Kanté, Vardy, neue Regeln: Die Gründe für den Absturz von Leicester City

Leicester City ist nach dem überraschenden Meister-Coup der vergangenen Saison hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Vor dem Spiel gegen West Ham an Silvester (16.30 Uhr in den Livescores) hat das Team von Claudio Ranieri als 16. nur drei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Warum das so ist? Wir haben die Eurosport-Kollegen von der Insel um Aufklärung gebeten.

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1. Überraschungsmoment verloren

In der vergangenen Saison überrumpelte der spätere Meister die Gegner reihenweise mit einer antiquiert wirkendenden Kick-and-Rush-Kontertaktik. Mittlerweile wissen alle über die Stärken der Foxes Bescheid, passen ihre Taktik dementsprechend an und stören insbesondere die Kreise von Riyad Mahrez und Jamie Vardy permanent.
Wie es laufen kann, wenn man Leicesters Spielidee keinerlei Beachtung schenkt, musste Pep Guardilola erfahren. Der Katalane versäumte es, seinen City-Stars Lösungen mit auf den Weg zu geben, um Konter Leicesters zu verhindern - und wurde mit einer 2:4-Pleite bitter bestraft.
Der Rest der Liga hat schon gelernt. Guardiola kann in der Rückrunde beweisen, dass er dazu ebenfalls in der Lage ist.

2. Neue Regeln in der Premier League

Vor Beginn der laufenden Saison gab die FA bekannt, ihre Schiedsrichter anzuleiten, "Halten" im Strafraum künftig rigoroser zu bestrafen. "Halten" ist laut Definition der FA jede Aktion, die ein Trikotziehen, Blockieren bzw. Sperren umfasst.
Zwar kommt es nicht nur bei Eck- und Freistößen zu diesem Regelverstoß, jedoch ist das Halten im Strafraum bei Standardsituationen besonders häufig.
Ein Umstand, der insbesondere Leicesters Innenverteidiger-Kanten Robert Huth und Wes Morgan zu schaffen macht.
"Ich glaube nicht, dass wir so aggressiv sein können wie zuvor", sagte Morgan im Oktober:
"Wir waren immer nah am Gegenspieler, haben ihre Laufwege blockiert und den Körperkontakt gesucht. Jetzt können wir dafür mit einem Elfmeter bestraft werden", so Morgan weiter.
Die Folge: Leicester fängt sich in dieser Saison reihenweise Gegentore nach Standards. 30 der 31 Gegentreffer fielen innerhalb des Strafraums.

3. Stars in der Krise

Wie bereits in Punkt 1 erwähnt, müssen sich Vardy und Mahrez einer deutlich engeren Bewachung erwehren. Dennoch ist ihre Leistung in dieser Saison enttäuschend.
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Vardy gerade im elften Ligaspiel in Folge getroffen und damit den Rekord von ManUnited-Legende Ruud van Nistelrooy gebrochen.
Zwölf Monate später sieht das anders aus. Vardy ist zwar erneut bester Torschütze seiner Mannschaft, hat aber lediglich fünf Treffer auf dem Konto. Ein Grund sind die fehlenden Zuspiele von Mahrez.
Der Algerier, der nach der vergangenen Saison zum Fußballer des Jahres in England gewählt wurde, spielte zwischen dem 24.09. und dem 19.11.2016 in sieben Partien nur einen (!) einzigen Pass auf Vardy.
Von seinen 18 Treffern und zehn Assists ist Mahrez weit entfernt. Und auch Vardy dürfte seine Ausbeute von 24 Treffern wohl nicht mehr erreichen.

4. Der Verlust von N’Golo Kanté

Wie wichtig der Franzose für das Spiel einer Mannschaft sein kann, verdeutlicht ein einfacher Blick auf seinen alten und seinen neuen Klub.
Während Leicester ohne den 25-Jährigen die Ordnung im Spiel völlig verloren hat und am Ende der Tabelle herumdümpelt, zieht der FC Chelsea an der Spitze einsam seine Kreise.
Nicht wenige Experten auf der Insel sehen in Kanté den entscheidenden Mann für den Erfolg der "Blues".
Kanté agiert als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Kann hinten ebenso abräumen, wie vorne den tödlichen Pass spielen.
Fähigkeiten, die Leicester merklich abgehen.

5. Veränderte Prioritäten

Durch den Überraschungserfolg im vergangenen Jahr fanden sich die Foxes plötzlich im Konzert der ganz Großen wieder. Und das mit Erfolg.
Die Vorrunde der Champions League wurde souverän auf Platz eins abgeschlossen. Der Einbruch in der Liga ist die Kehrseite der Medaille.
Zwischenzeitlich schonte Ranieri seine Stars für die Spiele in der Königsklasse. Offenbar hatte er nicht geglaubt, dass sein Team zur Halbzeit der Saison um den Klassenerhalt kämpfen muss.
Nicht wenige Fans hoffen mittlerweile, dass das Achtelfinale gegen den FC Sevilla Endstation in der Champions League ist. Ein Abstieg auf Kosten ein paar schöner Europapokal-Abende wäre für sie kaum zu verschmerzen.
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