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Manchester City: 5 Gründe für die furchterregende Dominanz

The Invincibles? 5 Gründe für ManCitys furchterregende Dominanz

29/11/2017 um 16:25Aktualisiert 30/11/2017 um 09:16

Manchester City pflügt unbarmherzig durch die Premier League. Trainer Pep Guardiola hat aus einer Passmaschine eine Siegmaschine gemacht und lehrt der Konkurrenz mit dominanten Auftritten das Fürchten. Doch wie haben sich die Citizens von einer Saison auf die andere zum derzeit vielleicht besten Team Europas gemausert? Fünf Gründe für den Höhenflug.

Manchmal reicht eine simple Statistik. Der 2:1-Sieg von Manchester City bei Huddersfield Town war keineswegs schön anzusehen. Eher: Ein Arbeitssieg, heraufbeschworen durch einen zumindest diskutablen Elfmeter von Sergio Agüero (47.) und ein eher glückliches Pingpong-Tor von Raheem Sterling kurz vor Schluss (84.).

Doch dann war eben diese Statistik, die von ManCitys Überlegenheit in der zweiten Halbzeit zeugte.

Erfolgreiche Pässe Huddersfield Town: 37. Erfolgreiche Pässe Manchester City: 338. Faktor 9,1.

"Manchester City ist momentan das beste Team der Premier League und damit wahrscheinlich auch eins der besten der Welt. Sie spielen fantastischen Fußball", hatte Huddersfield-Coach David Wagner schon vor dem Kräftemessen mit dem Tabellenführer gesagt. Und nachher:

"Wenn sie sich wohl fühlen auf dem Platz und du es ihnen nicht ungemütlich machst, hast du keine Chance gegen sie."

ManCity: Die neue Siegmaschine

Unter Pep Guardiola ist ManCity nicht nur zur Passmaschine geworden, sondern auch zur Siegmaschine.

Lediglich das erste Heimspiel der Saison gegen den FC Everton (1:1) und der Zittersieg gegen die niederklassigen Wolverhampton Wanderers im League Cup (4:1 i.E.) waren nicht so prickelnd. Bilanz in den restlichen 17 Pflichtspielen: 17 Siege.

Wettbewerbsübergreifend 18 Siege in Folge sind ebenso englischer Rekord wie elf siegreiche Auswärtsspiele. Und wer sagt, dass ManCity nicht auch ungeschlagen englischer Meister werden kann wie Preston North End 1888/89 und der FC Arsenal 2003/04?

Pep Guardiola hält den Ball flach

Gut, Guardiola selbst unkte zuletzt ein wenig herum. Das Gerede von den "Invincibles", den Unbesiegbaren, konterte er in Huddersfield mit einem: "Oh, wir werden verlieren, er wird passieren. Definitiv. Diesmal waren wir schon nahe dran."

Die Konkurrenz beruhigt er damit nicht. Acht Punkte Vorsprung auf den Stadtrivalen hatte sich ManCity vor dem 14. Premier-League-Spieltag erarbeitet, Tendenz steigend.

Was macht die Citizens 2017/18 so gut, wo liegen die Gründe für den Siegeszug?

5 mögliche Erklärungen:

Hoher Konkurrenzdruck im Team

Nach einem lehrreichen Jahr ohne Titel hat Guardiola sein Team nicht nur für die vielzitierten 250 Millionen Euro verstärkt (bei "nur" 100 Millionen Euro Transfereinnahmen), sondern das ohne Zweifel vorhandene Talent auch endgültig mit seiner Fußball-Manie angesteckt.

"Er hat überhaupt nichts verändert in seiner Arbeitsweise", sagte Guardiolas Ex-Schützling Thierry Henry kürzlich bei "Sky Sports":

Er lässt so spielen wie immer, mit demselben Konzept. Der Kader hat sich verändert, seine Philosophie und seine Identität nicht.

Durch die Sommer-Neuzugänge hat sich die Konkurrenzsituation im Team noch einmal verschärft. Die darwinistische Konsequenz daraus: Entweder man unterwirft sich Guardiolas Philosophie und zieht zu hundert Prozent mit, oder man sitzt draußen.

Angesprochen auf die Reservistenrolle von Eliaquim Mangala, meinte Guardiola letzte Woche kühl: "Er bleibt, aber wir werden den Kader immer wieder neu anpassen, im Winter und im Sommer." Das sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit im Team.

Raheem Sterling

Raheem SterlingGetty Images

Verbessertes Defensiv-Zentrum

Kassierte ManCity vergangene Saison noch reihenweise Gegentore nach individuellen Fehlern und teilweise arg naiv verlorenen Zweikämpfen, steht die Abwehr um den beinahe unverzichtbaren Nicolás Otamendi in dieser Spielzeit deutlich sicher.

Ben Snowball aus der Eurosport-Redaktion in London: "Claudio Bravo und John Stones waren letztes Jahr eine Belastung - Bravo hielt zu schlecht, Stones misslangen teilweise die einfachsten Dinge. Stones hat sich nun stabilisiert und schöpft endlich sein Potenzial voll aus. Dazu hat Guardiola mit Ederson nun einen deutlich besseren Keeper im Tor."

