Taktik-Check: Darum dominiert der FC Chelsea die Premier League
VonLuca Baier
Publiziert 04/01/2017 um 08:53 GMT+1 Uhr
Der FC Chelsea eilt in der Premier League von Sieg zu Sieg. Können die "Blues" gegen die Tottenham Hotspur die 14. Partie in Folge gewinnen? Vor dem Spitzenspiel am Mittwoch (21:00 Uhr im Liveticker) analysiert Eurosport.de, warum Chelsea derzeit unschlagbar ist - denn bei all der Aufregung um Pep Guardiola und José Mourinho ging unter, dass Antonio Conte den größten Einfluss auf sein Team hatte.
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Fotocredit: Eurosport
Frank Lampard, Petr Cech und Didier Drogba sind weg, John Terry ist nur noch Ersatzspieler. Der Chelsea Football Club hat in den vergangenen Jahren einen Umbruch durchgemacht, der schwieriger ausfiel als von vielen gedacht. Neben vielen Wechseln im Spielerkader übernahm in diesem Sommer auch ein neuer Trainer.
Nach der Hälfte der Saison lässt sich festhalten: Dieses Chelsea performt wie ein seit Jahren eingespieltes Team und führt die Tabelle verdient an.
Chelsea: Balance trotz Asymmetrie
Unter dem Italiener Antonio Conte spielt Chelsea im 3-4-3, das sich vor allem durch seine hervorragende Balance auszeichnet. Die Londoner erzielten die zweitmeisten Tore, kassierten aber die wenigsten Gegentreffer in der Liga.
In der Stammelf stehen sieben eher defensiv ausgerichtete Feldspieler, vorne wirbeln die drei Stürmer mit allen Freiheiten. Die Dreierkette bei Ballbesitz wird von César Azpilicueta, David Luiz und Gary Cahill gebildet. Während Letztere Innenverteidiger sind, ist Azpilicueta eigentlich ein gelernter Außenverteidiger.
Chelsea in Ballbesitz:
Passend dazu spielt vor ihm Victor Moses im rechten Mittelfeld, früher als Flügelstürmer unterwegs. Auf der linken Seite spielt der klassische, defensiv ausgerichtete Cahill hinter Marcos Alonso, einem Linksverteidiger, der nun vorgezogen agiert.
Durch die Spielertypen entsteht ganz automatisch eine interessante Asymmetrie im Spiel des Tabellenführers: Während man über die linke Seite eher vorsichtig aufbaut, wird das Spiel über rechts sehr schnell gemacht.
Hazard: Endlich wieder Weltklasse
Zum variablen Aufbauspiel tragen auch die Bewegungen des Sturmtrios bei. Diego Costa ist nicht nur Zielspieler für lange Pässe, sondern bietet sich immer wieder im Zehnerraum an und lässt Bälle auf die Sechser prallen. Pedro agiert als spanische Version von Thomas Müller auf den ersten Blick wirr, auf den zweiten aber sehr intelligent im gesamten Angriffsdrittel. Seine Läufe öffnen Räume für die Kollegen, nahezu im Minutentakt.
Der große Profiteur davon ist Eden Hazard. Der Belgier, grundsätzlich mit Weltklasseanlagen ausgestattet, tat sich in den letzten Jahren schwer - die Defensivarbeit im 4-2-3-1 sowie das stockende Kombinationsspiel sorgten für maximal durchschnittliche Leistungen. Nun ist Hazard wieder der Spieler, der den Unterschied ausmacht.
Von seiner Grundposition als Linksaußen im 3-4-3 löst er sich immer wieder ins Mittelfeld und gibt den Spielmacher. Dabei schlägt er jedoch keine Traumpässe. Er bietet sich auch in den engsten Situationen an und fordert den Ball. Diesen nimmt er aufgrund seiner starken Technik und dem ständigen Umblicken so gut mit, dass sofort eine Linie des Gegners überspielt ist.
Nimmt er dann Tempo auf und geht auf die Abwehrkette zu, ist die Situation nur noch extrem schwer zu verteidigen. Hazard kann mit beiden Füßen abschließen, sein Tempo und der niedrige Körperschwerpunkt erlauben ihm schnelle Richtungswechsel in letzter Sekunde.
Catenaccio light: Chelseas Defensivbollwerk
Doch auch im Spiel gegen den Ball glänzt Chelsea. Die Dreierkette wird von Victor Moses und Alonso zu einer Fünferkette aufgefüllt, Pedro und Hazard lassen sich ins Mittelfeld fallen. In diesem 5-4-1 zieht sich Contes Mannschaft weit zurück, teilweise sogar bis an den eigenen Strafraum.
Chelsea bei gegnerischem Ballbesitz:
Das Defensivkonzept des ehemaligen Juve-Trainers wirkt auf den ersten Blick recht passiv. Der Gegner wird erst sehr spät unter Druck gesetzt, die Spieler verteidigen fast ausschließlich im Raum. Da die Mittelfeldreihe jedoch sehr eng steht - oftmals lediglich auf Breite des Mittelkreises -, wird der Gegner automatisch nach außen gelenkt.
Dort kann Chelsea schnell Überzahlsituationen herstellen, indem ein Innenverteidiger mit auf die Seite schiebt, wo Alonso und Hazard bzw. Moses und Pedro ihre Gegenspieler stellen. So kann auf der Außenbahn Druck ausgeübt werden, ohne dass das Zentrum geöffnet wird - zwei Innenverteidiger und zwei Sechser davor bilden weiterhin eine gute Absicherung.
Eurosport-Check: Chelsea is back! Bei all der Aufregung um Pep Guardiola und José Mourinho bei den Klubs aus Manchester ist etwas untergangen, dass Conte in London den größten Einfluss auf sein Team hatte. 13 Siege in Serie sprechen für sich, darunter klare und verdiente Erfolge gegen die Topmannschaften. Schlägt Chelsea auch Tottenham, ist ihnen der Titel kaum noch zu nehmen.
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