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Jamie Vardy von Leicester City: Der chronisch unterschätzte Stürmer
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Publiziert 06/04/2020 um 22:15 GMT+2 Uhr
Er ist ehemaliger englischer Nationalstürmer, englischer Meister und führt aktuell die Torjägerliste in der Premier League an. Trotzdem wird Jamie Vardy seit Jahren nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die er verdient. Schließlich gibt es gute Gründe dafür, dass der 33-Jährige nach wie vor einer der besten Stürmer der Eliteliga ist.
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Wer ist deiner Meinung nach der derzeit beste Stürmer in der Premier League? Sergio Agüero? Harry Kane? Vielleicht Mohamed Salah oder Sadio Mané? Und was ist mit Pierre-Emerick Aubameyang?
Wie wäre es mit dem Mann, der im Falle eines sofortigen, Coronavirus bedingten Saisonabbruchs den Goldenen Schuh erhalten würde? Wie wäre es mit Jamie Vardy?
Der Stürmer von Leicester City spielt eine fantastische Saison, führt die Torjägerliste der Premier League mit 19 Toren vor Aubameyang (17) und Agüero (16) an. Er war auf dem besten Weg, seinen persönlichen Rekord zu brechen, der bei 24 Toren aus Leicesters Meistersaison im Jahr 2016 liegt.
Und dennoch scheint es so, als würde all dies unter dem Radar der Öffentlichkeit geschehen - so seltsam sich das auch anhören mag. Bis zu den Verletzungen von Kane und Marcus Rashford, die den Leicester-Stürmer zurück ins Gespräch bei der englischen Nationalmannschaft brachten, gehörte die mediale Aufmerksamkeit anderen. Vardys Leistungen für die "Foxes" wurden von den Menschen als selbstverständlich erachtet.
Jamie Vardy seit 2014: Nur Kane und Agüero mit besserer Quote
Vielleicht liegt das Problem darin, dass die Geschichte des 33-Jährigen bereits zu oft erzählt wurde. Der Junge, der es aus ärmlichen Verhältnissen an die Spitze des Profifußballs schaffte, um schließlich auf märchenhafte Weise mit Aufsteiger Leicester City den Premier-League-Titel zu gewinnen. Vielleicht sind es die Social-Media-Possen seiner Frau oder aber einfach der Fakt, dass Vardy schlicht nicht mehr angesagt ist.
Es muss einen Grund geben, denn was Vardy mit 33 Jahren leistet, ist absolut bemerkenswert.
Seit Ende der Saison 2014/15, als Vardy Leicester mit einem sensationellen Lauf in der Premier League hielt, war der Stürmer nicht mehr aufzuhalten. In den folgenden fünf Spielzeiten, die laufende eingeschlossen, erzielte er 94 Tore in Englands höchster Spielklasse - nur Agüero und Kane trafen in diesem Zeitraum häufiger.
| Spieler | Spiele Premier League (Letze fünf Saisons) | Tore | Tore pro Spiel |
| Jamie Vardy | 168 | 94 | 0,56 |
| Sergio Aguero | 141 | 102 | 0,72 |
| Harry Kane | 153 | 112 | 0,73 |
| Pierre-Emerick Aubameyang | 75 | 49 | 0,65 |
| Sadio Mane | 155 | 70 | 0,45 |
| Mohamed Salah | 100 | 70 | 0,70 |
Wie Du der obigen Tabelle entnehmen können, hat nur Liverpools Mané eine schlechtere Tore-pro-Spiel-Quote als Vardy, dennoch liegt seine Statistik mit über 0,5 auf einem beachtlichen Niveau. Vardy ist noch immer Spieler eines Teams, das nicht Teil der traditionellen "Big Six" ist.
Vardy ist mehr als nur Torjäger
Zudem ist es neben dem Toreschießen eine von Vardys großen Stärken, auch mal die Drecksarbeit für sein Team zu übernehmen. Sein unermüdliches Pressing schafft Räume, die seine Mitspieler nutzen können.
Einige seiner früheren Teamkollegen, wie Riyad Mahrez und N’Golo Kante, sind zu größeren Vereinen gewechselt, Vardy ist Leicester jedoch treu geblieben und hat sein Bestes gegeben, die "Foxes" zurück in die Champions League zu hieven.
