FC Arsenal - Der geschliffene Rohdiamant: Wie Martin Ödegaard ganz England verzaubert
Martin Ödegaard wurde einst als neues Wunderkind des Weltfußballs gehandelt. Mit 16 Jahren wechselte der Norweger unter großem medialen Rummel zu Real Madrid. Ein verfrühter Schritt, wie sich später herausstellen sollte. Nach zahlreichen Leihen landete er 2021 beim FC Arsenal. Ein Glücksgriff für beide Seiten, mittlerweile strahlt der frühere Rohdiamant nämlich heller denn je.
Arsenal-Star Martin Ödegaard
Fotocredit: Getty Images
Mitte der 2010er-Jahre blickte ganz Fußball-Europa auf eine norwegische Kleinstadt namens Drammen. Dort, im hohen Norden, umgeben von Fjorden, wuchs seinerzeit ein besonders begabter junger Fußballer heran: Martin Ödegaard.
Auch Arsène Wenger, damals noch beim FC Arsenal als Trainer in Amt und Würden, war der talentierte Skandinavier nicht entgangen. "Als er 15 war, habe ich mit ihm darüber gesprochen, zu Arsenal zu wechseln", sagte der Franzose dem norwegischen TV-Sender "TV2".
Wie Ödegaard auf die ersten Avancen reagierte, erklärte Wenger nicht. Jedenfalls blieb der Gunners-Coach hartnäckig und buhlte im Dezember 2014 weiter um die Dienste des Juwels. "Ich habe nach dem Spiel am zweiten Weihnachtstag noch einmal mit ihm darüber gesprochen. Ich wollte ihn unbedingt unter Vertrag nehmen", erinnerte sich Wenger.
Doch die Lockrufe verhallten. Ödegaard entschied sich gegen einen Wechsel auf die Insel und heuerte stattdessen in der Nachwuchsabteilung von Real Madrid an. Knapp drei Millionen Euro überwiesen die Königlichen nur wenige Wochen nach Wengers Angebot an Ödegaards Ausbilderklub Strömsgodset IF.
Last bei Real Madrid zu schwer
Als Ödegaard beim spanischen Rekordmeister vorgestellt wurde, waren rund 100 Journalisten anwesend. "Ich habe mich für Real entschieden, weil ich dort die beste Option gesehen habe, um mich weiterzuentwickeln – auch im persönlichen und privaten Bereich", sagte der damals 16-Jährige im Rahmen seiner Präsentation.
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Fotocredit: Eurosport
Ein Trugschluss, wie sich später herausstellen sollte. Ödegaard fasste bei den Blancos nie Fuß, die Vorschusslorbeeren, die hohen Ansprüche, das Wunderkind-Prädikat lasteten verständlicherweise zu sehr auf seinen schmalen Schultern. Es folgten diverse Leihgeschäfte. 2017 ging es nach Heerenveen, 2018 nach Arnheim, 2019 zu Real Sociedad nach San Sebastián, wo er erstmals wieder von sich reden machte.
In 36 Spielen steuerte Ödegaard sieben Tore und neun Vorlagen bei, Real beorderte ihn zurück, ließ ihn jedoch zumeist auf der Bank schmoren. Im Januar 2021 folgte dann, mit mehrjähriger Verspätung, doch noch der Wechsel zum vormals interessierten FC Arsenal - zunächst erneut auf Leihbasis. Der Mittelfeldmann überzeugte auf der Insel, sodass die Londoner ihn für eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro fest unter Vertrag nahmen.
Ödegaard schlägt beim FC Arsenal ein
Seither ist Ödegaards Engagement an der Themse eine einzige Erfolgsgeschichte. Coach Mikel Arteta setzte von Beginn an bedingungslos auf die Dienste des Regisseurs, der Spanier schätzt Ödegaards herausragendes Spielverständnis. Am Anfang der aktuellen Saison versah Arteta seinen Schlüsselspieler mit der Kapitänsbinde.
Eine Entscheidung, die Ödegaard augenscheinlich noch mehr beflügelte. In der laufenden Spielzeit stehen sieben Treffer und fünf Assists zu Buche, der mittlerweile 24-Jährige ist einer der Hauptverantwortlichen für Arsenals Höhenflug, der sich nach 17 Premier-League-Spielen in der souveränen Tabellenführung (fünf Punkte auf Verfolger Manchester City) äußert.
Zuletzt verzückte Ödegaard das Königreich mit seiner Darbietung am Silversterabend gegen Brigthon & Hove Albion. Beim 4:2-Erfolg über die Seagulls erzielte Ödegaard zunächst das zwischenzeitliche 2:0, ehe er im zweiten Durchgang ein Pass-Kunstwerk in Richtung Mitspieler Gabriel Martinelli abschickte. Der Brasilianer vergoldete das Meisterstück zum vorentscheidenden 4:1.
"England liegt Ödegaard zu Füßen"
"England liegt Ödegaard zu Füßen", titelte die "Daily Mail" im Nachgang, der "Mirror" schrieb: "Martin Ödegaard sah im Spiel gegen Brighton aus wie ehemaliger Galactico. Der Kapitän der Gunners befindet sich in der besten Form seiner Karriere." Die spanische Sportzeitung "as" ernannte Ödegaard zum "neuen König" und führte aus: "Die Premier League verneigt sich vor seinem neuen Phänomen."
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Martin Ödegaard, William Saliba und Bukayo Saka vom FC Arsenal
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Der gefeierte Held gab sich nach der Partie bescheiden. "Es war ein weiteres wichtiges Tor, ich freue mich, der Mannschaft mit Toren und Assists zu helfen", sagte Ödegaard. Sein Übungsleiter schwärmte: "Er macht das, was wir von ihm erwarten: nämlich Fußballspiele entscheiden. Aber er arbeitet auch hart, um der Mannschaft in jedem Moment des Spiels das zu geben, was sie braucht."
Ödegaard ist dem Status als Rohdiamant längst entwachsen, ist fertig geschliffen - und dieser Tage einer der wertvollsten Spieler der englischen Beletage. "Arsenal kann mit Ödegaard im Titelrennen ganz vorne mitmischen", befand Arsenals Trainer-Ikone Wenger. "Er trifft seine Entscheidungen schnell und immer optimal. Ich mag ihn und die Art und Weise, wie er den Fußball so einfach aussehen lässt. Er hat sich sehr gut entwickelt, das ist wirklich erstaunlich."
Dass Ödegaard schließlich doch noch den Weg nach Nord-London gefunden hat, freut Wenger, Fan der ersten Stunde, ganz besonders: "Zum Glück ist er jetzt da." Diese Auffassung werden die Arsenal-Anhänger vollumfänglich teilen. Sie alle träumen von der ersten Meisterschaft seit 2004 - und legen ihre Hoffnungen in ein ehemaliges Wunderkind, das zur Weltklasse gereift ist.
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Quelle: Eurosport
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