FC Liverpool: Darum holt Jürgen Klopp mit den "Reds" den Premier-League-Titel
Der FC Liverpool thront nach dem Boxing Day mit satten sieben Punkten Vorsprung auf Verfolger Manchester City an der Tabellenspitze der Premier League. Mit 4:0 wurde Newcastle besiegt. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte blieben die „Reds“ damit in der kompletten Hinrunde ungeschlagen und greifen nun nach der ersten Meisterschaft seit 29 Jahren. Drei Gründe, warum’s in diesem Jahr klappt.
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1. Jürgen-Klopp-Effekt
Geliebt wird Jürgen Klopp schon seit seiner Unterschrift in Liverpool. In seiner unvergleichlichen Art gab er sich schon in seiner Antritts-Pressekonferenz in Anlehnung an José Mourinhos "The Special One" den Namen "The Normal One".
Völlig normal schritt zu Beginn auch die sportliche Entwicklung an der Merseyside voran. Nach Platz 8 im ersten Jahr, führte Klopp die "Reds" zwei Mal in Folge in die Champions League (Platz 4) und im vergangenen Jahr sogar bis ins Finale der Königsklasse. Dass er jetzt, nach 19 Spieltagen in seiner vierten Saison, ungeschlagen ganz oben steht, ist alles andere als überraschend.
Klopp ist kein schneller Heilsbringer, sondern stetiger Entwickler. Schon in Dortmund zeichnete ihn die Gabe aus, relativ unbekannte Spieler in sein Team zu holen, sie zu integrieren und Topstars aus ihnen zu machen.
Beim BVB gelang das u.a. mit Kevin Großkreutz, Shinji Kagawa oder Robert Lewandowski, aktuell in Liverpool mit "Schnäppchen“ wie Mo Salah (42 Mio. vom AS Rom), Sadio Mané (40 Mio. € vom FC Southampton) oder Neuzugang Xhedran Shaqiri (15 Mio. € von Absteiger Stoke City). Salah und Mané sind heute laut transfermarkt.de knapp das Vierfache (150 Mio. €) respektive Doppelte (75 Mio. €) wert.
Von dieser Stärke "Kloppos“, gepaart mit der Fähigkeit Titel zu holen, war man in Liverpoll überzeugt. Im dritten Anlauf wurde er mit dem BVB überraschend zum ersten Mal deutscher Meister (2011). Zwei weitere Titel folgten im darauffolgenden Jahr (2012).
Angesichts des aktuellen 7-Punkte-Vorsprungs an der Tabellenspitze und der Ausgeglichenheit in der Spitze der Premier League wäre der Titel für den LFC keine Überraschung, sondern eher der erwartete Klopp-Effekt.
2. Transferpolitik
Während seiner Zeit bei Borussia Dortmund wurden jede Menge gute Transfers getätigt und oft wurden diese Sportdirektor Michael Zorc, als letztlich ausführendes Organ, zugeschrieben. Dabei betonte der 56-Jährige immer wieder, dass jeder Transfer im Kollektiv mit Trainer Klopp und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke realisiert wurde.
In Liverpool darf Klopp sich sein Team nun größtenteils alleine zusammenstellen. Natürlich stehen ihm diverse Berater und Scouts zur Seite, die Verantwortung für getätigte Transfers trägt aber allein der Teammanager - und der wurde Klopp bislang gerecht.
Mit Firmino (41 Mio. aus Hoffenheim), Mané und Salah baute er sich eine der besten Dreiersturmreihen Europas zusammen - und das für vergleichsweise kleines Geld. Zum Vergleich: Allein Neymar Jr. Und Kylian Mbappé kosteten Paris Saint-Germain rund drei Mal soviel. Im vergangenen Jahr stärkten die "Reds" mit einem Rekordtransfer die Defensive. Virgil van Dijk kam für knapp 80 Mio. Euro aus Southampton - nie wechselte ein Verteidiger für mehr Geld den Verein. Der Niederländer schlug voll ein und ist bisher jeden Cent wert.
Genau wie Alisson Becker. Der Keeper wechselte im vergangenen Sommer für satte 62,5 Mio. Euro nach Liverpool und hielt sein Team in der Nachspielzeit des letzten Champions-League-Gruppenspiels gegen den SSC Neapel mit einer Weltklasseparade im Wettbewerb.
Dass beim 4:0 gegen Newcastle nun auch noch die Neuzugänge Xherdan Shaqiri, der mehr und mehr zum Leistungsträger und Publikumsliebling wird, sowie Fabinho trafen, zeigt, dass Klopp als Transferguru funktioniert. Eines von vielen Mosaiksteinchen, die für den Titel von Nöten sind.
3. Mentale Stärke
In den ersten Jahren unter Klopp hatte der LFC häufig das Problem, gegen vermeintlich "kleine Gegner" zu stolpern. Dieses Manko stellte Liverpool sukzessive ab. Im vergangenen Jahr, Klopps drittes im Verein, war von Punktverlusten gegen schwächere Teams, abgesehen von einer 0:1-Niederlage gegen den Tabellenletzten Swansea City, kaum mehr etwas zu sehen.
Dieser Trend setzt sich in dieser Saison eindrucksvoll fort. Die einzigen drei Remis gab es gegen den Dritten FC Chelsea (1:1, 7. Spieltag), Tabellenführer Manchester City (0:0, 8. Spieltag) und den Tabellenvierten FC Arsenal (1:1, 11. Spieltag).
Liverpool hat Jahr für Jahr, langsam aber stetig, auf mentaler Ebene zugelegt. Das Erreichen des Champions-League-Finales in der vergangenen Saison hat die "Reds" endgültig wieder unter die absoluten Hochkaräter Europas gespült und in den Köpfen der Spieler ein neues Selbstverständnis verfestigt.
Ein Selbstverständnis, dass Liverpool aktuell eine Art traumwandlerische Sicherheit verleiht, die aber genauso gut zur Gefahr werden kann. Die Tabellenführung "bedeutet gar nichts“, mahnte Klopp nach dem Erfolg gegen Newcastle.
Eine Euphoriebremse, die man unweigerlich mit Klopps Zeit beim BVB in Verbindung bringt. Auch damals wollte man von verfrühten Meisterschaftsambitionen nichts wissen, dachte "von Spiel zu Spiel" und schaute "nur auf uns".
Und am Ende fuhren Mannschaft und Anführer Klopp mit Sonnenbrillen auf einem LKW um den Borsig Platz.
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