FC Liverpool | Stürmische Zeiten: Jürgen Klopp zwischen Kritik und großen Träumen

Dem FC Liverpool geht der Saft aus - so sehen die Kritiker die Lage an der Anfield Road. Das Team von Jürgen Klopp musste zuletzt mit zwei Remis leben, die Tabellenführung ist vorerst futsch. "Es wirkt nicht mehr so wie das Liverpool, das wir in den letzten vier oder fünf Monaten gesehen haben", monierte Klub-Legende Jamie Carragher bei "Sky Sports". Klopp habe einen gravierenden Fehler begangen.

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Die Niederlage im Spitzenspiel gegen Manchester City, dann zwei knappe Siege gegen Brighton & Hove Albion und Crystal Palace sowie zwei 1:1 gegen Leicester City und West Ham United - die Liga-Bilanz der Reds im Kalenderjahr 2019 ist alles andere als meisterhaft.
Seit Mittwoch ist auch noch die Tabellenführung weg. Zunächst vorübergehend, schließlich ist Manchester City nur dank des besseren Torverhältnisses und einer Partie mehr vorbeigezogen, aber dennoch: psychologisch ist das ungünstig für Liverpool.
In der Mannschaft versucht man sich gegenseitig zu beruhigen. "Das hat nichts mit den Nerven zu tun. In einer langen Saison kommen zwei schlechte Resultate schon mal vor", beschwichtigte Linksverteidiger Andrew Robertson.
Klopp versicherte, dass es trotz der brenzligen Lage "nicht um den Druck" gehe, sondern darum, "die Situation zu genießen". Sein Team habe in der Meisterschaft erst ein Spiel verloren, es sei "keine Überraschung", dass der Kampf um den Titel in der Premier League eng werde.

"Klopp hat großen Fehler gemacht"

Alles gut also? Nein, insistiert Jamie Carragher. Der 41-Jährige stieß 1996 zum Profi-Team des LFC und blieb Liverpool bis zum Karriereende 2013 als Innenverteidiger treu. Und es ist vor allem die Situation in der Abwehr, die Carragher im aktuellen Kader kritisch sieht.
Klopp habe da "einen großen Fehler gemacht, als er Nathaniel Clyne hat gehen lassen". Der Rechtsverteidiger wurde im Winter an den Ligarivalen AFC Bournemouth ausgeliehen.
Während Carragher die Entscheidung schlicht "nicht verstanden hat", geht der ehemalige englische Nationalspieler Chris Sutton in seiner Analye für "BT Sport" sogar noch einen Schritt weiter:
Tatsächlich wäre die Lage in der Defensive auch ohne Clynes Abgang schwierig. Joe Gomez muss nach einem Bruch im Knie operiert werden und fällt damit auf länger aus, als gedacht.
Dejan Lovren fehlt seit Wochen verletzt, Virgil van Dijk war zuletzt erkrankt und fehlt obendrein im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen den FC Bayern München (19. Februar ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) gelbgesperrt.
Die Zahlen bestätigen den Negativtrend in der Verteidigung, zumindest auf den ersten Blick. Nach 15 Spieltagen stellte Liverpool mit nur sechs Gegentoren den Liga-Rekord ein. Seitdem kassierten die Roten in zehn Partien neun Treffer - was allerdings immer noch ein guter Wert ist, zumal man weiterhin die klar beste Abwehr der Premier League stellt.

Kritik an Keita, Firmino und Salah

Doch auch die Offensive ist jüngst in den Fokus der Kritiker geraten. "Der Klub hat viel Geld für Keita ausgegeben, der aber permanent den Ball verliert. Firmino scheint nicht mehr derselbe zu sein, Salah ebenfalls nicht", unkte Carragher.
Ein Vorwurf, der auf den ersten Blick logisch ist, war es doch Sadio Mané, der in den vergangenen beiden Partien die Tore erzielte. Insgesamt aber waren Salah und Firmino in diesem Jahr für fünf der acht Liverpool-Treffer verantwortlich. Der Ägypter führt darüber hinaus die Torschützenliste der Premier League mit 16 Torerfolgen an.
Es verwundert kaum, dass der ehemalige Liverpool-Goalgetter Robbie Fowler dieser Tage auf der Vereinshomepage zu einer ganz anderen Einschätzung kommt als Carragher.
Der 26-Jährige ist und bleibt der Fixstern im Liverpooler Angriff - und das, obwohl er nicht zentral agiert, sondern über rechts kommt. In der vergangenen Saison avancierte Salah mit 32 Treffern zum Torschützenkönig. Sowohl die Fans, als auch die Journalisten und Spielerkollegen kürten den Offensivstar daraufhin zum Fußballer des Jahres in England.
Fowler beeindruckt vor allem eine Fähigkeit, die Salah auch in dieser Saison zeige: "Er macht Tore aus dem Nichts." Eine Qualität, die für den FC Liverpool entscheidend sein könnte, in der Premier League genau so wie in der Champions League.
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