group"
Die Klub-Eigner haben Klopp den roten Teppich ausgerollt: Sie entlohnen ihn fürstlich (angeblich mit zehn Millionen Euro pro Saison), lassen ihn seine Assistenten Zeljko Buvac und Peter Krawietz mitbringen (Klopp: "Das war unabdingbar, sie sind meine Brüder im Geiste") und überschütten ihn mit Lob. "Wir glauben, jemanden gefunden zu haben, der den Erfolg zurückbringen kann. Seine Spielphilosophie und seine Persönlichkeit passen gut zu Liverpool, das könnte eine gute Ehe werden", sagte Geschäftsführer Ian Ayre. Und Vorstand Tom Werner sagte:
Diesen Vorschusslorbeeren muss er nun gerecht werden. Und auch, wenn Klopp sagt, dass er kein Problem mit dem "transfer committee" habe - Geld ist da und das muss in Zukunft klüger investiert werden als bisher. Klopp machte klar, dass er dabei "das erste und das letzte Wort" haben möchte - also sehr viel Macht. Denn im Klartext heißt das nichts anderes als: Er liefert die Vorschläge und er sagt am Ende, ob ein Spieler gekauft wird oder nicht. Da bleibt nicht viel dazwischen zu diskutieren - was die vielköpfige und ein wenig undurchsichtig organisierte FSG sicher nicht ohne weiteres akzeptieren wird, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt.
4. Die "Manager"-Rolle
Sein Sabbatical hat Klopp vorzeitig abgebrochen. "Vier Monate Urlaub waren genug", sagte er: "Ich bin gut vorbereitet und in Bestform." In England ist die Aufgabenstellung an einen "Manager", wie es auf der Insel heißt, jedoch weiter gefasst als in Deutschland. Man erwartet von ihm auch, Sportdirektor zu sein. Also Klopp und Michael Zorc in einem, wenn man so will. "Dass er als Manager Trainer und Sportdirektor in einer Person ist, wird neu für ihn sein. Er ist jetzt der Kopf des Vereins für den sportlichen Bereich", sagte England-Experte Steffen Freund bei "Sky". Das heißt auch, dass Klopp delegieren lernen muss.
An seinem ersten Tag wurde der 48-Jährige gefragt, ob es sich anpassen kann. Das konnte er nicht recht beantworten: "Es ist immer noch Fußball, nach denselben Regeln, das wird nicht so schwer sein. Aus Erfahrung weiß ich: zuhören, sehen, fühlen - und dann drüber nachdenken, was man ändern will. Das ist jetzt wichtig." Klingt ein bisschen naiv, wenn auch nicht falsch.
5. Die Mannschaft
Klopp sagt, dass er zum einen einen "wilden" Spielstil implementieren will, auf der anderen Seite will er aber zunächst die Defensive stärken. Das muss sich nicht widersprechen, kann aber zu Missverständnissen führen. Aus der Vergangenheit weiß man: Seine Spieler müssen sich Klopp voll hingeben, Skepsis ist da hinderlich. Klopp:
Klopp fordert außerdem: "Vollgas geben und ans Limit gehen - in jedem Spiel." Die Spieler müssen mitziehen. Bedingungslos. Ob das alle können? Eine leicht beeinflussbare No-Name-Truppe ist Liverpool eben auch nicht - Klopps neuer Kader hat über 300 Millionen Euro gekostet. Stürmer Christian Benteke ist der siebtteuerste Spieler der Premier League aller Zeiten (46,5 Mio.), traf aber erst zweimal. Klopp weiß also: "Ich brauche Hilfe. Wir müssen gemeinsam neu anfangen."
6. Die Konkurrenz
Eden Hazard, Sergio Agüero, Kevin De Bruyne, Wayne Rooney, Cesc Fàbregas, Alexis Sánchez, Mesut Özil, Diego Costa, Thibaut Courtois, Raheem Sterling, David Silva - die Stars der Premier League spielen nicht in Liverpool. Realistisch gesehen gehört der Klub nicht mehr zu den "Big Four", das sind der FC Chelsea, Manchester City, Manchester United und der FC Arsenal. Nichts gegen die Trainer der Bundesliga, aber sich gegen Typen wie José Mourinho, Louis van Gaal oder Arsène Wenger zu behaupten, sie auf dem Platz auszutricksen, wird schwer. "Im Fußball kann man so gut sein, wie man will - es gibt auch noch den Gegner", sagte Klopp am Freitag richtig. Sein Saisonziel ist deshalb: "So erfolgreich wie möglich zu sein." Das könnte den Fans und dem Vorstand am Ende aber immer noch nicht gut genug sein.
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