Vielleicht ist seine Vereinstreue auch die Antwort auf die ursprüngliche Frage dieses Textes. Nach seiner Fabelsaison samt Titelgewinn 2016 lehnte er einen Wechsel zum FC Arsenal ab. Einige Medien schrieben Vardy daraufhin regelrecht ab. Der Stürmer habe seine große Chance verpasst, seine Zeit wäre nun abgelaufen, weil er nicht mehr das Tempo für die großen Klubs besitze.
Genau wie Aubameyang wird auch Vardy oft nachgesagt, sein Spiel stehe und falle mit seinem Tempo. Beide sind jedoch mittlerweile jenseits der 30 Jahre und zeigen, dass sie kluge, intelligente Stürmer sind, die sich eines elitären Abschlusses rühmen.
Jamie Vardy: Schreckgespenst der "Big Six"
Ein anderer Fakt, der Vardy so besonders macht, ist seine Bilanz gegen die "Big Six", die, so fair muss man sein, die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient.
| Spieler | Premier-League-Spiele gegen die Big Six | Tore | Spiele pro Tor | % Premier-League-Tore gegen Big Six |
| Jamie Vardy | 59 | 33 | 0,56 | 0,33 |
| Sergio Aguero | 67 | 44 | 0,66 | 0,24 |
| Harry Kane | 48 | 24 | 0,50 | 0,18 |
| Pierre-Emerick Aubameyang | 18 | 6 | 0,33 | 0,12 |
| Sadio Mane | 50 | 19 | 0,38 | 0,24 |
| Mohamed Salah | 27 | 15 | 0,56 | 0,21 |
Der Stürmer erzielte bislang genau ein Drittel seiner Premier-League-Tore gegen Manchester City, Liverpool, Chelsea, Manchester United oder Tottenham Hotspur (33 von 99).
Diese Statistik sticht im Vergleich mit seinen Kollegen heraus, wenn man den "Freak" Agüero mal ignoriert. Wobei auch der Argentinier in dieser Kategorie nicht mit Vardys Quote mithalten kann.
In Zeiten, in denen Social-Media-Kritiker gerne darauf verweisen, dass jemand regelmäßig in großen Spielen abtaucht, um ihre kleinen Internet-Streitigkeiten zu gewinnen, glänzt Vardy gerade in den Topduellen.
Ebenso erstaunlich ist die Tatsache, dass diese Stärke des 33-Jährigen aus irgendeinem Grund zum akzeptierten Status quo geworden ist. Dabei hatten sich doch alle darauf geeinigt, dass Vardy als One-Hit-Wonder, welches ausschließlich in Claudio Ranieris Gegenpressing-Maschine funktionierte, in die Geschichte eingehen wird. Spätestens mit dem Abgang von Mahrez und der Entschlüsselung Vardys durch die Konkurrenz hätte der Torjäger wieder in der Versenkung verschwinden sollen.
Doch nichts davon passierte. Vardy hat sich weiter verbessert und wirkt unter Trainer Brendan Rodgers und zwischen seinen jungen, hungrigen Mannschaftskollegen wie neugeboren.
Vardy ist einer der Besten
Vardys Entscheidung aus dem Sommer 2018, sich aus der englischen Nationalmannschaft zurückzuziehen, scheint in Stein gemeißelt zu sein. Nachdem die EM um ein Jahr nach hinten ins Jahr 2021 verschoben wurde, haben Fürsprecher des Stürmers kaum noch Hoffnung, ihn noch einmal im Team von Gareth Southgate zu sehen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Vardy auch nächste Saison wieder europäische Abwehrreihen terrorisieren wird, ist da schon deutlich höher. Wenn die Premier League nach der hoffentlich überstandenen Corona-Pause zurückkehrt, vergessen Sie also nicht, einen besonderen Blick auf Vardy zu werfen. Er ist ein besonderer Spieler und die Art und Weise, wie er nach 2016 "weitergemacht" hat, ist absolut bemerkenswert.
Er wird seine Karriere als englischer Meister beenden und aller Wahrscheinlichkeit nach als Mitglied des 100-Tore-Clubs (100 Tore in der Premier League). Er verdient es, als einer der Besten angesehen zu werden.
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