Dele Alli gibt im Interview mit Gary Neville schockierende Einblicke: Respekt für diese Worte
Dele Alli galt als größtes Talent Englands, schon in jungen Jahren avancierte er bei Tottenham Hotspur zum Leistungsträger. Schnell wurde er Stammspieler bei den Three Lions. Dann folgte sein unerklärlicher Absturz. Nun gab Alli schockierende Einblicke in seine Vergangenheit, sprach über Tablettenabhängigkeit und innere Dämonen. Eine Offenheit, vor der man nur den Hut ziehen kann.
Dele Alli gab ein denkwürdiges Interview
Fotocredit: Getty Images
Dele Alli sitzt auf einer beigefarbenen Couch, dunkelgrüne Trainingsjacke, Cap, Shorts, weiße Tennissocken, weiße Sneaker. Schräg gegenüber hat Gary Neville Platz genommen. Der ehemalige Defensivmann von Manchester United, der mittlerweile als TV-Experte aktiv ist, interviewt in seiner Youtube-Sendung "The Overlap" regelmäßig Fußball-Persönlichkeiten.
Doch diese Ausgabe, das wird schon zu Beginn klar, ist kein lustiger Plausch. Alli öffnet sich, gibt schockierende Einblicke in seine Vergangenheit. Es ist ein bewegendes Interview, ein Interview, das nachhallt.
"Ich habe Angst davor, darüber zu reden", verrät Alli, der nach einem sechswöchigen Aufenthalt in einer Klinik nun die richtige Zeit gekommen sieht, "den Leuten zu erzählen, was los war."
Für diejenigen, die mit dem Namen Dele Alli nicht allzu viel anfangen können: Alli - damals in Diensten von Tottenham Hotspur - wurde vor einigen Jahren als größtes Talent Englands gefeiert, mit nur 19 Jahren debütierte er im Oktober 2015 für die Nationalmannschaft.
Mourinho nannte Alli "scheiße faul"
Alle Türen standen dem Youngster offen, sämtliche Schwergewichte Europas leckten sich die Finger nach Alli. Doch zu einem Wechsel kam es nicht, der Mittelfeldmann, der die Three Lions bei der WM in Russland ins Halbfinale schoss, stürzte auf unerklärliche Weise ab. Die Gründe schienen mannigfaltig, vor allem seine fehlende Leidenschaft, Faulheit, Affinität für das Londoner Nachtleben schienen Alli auszubremsen.
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Dele Alli (l.) und José Mourinho
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Allen voran José Mourinho kritisierte während seiner Zeit als Tottenham-Coach immer wieder Allis Einstellung. In der "Amazon"-Dokumentation "All or Nothing: Spurs" wird ein Gespräch zwischen Mourinho und seinem Schützling gezeigt. "Es gibt Spieler, die konstant Leistung bringen. Und es gibt Spieler, die besondere Momente haben. Das macht den Unterschied zwischen einem top, top Spieler und einem Spieler mit top Potenzial aus", erklärte Mou.
Alli fiel augenscheinlich in die zweite Kategorie. Wenn er sich weiter wie ein "Party Boy" verhalte, dann werde er "bereuen, dass du nicht das erreicht hast, was du hättest erreichen können", prophezierte Mourinho, der seinen Schützling später noch als "scheiße faul" bezeichnen sollte. Statt Real Madrid, Barcelona oder Bayern München wurden die Interessenten weniger namhaft. Nach einem mäßigen Engagement beim FC Everton ging es auf Leihbasis weiter zu Besiktas nach Istanbul.
Ein Weg nach unten, den viele vermeintliche Wunderkinder, viele hochgehandelte Top-Talente, schon in ähnlicher Form beschritten.
Alli gesteht Schlaftabletten-Sucht
Doch Allis Geschichte ist viel komplexer. "Bist du okay?", fragt Neville zu Beginn des Interviews. "Zum ersten Mal seit einer langen Zeit, ja", erwidert Alli. Es gehe ihm gerade "besser denn je." Was Alli dann schildert, ist erschütternd. "Ich gewann den täglichen Kampf, ins Training zu gehen, zu lächeln, Freude vorzuspielen, aber in mir habe ich den Kampf definitiv verloren."
Der mittlerweile 27-Jährige bekämpfte seine Dämonen mit Schlaftabletten und Alkohol, war eigenen Angaben zufolge "abhängig", ohne es sich zunächst einzugestehen.
Ein Verdrängungsmechanismus, der offenbar nicht wegen sportlicher Misserfolge oder einer stagnierenden Karriere eintrat.
Alli vom Freund der Mutter missbraucht
"Mit sechs Jahren wurde ich von einem Freund meiner Mutter, die eine Alkoholikerin war, missbraucht", verrät er Neville, der seine Tränen nur schwer zurückhalten kann. Alli weiter: "Später wurde ich zu meinem Vater nach Afrika (Lagos, Nigeria, d. Red.) geschickt, um Disziplin zu lernen. Mit sieben begann ich zu rauchen, mit acht habe ich Drogen verkauft."
Im Alter von zwölf Jahren wurde Alli schließlich adoptiert. Die Wende im Leben des Jungen, er habe sich "keine besseren Leute" als seine Adoptiveltern wüschen können. Trotzdem gelingt es auch ihnen nicht, zu Alli durchzudringen. Wenn er weint, will er für sich sein, nicht über die Gräuel sprechen, die ihm widerfahren sind.
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Dele Alli
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"Ein paar Jahre lang habe ich mich selbst verloren", gesteht er. "Ich wollte keine Hilfe annehmen, alles mit mir selbst regeln." Vor drei Jahren habe er "eines morgens vor dem Spiegel gestanden" und sich gefragt, ob er schon jetzt mit der Sache, die er "liebe", dem Fußball, aufhören könne. Er tat es nicht.
"Ich hoffe, damit nur einer Person zu helfen"
Den Schlaftabletten habe er mittlerweile abgeschworen, dabei habe ihm die Zeit in der Entzugsklinik geholfen. Alli will mit seiner Geschichte anderen Betroffenen helfen. "Ich mache niemandem einen Vorwurf, wie es mir geht. Ich möchte den Leuten nicht leidtun. Ich hoffe, damit nur einer einzigen Person zu helfen."
Wie es nun für ihn weitergeht? Alli möchte nach seiner Rückkehr zum FC Everton wieder Fuß fassen, "besser als damals sein, sowohl als Spieler als auch als Mensch. Ich bin gespannt, was die Zukunft für mich bereithält."
Man kann diesem jungen Mann nur das Beste wünschen, Respekt zollen - und ihm für seine aufrüttelnden Worte danken.
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Quelle: Perform
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