FC Bayern München | Kommt jetzt Mauricio Pochettino?
Mit der Entlassung von Mauricio Pochettino und der Verpflichtung von José Mourinho hat Premier-League-Klub Tottenham Hotspur für Schlagzeilen gesorgt. Der Trainer-Tausch hat Auswirkungen, die möglicherweise sogar noch in München spürbar werden. Denn: Der FC Bayern sucht zumindest mittelfristig einen neuen Coach - und mit Pochettino hat man beim Rekordmeister wohl ohnehin schon geliebäugelt.
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Werden die Bayern etwa wortbrüchig? Die Versuchung scheint groß. Mauricio Pochettino ist auf dem Markt, urplötzlich.
Der Argentinier gilt unbestritten als internationaler Toptrainer, die Bayern müssten also schnell reagieren, um den 47-Jährigen zu verpflichten. Nur: Interimscoach Hansi Flick, der nach dem Aus von Niko Kovac übernahm, soll "mindestens bis Weihnachten, vielleicht auch darüber hinaus" im Amt bleiben. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erst vor fünf Tagen auf der Jahreshauptversammlung des Vereins.
Käme Pochettino sofort an die Säbener Straße, wäre das Versprechen an Flick hinfällig - und die Glaubwürdigkeit des FC Bayern arg lädiert. Wesentlich eleganter käme da schon die Winter-Variante daher: mit Flick bis in die Winterpause, mit Pochettino in die Rückrunde.
Ein Planspiel, dass den uneingeschränkten Beifall von Sportvorstand Hasan Salihamidzic finden dürfte, der als großer Bewunderer von Pochettinos Arbeit gilt. Beim Audi Cup in München - Tottenham gewann das Finale durch einen 8:7-Sieg nach Elfmeterschießen gegen die Bayern - soll es bereits ein längeres Gespräch zwischen dem Bayern-Funktionär und dem Spurs-Coach gegeben haben.
Pochettino-Fußball und Bayern: Passt das?
Spannend ist indes die Frage, ob der Pochettino-Fußball zum FC Bayern passen würde. Die Antwort kann nur "ja" lauten! Der Südamerikaner hat bewiesen, dass er bei taktischer Flexibilität konstant erfolgreich ist.
In der vergangenen Saison etwa wechselte er zwischen einem 4-2-3-1-, einem 3-4-3- und einem 5-3-2-System. Pochettino baute stets auf ein breit und qualitativ überragend besetztes Mittelfeld, davor lauerte Tormaschine Harry Kane. Der englische Nationalspieler brachte es allein in den vergangenen beiden Spielzeiten auf 65 Pflichtspieltreffer und bewegt sich damit in Lewandowski-Sphären.
Im Mai führte Pochettino die Blau-Weißen schließlich ins erste Europapokal-Finale seit 1984, auch wenn man den Champions-League-Titel letztlich durch ein 0:2 gegen den FC Liverpool verpasste.
Schönheitsfehler: Pochettino noch ohne Titel
Dennoch ist die Bilanz des Argentiniers beeindruckend. 2014 übernahm Pochettino bei den Spurs und führte den Klub aus dem Londoner Norden in jeder Saison mindestens auf Platz fünf. Der einzige Schönheitsfehler: für einen Titel reichte es in keinem Wettbewerb.
Beim FC Bayern wäre das allerdings die Grundvoraussetzung für eine langfristige Zusammenarbeit. Geht es nach Fußball-Experte Ben Snowball von Eurosport in London, könnte das den Ausschlag geben aus Sicht von Pochettino:
Es sei jedoch "schwer vorherzusehen, ob er sofort wieder einen Job annimmt. Pochettino kann sich Zeit nehmen, wohlwissend, dass viele Topvereine eine Interesse an ihm haben."
Die Bayern wiederum müssten sich von ihrem Mantra der jüngeren Vergangenheit lösen, unbedingt einen deutschsprachigen Trainer unter Vertrag nehmen zu wollen. Rummenigge hatte dies etwa 2018 während der Amtszeit von Jupp Heynckes zur Bedingung gemacht ("Wir wollen einen deutschsprachigen Trainer") und in der Folge mit Niko Kovac und nun Hansi Flick entsprechend gehandelt.
Bayern-Spieler loben Flick
Apropos Flick. Der 54-Jährige macht nach seiner "Beförderung" vom Co- zum Chef-Coach mit Topergebnissen beste Werbung in eigener Sache. Ein "Menschenfänger" sei Flick, lobte Kapitän Manuel Neuer. "Er hat einen guten Draht zu den Spielern, hat viel mit uns gesprochen."
Die Spieler sind angetan. "Ich will nicht sagen, dass nun alles super ist. Aber er hat in wenigen Tagen einen sehr guten Job gemacht", erklärte Robert Lewandowski gegenüber der "Sport Bild". Auch aus Sicht von Joshua Kimmich hat die Zusammenarbeit mit Flick "gut geklappt". Kurioserweise hatte sich der Außenverteidiger auch zu Pochettino geäußert, allerdings vor dessen Entlassung in London. Kimmich schwärmte:
Oliver Kahn, der für den 1. Januar 2020 in den Vorstand des FC Bayern berufen wurde, mahnte derweil in seiner "Kahnalyse" für Samsung, dass man sich "gut überlegen" müsse, mit welchem Coach der Verein in die Zukunft gehe. "Man möchte einen Trainer, der eine Ära prägen kann", so der ehemalige Weltklasse-Torwart. Und nimmt man alles zusammen, spricht eigentlich nicht viel dagegen, dass dieser Trainer Mauricio Pochettino heißt...
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