Der 24-jährige Brasilianer hielt bereits zehn Mal zu Null, strahlt enorme Sicherheit aus. "Man hat das Gefühl, dass man sich auf ihn verlassen kann", sagte Rechtsverteidiger Kyle Walker. "Er ist gut mit den Füßen am Ball, er kriegt keine Panik. Und man hört ihn die ganze Zeit, er ist sehr aufmerksam und gibt uns Bestätigung. Er kann für uns am Ende der Saison den Unterschied ausmachen."

Ederson of Manchester City saves a penalty from Dries Mertens of SSC Napoli during the UEFA Champions League group F match between Manchester City and SSC Napoli at Etihad Stadium on October 17, 2017 in Manchester, United Kingdom. (Photo by Stu Forster/Ge

Ederson of Manchester City saves a penalty from Dries Mertens of SSC Napoli during the UEFA Champions League group F match between Manchester City and SSC Napoli at Etihad Stadium on October 17, 2017 in Manchester, United Kingdom. (Photo by Stu Forster/GeGetty Images

Endlich Außenverteidiger

Pep Guardiolas System fußt auf extrem offensiven Außenverteidigern, die 2016/17 schlicht nicht den Standard erfüllten (Zabaleta, Sagna, Clichy, Kolarov). Also wurde kostspielig nachgebessert.

Rechts spielt Kyle Walker jetzt so gut, dass er Champions-League-Sieger Danilo zum Statisten degradiert; die bittere Verletzung von Neuzugang Benjamin Mendy (Kreuzbandriss) kaschierte Guardiola links hinten, in dem er Mittelfeldspieler Fabian Delph umschulte.

Ben Snowball: "Delph und Walker haben die Außen belebt und lassen das in die Jahre gekommene vorherige Personal vergessen. Bei Guardiola geht es darum, dass die Außenverteidiger auf und ab marschieren, unnachgiebig, 90 Minuten lang - die neuen Spieler können die gegnerische Defensive nun deutlich besser beschäftigen als ihre Vorgänger."

Kun Aguero, Kyle Walker et Bernardo Silva

Kun Aguero, Kyle Walker et Bernardo SilvaGetty Images

Freiheit für De Bruyne and Silva

Geht es so weiter, streiten sich Kevin De Bruyne und David Silva am Ende der Saison um die Trophäe für den besten Spieler der Premier League. Als Offensiv-Duo kreieren beide drei Chancen pro Liga-Spiel, werden dafür von Guardiola mit allen Freiheiten ausgestattet.

Ben Snowball: "Vor der nun deutlich stabileren Defensive kann sich Guardiola den Luxus zweier kreativer Spieler im Mittelfeld erlauben. Zusammen können sie selbst die standhaftesten Abwehrreihen auseinandernehmen und durch unberechenbare Pässe empfindlich treffen."

Der Ertrag: De Bruyne hat bereits neun Pflichtspieltreffer vorbereitet, Silva zehn. Kein Wunder, dass City mit beiden lieber heute als morgen verlängern würde. Vor allem der nur noch bis 2019 gebundene Silva mausert sich zu Guardiolas Liebling.

"Wenn er endlich unterschreibt, wären wir alle extrem happy", sagte Guardiola vor kurzem und lobte:

Was mir am meisten an David imponiert ist, dass er als privat eigentlich ein eher zurückhaltender und ein bisschen schüchterner Typ auf dem Platz total ehrgeizig und aggressiv ist und jeden Zweikampf gewinnen will. Das erwartet man nicht von einem, der technisch herausragend ist und eher für die entscheidenden Pässe zuständig ist.

David Silva of Manchester City celebrates scoring

David Silva of Manchester City celebrates scoringGetty Images

Polyvalenter Jesus

"Wir haben offensiv viele Optionen und alle schießen Tore", sagte Kyle Walker kürzlich fast ungläubig im Interview mit dem Klub-TV. Egal, wer spielt - es klingelt. In der teaminternen Torjägerliste führt so Raheem Sterling (12) knapp vor Sergio Agüero (11), Gabriel Jesus (10) und Leroy Sané (9) - macht 42 Treffer verteilt auf vier Offensive.

Während sich Sterling zum Publikumsliebling mausert und Sané vor allem in Deutschland höhere Aufmerksamkeit bekommt, zeigt der Jüngste des Quartetts, der 20-jährige Jesus, dabei die größte Vielfalt und kristallisiert sich zu einem Schlüsselspieler für Guardiola heraus.

Ben Snowball: "Guardiola präferiert eine 'falsche Neun' in der Sturmspitze und musste sich da vergangene Saison voll auf Sergio Agüero verlassen - ein unbestritten toller Torjäger, aber keiner, der durch exorbitant gutes Kombinationsspiel auffällt. Jesus hat diese Saison bereits beeindruckend unter Beweis gestellt, dass er sowohl als Mittelstürmer als auch als 'falsche Neun' spielen kann und so am besten zum Guardiola-Style passt."

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