Darum ist José Mourinho der richtige Trainer für Tottenham Hotspur

José Mourinho übernimmt Tottenham Hotspur und tritt damit sein drittes Engagement in England an. Auf den ersten Blick scheint der Portugiese, der für eher defensiven Fußball steht, nicht wirklich zu den offensiv oft spektakulär auftretenden Spurs zu passen. Eurosport.de hat im Taktik-Check einmal genauer hingeschaut und erklärt, warum "The Special One" genau der richtige Coach für Tottenham ist.

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Nach zwei Amtszeiten beim FC Chelsea ist José Mourinho erneut zurück auf der Insel. Bei den kriselnden Spurs soll er für neuen Schwung sorgen – und die Diskussionen um den Rauswurf von Maurico Pochettino beenden.
Tottenham stand in den vergangenen Jahren für erfrischenden Offensivfußball. In sehr guten Phasen war dieser gleichzeitig auch defensiv stabil und führte in der letzten Saison sogar bis ins Finale der Königsklasse. In weniger guten Phasen fehlte allerdings die Balance, sodass man zwar immer offensiv gefährlich aber gleichzeitig hinten offen war. In der laufenden Saison gelang bislang lediglich ein Spiel ohne Gegentor. Hier wird der neue Trainer ansetzen.

Pressing statt Bus-Parken

Mourinho hat einen ausgeprägten Ruf als defensiv denkender Trainer. Legendäre Abwehrschlachten wie mit Inter Mailand gegen den FC Barcelona bleiben den meisten Fans in Erinnerung. So ganz wird man Mourinho damit aber nicht gerecht. Er ist kein Trainer, der seine Spieler vor dem eigenen Strafraum parkt.
Mourinho setzt auf Pressing. Das kann auch mal etwas tiefer sein, um den Gegner zu locken, grundsätzlich ist das Ziel aber immer die Balleroberung statt die reine Verteidigung des eigenen Tors. Unter Pochettino spielte Tottenham viele verschiedene Grundordnungen, sodass Mourinho hier in nahezu jedem System zumindest eine solide Basis hat. Gut möglich scheint ein 4-2-3-1, mit dem er auch bei seinen letzten beiden Amtsantritten bei Manchester United und beim FC Chelsea begann.
Hier setzt Mourinho auf ganz klassische Prinzipien: Die einzige Spitze stellt den spielstärkeren Innenverteidiger des Gegners zu. Von dort aus läuft er den vorher ausgemachten Schwachpunkt im gegnerischen Aufbau an und lenkt das Spiel so auf eine Seite. Harry Kane, der ein gutes Timing und eine gute Physis mitbringt, ist für diese Rolle ideal geeignet. Im Mittelfeld werden die Spieler unter Mourinho in der Regel sehr mannorientiert verteidigt, sodass auch Offensivstars mal weite Wege mit zurückgehen müssen – beste Beispiele aus der Vergangenheit sind hier Angel di Maria oder Samuel Eto´o, die Mourinho überzeugte, harte Defensivarbeit zu leisten. Ein ohnehin fleißiger Spieler wie Heung-Ming Son könnte sich demnächst hier einreihen.

Physisch starke Spieler passen perfekt zu Mourinhos Stil

Durch die klare Zuteilung und Verantwortlichkeit sowie den auslösenden Impuls vom Stürmer ist schnell Druck auf dem Ball. Da es bei dieser Art zu verteidigen viele direkte Duelle gibt, setzt Mourinho in der Regel auf viele physisch starke Spieler.
Auf der Doppelsechs dürften daher Laufwunder Tanguay Ndombele und der Abräumer Eric Dier auflaufen. Auch die schnellen und robusten Außenverteidiger Aurier und Rose passen gut zum erwarteten Stil, die belgischen Innenverteidiger Jan Vertonghen und Toby Alderweireld sowieso.

Power, Einzelaktionen und Standards

Mit dem Ball wird sich unter Mourinho vermutlich nicht allzu viel verändern. Die Spurs haben ein Team, das sehr spielstark ist und gerade auf den vorderen Positionen über eine extrem hohe individuelle Qualität verfügt. Wenig überraschend also, dass der neue Trainer auf der Pressekonferenz bekannt gab, „ähnlich wie zuvor“ spielen zu lassen. Er werde einige Details verändern und bestimmte Schwerpunkte setzen, um nach und nach einen „fingerprint“ zu erarbeiten – in Fußballdeutsch also die eigene Handschrift.
Hier wird Mourinho vor allem auf Zielstrebigkeit setzen. In all seinen Mannschaften hatte er viele kreative Spieler zur Verfügung. Statt lang vorbereiteter Angriffe über viele Stationen gab es jedoch meistens schnelle, schnörkellose Angriffe zu sehen. Viele Abschlüsse in Strafraumnähe, frühzeitige Flanken vors Tor, viele Spieler im Strafraum. So will Mourinho den Druck auf den Gegner hochhalten und möglichst viele Aktionen für seine individuell oft überlegenen Offensivspieler schaffen.
Aus dieser Art anzugreifen resultieren in der Regel viele Standardsituationen (abgeblockte Schüsse, geklärte Flanken, Fouls gegen zielstrebige Dribblings Richtung Strafraum etc.). Hier waren Mourinhos Teams immer gefährlich, der bereits erwähnte Fokus auf physisch macht sich in diesen Situationen natürlich bemerkbar. Mit Christian Eriksen hat Tottenham zudem einen der besten Schützen, den man sich in der Fußballwelt für scharfe Flanken nach ruhenden Bällen vorstellen kann.
Eurosport-Check: Mourinho verlangt von seinen Mannschaften einfache Dinge – diese aber zu einhundert Prozent. In jedem Spiel. Bis zum Abpfiff. Ohne Ausnahmen. Für ein so inkonstantes Team wie Tottenham kann dies nach dem tiefen Fall vom Finale der Champions League ins Mittelfeld der Premier League nun genau das richtige sein. Die vorhandenen Spieler passen hervorragend zu den taktischen und athletischen Aspekten, die bei Mourinho normalerweise im Vordergrund stehen. Dass „The Special One“ zudem nun wohl die komplette Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird und die Mannschaft sich auf sich selbst konzentrieren kann, ist ein sicher hilfreicher Nebeneffekt.
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