Der kommende Sommer wird für den FC Liverpool offenbar ein ruhiger. Schuld ist, wie sooft dieser Tage, das Coronavirus.

Die Pandemie wird auf der einen Seite die große Meisterparty mit den eigenen Fans in den Straßen der Arbeiterstadt verhindern. Sie wird aber auch die hauptsächliche Sommerarbeit der sportlichen Leitung auf ein Minimum reduzieren: die Verpflichtung neuer Stars.

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24/06/2020 AM 16:47

Wie englische Medien schon Anfang Mai übereinstimmend berichteten, seien die Reds gezwungen, ihr Budget "so weit wie möglich" zu kürzen. Der Grund sei, dass derzeit nicht abgesehen werden könne, wann wieder Einnahmen aus dem Zuschauerbetrieb generiert werden können.

Liverpool droht 100-Millionen-Defizit

Durch den Verlust der Spieltagseinnahmen stünde pro Spieltag ein Minus von rund 3,4 Millionen Euro zu Buche. Eine komplette kommende Spielzeit ohne Fans würde ein Defizit von mehr als 110 Millionen Euro nach sich ziehen. In Liverpool werden daher in diesem Sommer kleinere Brötchen gebacken. Nachvollziehbar, zumal der Kader aktuell zu den besten der Welt gehört.

Jürgen Klopp mit Mundschutz

Fotocredit: Getty Images

Doch Stillstand bedeutet Rückschritt - dieses Credo gilt für alle Bereiche der Wirtschaft und damit auch für das Fußballgeschäft. Im Fall von Liverpool könnte das bedeuten, schon jetzt im Saisonendspurt junge Talente und Spieler, die bislang etwas unter dem Radar flogen, ins Team zu integrieren.

In der Nachwuchsabteilung des designierten englischen Meisters gibt es einige Rohdiamanten, die darauf warten, von Jürgen Klopp und seinem Staff geschliffen zu werden.

Rhian Brewster und Sepp van den Berg

Sturmtalent Rhian Brewster, der zu den größten Nachwuchshoffnungen der Reds gehört, sammelt derzeit in der zweiten englischen Liga bei Swansea City Spielpraxis. Sechs Tore in zwölf Spielen erzielte der 20-Jährige, der eigentlich ab Juli wieder zum Kader der Liverpooler zählen sollte, jedoch so lange in Wales bleibt, bis die Championship-Saison beendet ist. Auf sein Premier-League-Debüt muss er also noch warten.

Anders stellt sich die Situation bei Innenverteidiger Sepp van den Berg da. Der 18-Jährige wechselte im vergangenen Sommer mit viel Trara vom niederländischen Erstligisten PEC Zwolle nach Liverpool und könnte in den verbleibenden acht Meisterschaftsspielen durchaus Spielzeit bekommen.

Rhian Brewster (li.) und Harvey Elliott

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Bisher kommt der 18-Jährige auf magere vier Einsätze im Team von Jürgen Klopp (3x EFL Cup, 1x FA Cup), ist Stammkraft bei der U23. Auf Dauer soll der Niederländer aber wichtiger Baustein in Klopps Defensive werden. Van den Bergs Talent, von dem im Übrigen auch der FC Bayern überzeugt war, ist vielversprechend - seine Lust auf die ausverkaufte Anfield Road treibt ihn an: "Das ist etwas, an das ich mich nicht nach ein paar Spielen gewöhne", sagte der Verteidiger nach seinem Heim-Debüt im Carabao Cup gegen den FC Arsenal.

FC Liverpool: Chance für die ganz jungen Wilden?

Und dann wären da noch Harvey Elliott und Curtis Jones. Elliott wechselte als eines der begehrtesten englischen Talente aus Fulham an die Merseyside, gab sein Debüt im Januar beim 2:0 gegen Sheffield United im Alter von 16 Jahren und 30 Tagen. Damit avancierte der Flügelstürmer zum jüngsten Premier-League-Debütanten der Geschichte.

Klopp ist ehrgeizig, er wird das Team auch weiterhin hart pushen, um ein paar noch mögliche Rekorde zu brechen

Jones entstammt der eigenen Jugend, gab bereits im vergangenen Jahr sein Debüt im FA Cup. Als zentraler Mittelfeldspieler gilt er als vielseitig einsetzbar und durchaus torgefährlich. Sowohl Elliott als auch Jones werden laut Premier-League-Experte Pete Sharland von Eurosport in London durchaus Einsatzchancen eingeräumt, sobald der Titel den Reds rein rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist. Allerdings wird es sich laut Sharland eher um Kurzeinsätze handeln: "Klopp ist ehrgeizig, er wird das Team auch weiterhin hart pushen, um ein paar noch mögliche Rekorde zu brechen."

Liverpool könnte die Spielzeit ohne Heimniederlage beenden, auch die Marke von 100 Punkten ist noch machbar.

Takumi Minamino und Naby Keïta könnten profitieren

Dennoch kann es im Hinblick auf die kommende Spielzeit förderlich sein, die Laune bei allen Spielen hochzuhalten und hier und da Bonbons zu verteilen. Gemeint sind damit nicht nur diverse Debüts der Nachwuchskräfte - auch gestandene Profis wie Takumi Minamino oder Naby Keïta flogen zuletzt etwas unter dem Radar - aus unterschiedlichen Gründen.

Während Minamino erst im Winter von RB Salzburg nach Liverpool transferiert wurde und sich daher noch in der Akklimatisationsphase befindet, wurde Keïta von einem Muskelbündelriss zu Saisonbeginn aus der Bahn geworfen. In seiner Abwesenheit legten die Reds eine beeindruckende Siegesserie hin, der Kern des Teams wuchs zusammen. Keïta fand sich nach seinem häufig auf der Bank wieder.

Das zentrale Mittelfeld ist - bei allem Respekt - nicht das Prunkstück in Klopps Team und bietet durchaus Möglichkeiten, sich festzuspielen. Fragt sich nur, wer diese Chance nutzt.

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